Ich schaff´s auch ohne,
sagte der trockene Alkoholiker.
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der Individualist.
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der Priester.
Ohne Promille,
ohne Gesellschaft,
ohne,
ohne,
ohne Luther?
Ohne Frau?
Ohne Papst?
Lyrisches von Helmut Maier
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der trockene Alkoholiker.
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der Individualist.
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der Priester.
Ohne Promille,
ohne Gesellschaft,
ohne,
ohne,
ohne Luther?
Ohne Frau?
Ohne Papst?
Der volle Mond
auf monochromem Tableau.
Das Grau mit eingetieftem Blau,
fast ohne Sonnenschimmer-Rest,
regiert er still
auf seinem Zug durchs Reich
des Lichtverschlingens,
leuchtet selber aber,
bis dann der Funke überspringt
und neuen Tag entzündet,
der sich auf Blätterteppichen
sacht aus dem Blickfeld
rausgeschlichen hatte.
„Kann ich einen Hamburger ohne Fleisch haben?“
„Da haben Sie Glück: Wir haben heute kein Fleisch“
(*Dialog zwischen meiner Tochter und ihrem heute fünf Jahre alt gewordenen Töchterchen – beim Spiel mit dem zum Geburtstag geschenkten Kaufladen-Gestell samt vielfältigem Zubehör …)
Weißt du, in der U-Bahn darf man nicht essen, aber in der Ess-Bahn darf man’s. Die heißt ja so!
*aufgeschnappt in der S-Bahn zwischen Echterdingen und Bad Cannstatt. Autorin war ein sechs- bis siebenjähriges Mädchen, das mit seinem Opa auf dem Weg zum Stuttgarter Volksfest war.
Farbenrausch
vor dem Blättertaumel.
Noch vor dem verhüllenden Nebel.
Schmuckmaterial die Fülle.
Dekorieren der Tische ist Pflicht.
Unmöglich ist Übertreibung.
Doch Schwelgen in Überschwang.
Nicht so recht wissen,
wo´s lang geht.
Vychod heißt jeder Bahnhof
auf der Reise nach Prag.
Schwarz und deutlich die Lettern,
unter denen die Passagiere
den Bahnsteig verlassen.
Herbstfarben wuchern
auf den buschbestandenen Flächen
jeden Tag mehr.
Den grauen Wolken folgen
und die Richtung erahnen,
in der nun der Wind weht.
Die Aussprache lernen
und Wörter erkennen
jeden Tag mehr.
Ankommen irgendwann doch.
Trittst Du auf der Stelle, ist der Ausweg der Ausgangspunkt zu etwas Neuem.
*vychodisko (mit einem ‚ auf dem y!) kann sozusagen als Orakel dienen. Es heißt im Tschechischen so viel wie Ausweg, aber auch Ausgangspunkt.
Je kürzer die Tage,
desto tiefer steht die Sonne.
Je tiefer die Sonne steht,
desto inniger verbindet sie sich
mit unsern Räumen.
Deren Vertikales Außen
wird überwunden.
Deren Inneres wird erhellt
in der dunklen Zeit
der kürzeren Tage.
Geheime Daten
sind offenbar.
Wir können sie
akzeptieren
oder auch löschen.
Kommentargedicht zu Utas Gedicht hier.
Plagiat
(Original hier oder in einer Hördatei hier.)
„Control orders“ – das
sind übersetzt
polizeiliche Auflagen. Klingt
eigentlich ganz harmlos. Doch
die Maßnahmen haben es
in sich. Zum Beispiel: Hausarrest
ohne Telefon und Internet. Der droht
Terrorverdächtigen in Großbritannien
oder Personen, die als nationales
Sicherheitsrisiko eingestuft
werden.
Polizisten
entscheiden darüber, wer
die sogenannte elektronische
Fußfessel bekommen soll.
Ohne Haftrichter,
ohne Gerichtsverfahren.
Ergänzung hier
Siehe auch Barbara Hauser auf ”šGiocanda”˜: Schöne neue Zeit
Helmut bei der Demo in Stuttgart
Zum Glück waren es immerhin so viele!
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