Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Kinder-Aphorismus*

Weißt du, in der U-Bahn darf man nicht essen, aber in der Ess-Bahn darf man’s. Die heißt ja so!

*aufgeschnappt in der S-Bahn zwischen Echterdingen und Bad Cannstatt. Autorin war ein sechs- bis siebenjähriges Mädchen, das mit seinem Opa auf dem Weg zum Stuttgarter Volksfest war.

Farbenrausch

Farbenrausch
vor dem Blättertaumel.
Noch vor dem verhüllenden Nebel.
Schmuckmaterial die Fülle.
Dekorieren der Tische ist Pflicht.
Unmöglich ist Übertreibung.
Doch Schwelgen in Überschwang.

Annäherung

Nicht so recht wissen,
wo´s lang geht.
Vychod heißt jeder Bahnhof
auf der Reise nach Prag.
Schwarz und deutlich die Lettern,
unter denen die Passagiere
den Bahnsteig verlassen.
Herbstfarben wuchern
auf den buschbestandenen Flächen
jeden Tag mehr.
Den grauen Wolken folgen
und die Richtung erahnen,
in der nun der Wind weht.
Die Aussprache lernen
und Wörter erkennen
jeden Tag mehr.
Ankommen irgendwann doch.

Die dunkle Zeit

Je kürzer die Tage,
desto tiefer steht die Sonne.
Je tiefer die Sonne steht,
desto inniger verbindet sie sich
mit unsern Räumen.
Deren Vertikales Außen
wird überwunden.
Deren Inneres wird erhellt
in der dunklen Zeit
der kürzeren Tage.

Geheime Daten
sind offenbar.
Wir können sie
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oder auch löschen.

Kommentargedicht zu Utas Gedicht hier.

Plagiat

Plagiat
(Original hier oder in einer Hördatei  hier
.)


„Control orders“ – das
sind übersetzt
polizeiliche Auflagen. Klingt
eigentlich ganz harmlos. Doch
die Maßnahmen haben es
in sich. Zum Beispiel: Hausarrest
ohne Telefon und Internet. Der droht
Terrorverdächtigen in Großbritannien
oder Personen, die als nationales
Sicherheitsrisiko eingestuft
werden.

Polizisten

entscheiden darüber, wer
die sogenannte elektronische
Fußfessel bekommen soll.
Ohne Haftrichter,
ohne Gerichtsverfahren.


Ergänzung hier

Siehe auch Barbara Hauser auf ”šGiocanda”˜: Schöne neue Zeit

Verheißung

Aus Zeitwellen spritzt
Sekundengischt
über den Lebensbug.
Durch die Brandung
steuert das Boot
irgendwann
an das Land
der Verheißung
des Stillstands.

Kommentargedicht zu Barbaras „Im Laufe der Zeit„.

Curt hat das Gedicht „Verheißung“ so kommentiert:

Möglicherweise?

Welcher Bote hat verheißen
dass es ”˜Land des Stillstands´ gibt?
Nur weil Tote nicht mehr reisen?
Der Gedanke ist beliebt.

Gibt´s das Land, werden gar viele
sich noch wundern, dort geht´s rund.
Keinen Stillstand, nicht nur Spiele,
weiter lernen wär gesund.

Zentrale Forderung

Das Auge trinkt
und schwindelt schier,
was ein Gefühl dem Menschen bringt
in seinem Innern, ja, grad hier.
Zucker-
Ahorn-
Rosen-
und Orangen-
hauch,
was meldet da der Bauch
dem Hirn?
„Ach Erde, Himmel, Arsch
und Zwirn,
ich hoffe, du hast nicht vergessen,
die rechte Handlung zuzumessen:
Nicht nur das Fressen wie bei Hammeln
soll da im Vordergrunde stehen.
Etwas ganz andres sollst du sammeln,
sonst wird es schlecht im Winter dir ergehen.
Im Zweifelsfalle wird die Seele darben,
sammelst du jetzt das Allernötigste nicht: Farben.

Sicherheitsdenken seit der Bronzezeit

Schwerter schneiden
Keine Brote im Frieden.
Doch wer will verzichten
Auf den goldenen Glanz
Ihrer Klingen?

Wälle schützen den Wohlstand
Für Wohlgeborene freilich.
Doch angeborene Warner
Gehen verloren im Wahn
Schützender Bauten.

Wo Gefahren verschwinden
Aus dem Bewusstsein,
Verlieren sich Erbarmen
Und Güte.

Wie kann ein liebender Gott
Ein feste Burg sein?

In der Sorglosigkeit der Sicherheit
Vergisst man, wie notwendig
Der Verzicht auf die Macht ist.

Und schon naht das Verderben,
Mit dem niemand gerechnet.
Unausweichlich erscheint
Auch die letzte Katastrophe,
Wenn keine Flucht mehr
Gedacht wird.

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