Hochsommer und Herbst.
Durch eine Nacht nur getrennt.
Jetzt schon im August.
Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 45 von 165)
Die Sehnsucht nach Vergangenem
scheint keine Hoffnung zuzulassen.
Entschwunden bleibt entschwunden.
Vertan ist ja vertan.
Zeitreise gibt es nicht.
Vorbei ist doch vorbei.
Ich blicke auf
zum Himmelsgrund
und seh‘ das Sternenlicht,
das funkelt.
Da ist es ohne Zweifel doch
am Firmament.
So firm und sicher ist sein Sein.
Von einem untergegangenen Stern
kommt es zu uns.
Die kleine, siebenjährige Jüdin, ach:
wie sagt man für eine weibliche Israeli,
die sie inzwischen schon war?
Sah sie, wie der kleine, neugeborene
Palästinenser Abu
vertrieben wurde
oder deportiert nach Haifa?
Er sollte der Gründer und Führer werden der PLF.
Sie eine Wundersängerin.
Auch ich, gleichen Alters,
liebte ihren Gesang schon,
als sie zusammen noch war
mit Abi, ebenfalls einer aus
Safed, von dem andern getrennt nur
durch einen Buchstaben.
Abraham konnte seine späteren Erben
nicht einen.

Freundliche Begleiterin
Sinnbild des Sommers.
Auch in unseren Breiten.
Die wilde Malve.
Sie krönt die heißen Tage.
Sie lächelt mich freundlich an.
Im kühlen Schatten
genieße ich die Sonne.
Welch ein Widerspruch!
Die Scheibe der offenen Tür:
blanker Spiegel hin zur Terrasse:
Munter umherhüpfen seh ich ein Spätzchen.
Ich glaube wohl, es kennt mich bereits.
Aber erschrecken will ich es nicht.
*ein Janka
Ha Donder aber au:
Horch, was i iberleg:
Wenn i ned leaba däd,
wär i scho dood.
Odder i wär no net,
no gar net gebora,
wär no a Traum,
vo meine Eltra a Traum.
Ob i a Alptraum wär
odder a Fraid,
des wär no gar et klar
vielleicht sogar.
Abber was soll’s au scho,
s’isch halt net so
Ben i no gar net dood,
leab i halt no.
Kreta,
lebendiges Artefakt,
quicklebendiges,
ans Herz gehendes,
mich verwöhnendes,
mit deiner Musik, deinem
Die-Sinne-Erwärmen,
deiner Schönheit und
deinem schroffen
Erstaunen-Machen,
ja, und deinem Echo auf uralte Kulturen,
die mich erschüttern im Innersten,
und dann dein Sein.
Ich habe Abschied genommen.
Bis womöglich
irgendwann wieder
als Ziel meiner Sehnsucht!
Ich schaue liegend
ins azurblaue Wasser
des Himmels oben.
*ein Senryu (oder so)
Zivil, nicht bourgeois gezähmt,
bürgerlich, dem militärischen Denken fremd,
friedliebend, aber durchaus militant
dem Massenmord mich mit andern
selber entgegenstellend,
einer von zwanzig:
ziviler Ungehorsam vor den Toren
des Bücheler Fliegerhorsts
mit seinen zwanzig todbringenden
Atomsprengköpfen.
Dazu bringt mich ihre Machtpolitik.