Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Befreiung von der polaren Logik

Oh längste Nacht:
Es ist vollbracht.
Das Blendwerk ist
jetzt klar gemacht.
Am Pendel hängt
der Sonne Pracht.

Die kleine Frist
unendlich ist.
Du kleine List,
wie süß du bist:

Ich darf jetzt ruhn.
Ich muss jetzt gar
nichts, gar nichts tun.

Und doch keimt schon
des Lohnes Lohn:
Es ist vollbracht.
Die Sonne lacht
am andern Ort.
Sie ist nicht fort.
Sie ist noch da,
so nah, so nah.

Unendlich nur
und ohne Spur
ist nur der winzige
Moment,
da man die Sonne
gar nicht kennt.

Und grade da
ist dieses nah:
Ich darf jetzt ruhn.
Ich muss jetzt gar
nichts, gar nichts tun.

Der Hauch der
Ewigkeit ist nah.
Für kurze Zeit
ist sie ja da
und währt und währt,
wie du´s begehrt:

Du darfst jetzt ruhn.
Du musst jetzt gar
nichts, gar nichts tun.

Jetzt darfst du sein.
Ganz ohne Schein.
So klar, so klar,
so rein und wahr.

Der Gipfelpunkt
der Dunkelheit
in dieser Tiefe
dich befreit.

Mit diesem Gedicht verabschiede ich mich für den Rest der Blogpause und wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern eine schöne Festzeit, verbunden mit dem Dank für alle Treue.

Antworten auf Eure Kommentare gibt es dann wahrscheinlich nach den Weihnachtsfeiertagen.

Sperriges zur längsten Nacht

Schwarz ist nicht der Teufel;
Den gibt es nämlich nicht.
Dunkel ist nicht finster;
Dunkelhaarig kann rassig sein
Und voller Herzblut.
Blond kann die Farbe sein
Von unerbittlichem Recht-
Haben-Wollen.
Kälte kann Schmerzen
Verschwinden lassen.
Frieren muss man deshalb
Noch lange nicht.
Frieden kann so kalt sein
Und dunkel die freundlichen
Angebote.
Schwarz ist der Ausstoß
Von krankmachendem Ruß
Aus dem Auspuff.

Rot ist der Himmel, wenn
Die Sonne untergeht;
Und rot ist das Herzblut.
Und rot ist die stoppende Ampel.

Bilder sind dunkel,
Besonders die Bilder vom Hellen.
Bilder, die können blenden
Und zeigen nur das,
Was zu wissen man glaubt.

Und glauben heißt ja:
Nicht wissen.

Aber glauben machen,
Dass alles so klar sei,
Sonnenklar,
Auch wenn man es singen
Kann mit Lyrabegleitung,
Ist Betrug,
Heller, blendender Betrug.

Wintertag – während der Pause in der BLOGPAUSE

Voller kristallisierter Wolkenbäuche
hängen die Birkenzweige,
der Fliederbusch und
die Hibiskussträucher,
sogar auf der Wäscheleine
halten sie sich
im Gleichgewicht
und der Mond,
fast noch voll,
hängt am Himmel,
umleuchtet vom Blau,
und lacht auf die Mütze,
die den Eibenbaum krönt.
Voller Verse hängt dieser Wintertag
in meinem Wachtraum.

Io

In den Sand
Des vertrockneten Flussbetts
Schreibt sie ihre Geschichte
Die Tränen der Rührung
Bewässern den Fluss
Fruchtbar gemachtes Land
Der Verheißung
Erfüllt sich
Mit dem Duft
Der wohltuenden Veilchen
Violett glänzen
Die Lobreden
Des Wiederbelebten
Und er macht sich auf den Weg
Ewig wiederkehrender Wohltat

Schlesische Momente

Nachdem ich gestern nach Jahren Jochen wiedergetroffen habe, hier mein Gedicht aus dem Schlesienaufenthalt von 2004:

In Mireks Mund
lebt Krummhübel
wie in Jochens schlesischer Jugend
für uns Touristen.
Mit dem Turm aber aus Granit
toppte der Preußenkönig
die Nobilität des Nordischen,
ins ehemalige Piastenland
verpflanzt.
Stumm stehen die Masten
der Stabkirche
am Fuße der Schneekoppe
inmitten des Schnäppchenverkaufs
gegen Euros.

Mireks Freundlichkeit
übersteigt seinen bescheidenen Stolz.
Brigittes Waldau-Schmerz
wird durch seine enzyklopädische Empathie
mehr gemildert
als durch ihre ferne Stuttgarter Waldau.

Unsere nationale Geschichte:
überschüttet von einer Schicht
alltäglicher Selbstverständlichkeit
der nu mal aus ihrer Geschichte
hierher Verpfropften.
Ihre und unsere Gegenwart
in dieser Verwerfung
wird morgen
ein merkwürdiger Moment sein
der Geschichte.

Glaubenszweifel

Die Schleusen des Himmels,
zu weit geöffnet,
bringen zu viel Schwall
auf das Mühlrad
der Tage.

Ihnen scheint
es gleichgültig zu sein,
wenn da was
durchdreht.

Kommentargedicht zu Syntaxias „Endloser Regen“

Hermann Josef Schmitz“ hat eine „Variation“ zu beiden Gedichten, dem von Syntaxia und mir, geschickt:

hinter den regenstäben
behütest du meinen schlaf
befiehlst dem eigenen atem
zu schweigen
verschliesst bedrohlichen träumen
türen und fenster
verschwinden im aufschrieb
nächtlicher zeit
an ihren häuserwänden
zeichnen sie die zahlen aufs neue

(c) Hermann Josef Schmitz 7.12.2008

Saat

Keimende Samen
Haben keine Angst
Vor der Dauer.
Überdauernd
Spannen sie den Bogen
Ins Zukünftige,
Umhüllend das Werdende,
Vorbereitend das Treffliche
Im Seminar der Erkenntnis
Des Wesentlichen,
Schon fertig Angelegten
Im Kern.

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