Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Ile de France

Die Sphären
der Quadratur begreifen.
Die vier Weltecken
als die Vielfalt des Lebens sehen.
In die Sphären eingebettet,
aber begriffen
mit den vorsichtigen
Fingerspitzen.
Die sorgfältigen
Diebsfinger
als Hinweis
auf nötige Sorgfalt achten,
lachen
über die verschwundenen
zwei Flaschen Wein,
das alte Brot,
den eben erst gekauften
französischen Käse,
sogar den inzwischen fehlenden Vorrat
an Margarine noch
im kleinen Wohnmobil.

Keine Medizin fehlte,
keine Ausrüstungsgegenstände
für die Reise,
nicht der Kraftfahrzeugschein,
den sie offen liegen ließen,
nichts von Bedeutung,
keine von den Kleinigkeiten;
den vielen Notwendigkeiten.
Im Wald von Fontainebleau,
wo wir die Ritzungen
nicht fanden
aus der Anfangszeit
begrifflichen Denkens,
die Marie König einst deutete
in den Kulthöhlen
der Ile de France:
die Sphärenkugeln
und windrosendurchkreuzten
Schalen,
die heiligen,
Himmel und Erde
je eigen bedeutend,
die Gitter,
die allumfassenden,
detailliert diese Welt
betrachtenden
und ihre Ordnung.

Keine Vulva,
kein Pfeil,
die Sterben und
wiedergeborenes Leben
in der Vereinigung
der Drei und der Vier,
von Zeit und Raum
uns versprechen
schon seit mehr
als zwanzig tausend Jahren.

Einen Tag erleben,
in dem so viel
Platz hat,
ja, hatte.

Erkenntnis

In Gittern gerastert
Die Erkenntnis der Welt.
Eckpunkte gezählt
Und die Diagonalen
Gezogen:
Quintessenzen
Destilliert.
Aus vier mach neun.
Doch zwischen den Potenzen
Tanzen unbegriffen
Die Mysterien noch.
Nur im Taumel spüren
Lassen sie sich.

Nog´noddelt

Mei Frau
Hot sich earan Kopf
Net Z”˜rechtg´setzt
Em Uffschdelldach
Vom VW-Bus
(wia´n´i g´moint hau).
Se hot an beim Nuffschdeiga
Nau richdig nog´noddelt,
sait se.

Legende

Der Mont Saint Michel.
Umschleiert.
Ganz in der Ferne.
So weit entfernt
Von dem Sandstrand,
Wo die jungen Liebenden sich kosen,
Wie Cotentin.

Näher ist mir der Menhir,
Neun Meter hoch,
Wenn auch
Entrückt meinem Blick,
Aber gegenwärtig
Dem Traum
Eines vernünftigen Morgen.
Kriegerischer Mordlust entgegen
Vom Himmel gefallen,
Die massakrierenden
Streitenden
Zu trennen.

Grau – schon eine Woche alt – als Unterbrechung der Pause

Grau ist nicht
eine Farbe.

Das Grau der Wolken,
deren Himmelsfeuer
sich dem Grau
der bretonischen Hausdächer
angeglichen hat.
Das schwarze Grau
der Hügel und Bäume,
sobald die Sonne
versunken ist
in den Wellen.
Das dunkelblaue Grau
des Himmels
im Osten.
Das hellblaue Grau
der zurückweichenden Fluten,
von innerem Licht illuminiert.
Der rosige Grauton
des Schlicks,
der rötliche Grauglanz
des Sandes.

Vielfältig ist es,
das Grau,
abgestuft die Farbtöne
des Graus.
Grau ist ein Strauß
vieler Farben.
Friedlich versammelt.
Und kein Grausen.

Sommer 2 (Blogpause)

Die erste Hibiskusblüte dieses Jahres
in unserem Garten,
ein Zeichen des Sommers,
ich konnt´s kaum erwarten.

Bald sind von Blüten
die Sträucher bedeckt,
jetzt noch ist die erste
zwischen Blättern versteckt.

Mit dieser im Folgenden genauer zu sehenden Hibiskusblüte verabschiede ich mich für ein paar Wochen vom Bloggen und mache Pause.

Bußfertige Hoffnung

Ihr setzt eure Hoffnung
Auf den Vater im Himmel
Und euer Wettermacher
Ist Petrus.

Auf der Mutter Erde jedoch
Wird die globale Erwärmung
Inszeniert, die uns katastrophale
Jahrhundertregen beschert
Alle zwei Jahre.

Ihr müssen wir
Abbitte tun.

Russischer Chor von EsslingerInnen in der Aichwalder Feldkirche

Der klare Geist,
der zwar Religionen zulässt
in den Köpfen der Menschen,
wie liebt er
die musica
ohne verstandene Worte.

Sie ist so stürmisch, so sanft,
eine tolle Geliebte.
So unreflektiert
vom Inhalt der Worte.
Töne tragen die wie Butter
Aromen.

Auch ich liebe sie,
liebte sie sicher noch mehr,
die Worte,
wenn sie statt
Vaterunser im Himmel
Mutter Erde besängen,
sogar ohne Musik.

Doch
Alle Lust ist jahrlang,
so klingt´s für mich,
wenn
die Butterworte
ertönen.

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