Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Hunde, wollt ihr ewig spielen?

Sie wollen doch
nur spielen,
die Süßen,
sagten die Staatschefs.
Angst haben
muss man vor denen
nicht,
auch wenn sie bellen,
die global players.

Mindestens übersahen sie
(und übersehn es noch immer):
Diese Art Spielen
im weltweiten Kasino,
Spielen mit Wetten
auf Leben und Leiden,
Spielen mit den Nöten
und Sorgen von Millionen,
unreglementiert,
mit unglaublichen
Chancen auf Gewinn
(und keinesfalls geglaubte
Verluste),
kann, je höher die Einsätze,
desto mehr,
süchtig machen.

Aber wir kennen solche
warnenden Aufdrucke schon
von Zigarettenpackungen
und da sind sie ja auch
wirkungslos …

Schneeflächen

Würdeheischende Schneeflächen,
wortetragende,
Leere schaffend
immer wieder aufs Neue,
aber bereit
stets den Würdigen.

Kommentargedicht zu Paul Spingers „Worte im Schnee“. Ich finde jetzt schließlich, dass es auch alleine stehen kann.

Ein in den Kommentar dazu geschriebenes Gedicht von Hermann Josef Schmitz (von ihm freundlicherweise als ‚Variation‘ zu meinem bezeichnet):

schneeflüsse trieben
ungehindert über ausfallstrassen
verschwanden im nichts
dehnten sich steinfelder
im verborgenen von flussniederungen
schlingerten ausgesetzte gedanken
im unsicheren wind
mündeten kahle wurzeln
hinter der weisskalten zeit

Fugato

Die Zeit flieht nicht
in Pfeilrichtung davon.
Sie wirbelt Zukunft
uns zurück
und stöbert das Vergangene
für neue Vorhaben uns auf.
Abwechslung erquickt;
denn sie ist Teil
des stets in neuen Tänzen
sich dreh’nden Lebens.

Arbeitslos

Ach, das:
Arbeitslos.
Ach, das
Arbeitslos.

Ach, arbeitslos
will keiner sein.
Ach das!
Ach, das
Arbeitslos
zu tragen,
ist auch schwer.

Aber man muss
das Arbeitslos tragen
oder das Arbeitslos-Sein.
Man muss,
man muss,
man muss.

Da stimmt doch was nicht.
Ohne Zwang,
ja, ohne Zwang
arbeiten zu können,
das wär´s doch!

Das geht nur!
Das geht nur
mit
be-
di-
ngungs-
lo-
sem
Grund-
ein-
kom-
men.

Das wär´s!

—–

Anagrammatische,
vielleicht auch dramatische
Alternative
für schwäbische Herrenreiter:

ARBEITSLOS
REITA BLOSS

Schbädherbschd

D´r kloine Kaschdaniabaum
an d´r Schdroßaeck
isch scho faschd kahl.
Bloß ondarom
hot´r an Kranz
von gäale Blädder,
zom Doil au scho
erdfarbig braun,
faschd v´rgammelt.
S´g´mahnd me halt
an mein Meggas
mit seim graue Kranz.
Ällas hot halt sei End.

Goldwerte

Goldblatt vom Goldbaum
zwischen den Tropfen auf meiner
Fensterscheibe
kleben geblieben.
Draußen
auf dem Weg,
auf den ich mich mache,
abschnittsweise
Goldstaub aus einer Eruption
des Herbstvulkans,
bevor er erkaltet.

Lichtgetränkt ist er
wie auch die Auren der Bäume
jeden Augenblick mehr.
Durch heilende Bilder
ins Irdische gehoben
aus dem Umhüllenden.

Nässende Nebelschwaden
auch jetzt noch im frühen Dezember
und halten doch nicht auf
– nein, sie tragen ihn   –
den Sonnenglanz des Morgens
und des friedlichen Tuns.

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