Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Einmal k e i n Gedicht

Ich habe gerade den Roman Beduinenmilch von Nirit Sommerfeld fertiggelesen. Ich muss sagen: So bewegt wie bei diesem Buch war ich selten, möglicherweise noch nie vorher.
Eine siebzehnjährige junge Frau reist nach Israel. Sie steht kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Sie ist, da ihre Eltern Israelis und Deutsche sind, auch mit einem israelischen und deutschen Pass ausgestattet.
Sie entscheidet sich schon ohne Wissen ihrer Eltern dafür, in Israel Soldatin zu werden.
Doch ihre grausigen Erfahrungen in Israel, die der Leserin oder dem Leser die ganze schlimme Geschichte Israels deutlich macht, bringen sie während ihres Aufenthaltes immer mehr zu dem Entschluss, eben nicht Soldatin zu werden, obwohl sie gerade durch ihre schönen und auch aufregenden Erfahrungen in Israel dieses Land immer mehr als ihre eigentliche Heimat empfindet – was sie ihren Eltern lange nicht mitzuteilen in der Lage ist.
Doch am Schluss kommt alles ganz anders, als sie es zunächst empfunden hat, und sie trifft eine andere Entscheidung als sie es selbst erwartet hatte.

Ein Winter mit Schnee?

Ein paar Winter ohne Schnee
und dann plötzlich eisiges Entsetzen
wenn es ein wenig Chaos gibt

Sind wir Winter ohne Schnee
schon gar nicht mehr gewohnt
Hat uns der Klimawechsel schon so im Griff

Statt dass wir uns freuen:
Es gibt noch einen Winter
Noch ist das Chaos nicht wirklich groß

Nur Klage der Pazifisten heutzutage: Anfang des Jahres 2026?

Wer kann dem Untäter noch Halt gebieten
in unserer Zeit
der doch so gute Argumente
sein eigen nennt
dass er alles verwirft
das uns heilig war
bis jetzt anscheinend noch

Tolstoi
Kant
und Jesus
ihre Worte gelten nichts mehr
heutzutage

Wer Macht hat
kann alles machen
heutzutage

Ohne Moral
ohne Gesetze
selbst ohne irgendwelche
wirklich guten Argumente

Wollten wir‘s ändern
müssten wohl wirklich alle Jugendlichen
den Wehrdienst endgültig ablehnen
total auf der ganzen Welt

Denn sonst bleibt nur die Macht
dass alles getan wird
was den Mächtigen gefällt
und nicht Frieden zu bewahren

Und wollen wir das wirklich?

Zum Neuen Jahr 2026

Willkommen liebes neues Jahr
Und bleib gesegnet nun das alte
Was hilft‘s man muss dich erst mal lieben
Mach‘s bloß nicht schlechter als das alte

Bring Frieden mit und auch Glückseligkeit
Lass niemand dich zu stark beschimpfen
Lass wenigstens das Glück besser empfinden
Und lass nicht so viel Pech drin finden

Lass Edelsteine funkeln heller
Lass lauter Güte drin erblicken
lass uns zu uns und euch zu euch auch finden
und lass uns alle aneinander binden

Ich glaube fest – ich muss es wohl –
dies Jahr muss endlich Bessres bringen
es muss doch manches dieses Mal
doch besser uns gelingen.

Wintersonnwende

So schönes Wetter heute
am kürzesten Tag heute
(wird er womöglich nicht:
eher später noch der kürzeste –
obwohl das gar nicht so klar ist)

Aber die Sonne dreht sich wieder
in unsere Richtung: nach Norden
Da leben ja wir
Und da werden die Tage
deshalb jetzt länger wieder
(wenn auch vielleicht nicht wirklich heute)

Trotzdem die große Freude
die übergroße, köstliche Freude
und so willkommen
du Sonne
du warme
du liebe – wirklich willkommen

(wenn vielleicht auch noch
kalte Winde blasen
werden)

Eine schwere Last

Wie schön, wenn eine schwere Last
mir von den Schultern gleitet
und alles sich wieder fügt
wieder einfügt in einen Kosmos

Im Privaten ist das wohl möglich
ist nicht nur möglich
geschieht manchmal auch
und ich bin dann wieder ganz
wieder gesund und munter

Warum nicht im Leben der Völker
Da gibt es wohl auch das Bewußtsein
„Alles ist möglich“
Aber wie viele Leiden
Menschenleben oft kostet es
und irrsinniges Leiden
Und nur sehr selten
kommt es zum guten Schluss
Und kommt es zum Schluss
wie wunderbar scheint es zu sein
bis zum nächsten Konflikt

Frieden sei eine Praxis
und nicht nur Hoffnung
hörte ich neulich

Wie schön wäre die,
wenn die Last von den Schultern
der Menschen dann glitte

Alles eine Frage des Willens

Ich habe erst gestern wieder
bei Regen und bei leichtem Schneefall
mich ein bisschen mehr an den Winter gewöhnt

die lange Unterhose ausgezogen
die kurze dafür angezogen
und trotzdem gar nicht gefroren

So sollte es wohl weitergeh‘n
auch im kälteren Winter dies‘ Jahr
habe mir vorgemerkt nicht mehr zu frieren

Ein goldener Abend

Ich vergehe fast bei dem Erinnern
an den goldenen Streifen im Westen
am Donnerstag Abend vorgestern
Aber noch mehr beim Blick in den Osten

Dort über dem Berg Teck
gab es einen Abglanz des westlichen Goldstreifs
und die „Burg“ lag still darunter

Der Mann von der Teck,
der König Deutschlands war
für ein paar Tage nach seiner Wahl
vor der meuchelnden Ermordung
unten liegt er in der Kirche zu Owen
unter der Teck
in seinem Sarkophag
mit dem gekrönten Adlerkopf drauf
Das ist fast alles von seinem Geschick

Ach wie wehmütig traurig eigentlich
Und passt so gut in unsere Zeit

Aber am gleichen Donnerstag-Abend
da stand ich im mit Kerzen erhellten Kreis
zum Gedenken an die Verschleppung
der Esslinger Juden 1941
(da war ich schon geboren)
und der neue Esslinger Dekan
sprach von seinem Urgroßvater
einem schrecklichen SS-Mann
der schreckliches Unheil brachte
das der Dekan so sehr bedauerte und sich dessen schämte

Auch ein Zeichen dieser Zeit

Veränderungen

So viele Veränderungen
Riesige Bäume ganz kahl
Einige Bäume mit kahlem Haupt oben
unten aber in hellem Gelb
Manche im Ganzen noch fast grün
und bunte Bäume sind der Schmuck
in der Landschaft
und alles ist Herbst

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