… heute ist unser fünftes Enkelkind gesund auf die Welt gekommen: die Jola. Meine Freude ist riesengroß und ich wollte sie mit Euch/Ihnen teilen …
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Nachdem ich gestern nach Jahren Jochen wiedergetroffen habe, hier mein Gedicht aus dem Schlesienaufenthalt von 2004:
In Mireks Mund
lebt Krummhübel
wie in Jochens schlesischer Jugend
für uns Touristen.
Mit dem Turm aber aus Granit
toppte der Preußenkönig
die Nobilität des Nordischen,
ins ehemalige Piastenland
verpflanzt.
Stumm stehen die Masten
der Stabkirche
am Fuße der Schneekoppe
inmitten des Schnäppchenverkaufs
gegen Euros.
Mireks Freundlichkeit
übersteigt seinen bescheidenen Stolz.
Brigittes Waldau-Schmerz
wird durch seine enzyklopädische Empathie
mehr gemildert
als durch ihre ferne Stuttgarter Waldau.
Unsere nationale Geschichte:
überschüttet von einer Schicht
alltäglicher Selbstverständlichkeit
der nu mal aus ihrer Geschichte
hierher Verpfropften.
Ihre und unsere Gegenwart
in dieser Verwerfung
wird morgen
ein merkwürdiger Moment sein
der Geschichte.
Die Schleusen des Himmels,
zu weit geöffnet,
bringen zu viel Schwall
auf das Mühlrad
der Tage.
Ihnen scheint
es gleichgültig zu sein,
wenn da was
durchdreht.
–
Kommentargedicht zu Syntaxias „Endloser Regen“
–
Hermann Josef Schmitz“ hat eine „Variation“ zu beiden Gedichten, dem von Syntaxia und mir, geschickt:
hinter den regenstäben
behütest du meinen schlaf
befiehlst dem eigenen atem
zu schweigen
verschliesst bedrohlichen träumen
türen und fenster
verschwinden im aufschrieb
nächtlicher zeit
an ihren häuserwänden
zeichnen sie die zahlen aufs neue
(c) Hermann Josef Schmitz 7.12.2008
Keimende Samen
Haben keine Angst
Vor der Dauer.
Überdauernd
Spannen sie den Bogen
Ins Zukünftige,
Umhüllend das Werdende,
Vorbereitend das Treffliche
Im Seminar der Erkenntnis
Des Wesentlichen,
Schon fertig Angelegten
Im Kern.
Erleuchtetes Dunkel,
in Ehren geboren,
Mutter des Werdens,
Mutter des Lichts.
Dunkles Geheimnis,
Offenbarung gebärend,
gewordene Verheißung
im Schlaf, der Heimat der Träume.
Eingebettet ins Dunkel
werden die Hoffnungen,
liebend die Ruhe,
aus der die Kraft wächst.
Visionen ohne fahles Hintergrundleuchten.
Vorwärtsdrängendes keimend umhüllend.
Ideengebärend wächst Zweighaftes,
Erfüllung tragend, Reichtum
der Möglichkeiten.
–
Paul Spinger hat dazu Folgendes geschrieben:
Wir sehn das Sternenfunkeln
Ja immer nur im Dunkeln.
(Dieser Text ist übrigens für mich (Helmut Maier) ein Paradebeispiel für die innige Verschmelzung von Poesie und Aphorismus)
Ohne Dunkelheit verschwenden brennende Kerzen ihr Licht.
In wildem Denken
Mondphasen und Hörner
in eins setzen.
Am Himmel
die Erde sehen.
Moose in ihrer Qualität
als Ruhepolster
gewahren.
Schalensteine
als Kopfkissen,
weil aus ihnen
Geheimnisse sprechen
von Himmelstreppen.
Sich einladen lassen
von Fremden,
wer in die Fremde geraten,
ganz ohne Scham.
Und gastfreundlich sein
den Unbekannten,
weil sie dann freudig
Kenntnis gewähren.
Der Ratio ihren
ihr gebührenden Platz
zuweisen wieder,
aber nicht mehr.
Die Kunst des schönen Scheins
im Sein garantieren.
–
Siehe auch meinen Kommentar zu einem Haiku von Nannophilius im Forum von versalia.
–
Das Kommentargedicht von Paul Spinger dazu darf ich freundlicherweise in einer zweiten, vom Autor ebenfalls autorisierten Version darbieten:
Claude, der nannte sie Mytheme
Und erforschte die Systeme,
Wie die Menschen früher dachten.
Mythos, Dichtung und verwandte
Neue Fragen, alt bekannte,
Die die Menschen dichtend machten.
Und er wusste: Gegensätze
Sind der Mythen wahre Schätze,
Brachte sie ans Licht.
Das was uns die Mythen schenken,
Ist des Menschen wahres Denken,
So wie das Gedicht.
Heute wird Claude Lévi-Strauss 100 Jahre alt.
Bei ihm fasziniert mich der Gedanke,
„dass das Denken der Angehörigen der vermeintlich „primitiven“ schriftlosen Kulturen demjenigen der Menschen in modernen Industriegesellschaften in kognitiver Hinsicht keineswegs unterlegen, sondern weitgehend lediglich auf andere Ziele gerichtet ist.“ ( Wikipedia)
„Nach Lévi-Strauss kann der Forscher durch Analyse der Mythen zu den grundlegenden Strukturen des menschlichen Denkens vorstoßen. Da jedoch die Mythen ihrerseits ein Produkt der entsprechenden Kultur sind, geben sie Informationen über die die Kultur strukturierenden Denkgesetze, welche ihrerseits durch die Struktur und die Wirkungsweise des menschlichen Gehirns bestimmt werden, die die menschlichen Ausdrucksformen strukturieren.“ (auch Wikipedia)
Ich glaube, dass das auch für die Lyrik eine große Bedeutung hat. Wir Produzenten von Lyrik müssen uns unbedingt damit auseinandersetzen, was „die grundlegenden Strukturen des menschlichen Denkens“ sind.
So wie die Mythen können Metaphern und sprachliche Symbole die Dinge in diese Strukturen einbetten.
Ich verweise auch auf das SWR2Forum.
Sie wollen doch
nur spielen,
die Süßen,
sagten die Staatschefs.
Angst haben
muss man vor denen
nicht,
auch wenn sie bellen,
die global players.
Mindestens übersahen sie
(und übersehn es noch immer):
Diese Art Spielen
im weltweiten Kasino,
Spielen mit Wetten
auf Leben und Leiden,
Spielen mit den Nöten
und Sorgen von Millionen,
unreglementiert,
mit unglaublichen
Chancen auf Gewinn
(und keinesfalls geglaubte
Verluste),
kann, je höher die Einsätze,
desto mehr,
süchtig machen.
Aber wir kennen solche
warnenden Aufdrucke schon
von Zigarettenpackungen
und da sind sie ja auch
wirkungslos …
Mit meinem Gedicht „Erwartung“ bin ich seit kurzem in Evelyne Weissenbachs Lyric Gallery vertreten.