Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 35 von 165)

Worte

An ihren Taten soll’n wir sie erkennen
(und sie uns an den unsrigen),

nicht an den unbedachten Worten
(wir können doch nicht jedes Wort durchdenken),
nicht an den so ironischen,
die voller unerkanntem Witz gesagten,
nicht an den nur verletzend klingenden,
aus froher Kehle aufgesprudelten,
nicht an den nicht gesagten auch,
(die wir so gern als mitleidlos,
als unsensibel, als beleidigt
interpretieren ”“ und ohne Grund
so unbarmherzig achtlos oft empfinden).

Ein Händedruck, ein Lächeln,
ein nur hingehauchtes Küsschen,
auch sie sind missverständlich,
nicht nur Worte.

Die Worte, oft nur kurz verwendet,
nie wiederholt, doch im Gedächtnis
bleibend wie für ewig,
sie sind doch nur,
was wir als Menschen erst
in später Zeit so kultiviert,
noch nicht zu Ende ausgeformt,
vorläufig noch und unausgegoren
geerbt haben und doch
für ewig gültig halten,
ein gar zu kostbarer Schatz sind sie,
als dass für immer in Stein gemeißelt
sie uns als Dogmen dienen könnten,
verletzlich selber als zarte Pflänzchen
wachsen sie und werden
oft missverstanden gar,
missbraucht,
als wären Repräsentanten sie
des Geistes selber.

Kunst und Natur

Kunst ist
die menschliche Natur,
die durch den freien Willen fließt.
Ist sie den Jahreszeiten unterworfen,
so wie die Vögel sich jetzt finden
zum Flug nach Süden,
um zu überwintern?

Was wäre Poesie
ohne das Frühlingsverlangen,
ohne die Sonnenkraft des Sommers,
ohne des Herbstes Farben,
ohne das Sehnen,
das den Winter überdauern lässt?

All dieses prägt die Kunst,
jedoch nach freier Wahl
der Schaffenden
zu einer für sie dann
passenden Zeit.
Nein, unterwerfen wird der Geist sich nie!

(Dies ist ein Kommentargedicht zu Barbaras Gedicht „Natur“ hier: https://wasbleibtsite.wordpress.com/2017/10/24/natur/comment-page-1/#comment-632)

Urvertrauen

Sie sortieren sich von allein,
die guten Gedanken von den bösartigen,
die hilfreichen Erinnerungen
von den verzweifelten,
die konstruktiven Vorschläge
von den zerstörerischen,
das Wohlfühlen vom Prassen,
das wehtut,
die ästhetischen Wahrnehmungen
von den abstoßenden Empfindungen.

Ich muss sie
nur lassen.

Sie gehen über Genderleichen

Manche meinen,
sie könnten es sich
e r l a u b e n,
nur Männer anzusprechen
und m e i n e n
zu dürfen,
dass Frauen sich mitgemeint
fühlen müssten
(psychologische Studien,
die das Gegenteil darlegen,
könne man schuldlos
i g n o r i e r e n).

Das nennen sie
Meinungsfreiheit
und eben nicht Ignoranz.

Ergebnisoffen

Ergebnisoffen.
Zweckfrei.
Unnötig?
Oder utopisch?
Firlefanz,
in Realitätsferne?
Wie auch immer!
Nur nicht festlegen!
Dogmen vermeiden?
Neue Dogmen: geht gar nicht.
Wo kämen wir hin?

Kurt Marti
hätte es sich vorstellen können,
wenn er Dogmen
gemocht hätte.

Der Blick auf den Schornstein

 -

„Hauptsache, der Schornstein raucht!“
„Ob das heute noch irgendwer braucht?“,
das ist die Frage.
Sicherlich hört man die Klage
von denen, die dran profitieren,
dass viele das nicht mehr wollen.

Was wir erreichen sollen (sollten),
wäre die Erkenntnis, eine so richtig golden,
dass schlechte Luft nicht notwendig ist,
um zu überleben, sogar gut zu leben,
dass diese gewohnte Realität nur Mist ist,
in der Menschheitsgeschichte
ein Zufallsprodukt ist eben.
Ach, dass die Menschheit es schließlich doch richte!

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