Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Schneeflächen

Würdeheischende Schneeflächen,
wortetragende,
Leere schaffend
immer wieder aufs Neue,
aber bereit
stets den Würdigen.

Kommentargedicht zu Paul Spingers „Worte im Schnee“. Ich finde jetzt schließlich, dass es auch alleine stehen kann.

Ein in den Kommentar dazu geschriebenes Gedicht von Hermann Josef Schmitz (von ihm freundlicherweise als ‚Variation‘ zu meinem bezeichnet):

schneeflüsse trieben
ungehindert über ausfallstrassen
verschwanden im nichts
dehnten sich steinfelder
im verborgenen von flussniederungen
schlingerten ausgesetzte gedanken
im unsicheren wind
mündeten kahle wurzeln
hinter der weisskalten zeit

Fugato

Die Zeit flieht nicht
in Pfeilrichtung davon.
Sie wirbelt Zukunft
uns zurück
und stöbert das Vergangene
für neue Vorhaben uns auf.
Abwechslung erquickt;
denn sie ist Teil
des stets in neuen Tänzen
sich dreh’nden Lebens.

Arbeitslos

Ach, das:
Arbeitslos.
Ach, das
Arbeitslos.

Ach, arbeitslos
will keiner sein.
Ach das!
Ach, das
Arbeitslos
zu tragen,
ist auch schwer.

Aber man muss
das Arbeitslos tragen
oder das Arbeitslos-Sein.
Man muss,
man muss,
man muss.

Da stimmt doch was nicht.
Ohne Zwang,
ja, ohne Zwang
arbeiten zu können,
das wär´s doch!

Das geht nur!
Das geht nur
mit
be-
di-
ngungs-
lo-
sem
Grund-
ein-
kom-
men.

Das wär´s!

—–

Anagrammatische,
vielleicht auch dramatische
Alternative
für schwäbische Herrenreiter:

ARBEITSLOS
REITA BLOSS

Schbädherbschd

D´r kloine Kaschdaniabaum
an d´r Schdroßaeck
isch scho faschd kahl.
Bloß ondarom
hot´r an Kranz
von gäale Blädder,
zom Doil au scho
erdfarbig braun,
faschd v´rgammelt.
S´g´mahnd me halt
an mein Meggas
mit seim graue Kranz.
Ällas hot halt sei End.

Goldwerte

Goldblatt vom Goldbaum
zwischen den Tropfen auf meiner
Fensterscheibe
kleben geblieben.
Draußen
auf dem Weg,
auf den ich mich mache,
abschnittsweise
Goldstaub aus einer Eruption
des Herbstvulkans,
bevor er erkaltet.

Lichtgetränkt ist er
wie auch die Auren der Bäume
jeden Augenblick mehr.
Durch heilende Bilder
ins Irdische gehoben
aus dem Umhüllenden.

Nässende Nebelschwaden
auch jetzt noch im frühen Dezember
und halten doch nicht auf
– nein, sie tragen ihn   –
den Sonnenglanz des Morgens
und des friedlichen Tuns.

Alles Käse? (zum Käsefest von Doris und Uli)

Wenn ich melke aus dem,
was hinter den Dingen liegt,
wie fasse ich diese Milch?

Sie zerrinnt mir
schon beim Erwachen,
schon wenn ich nüchtern
wieder geworden,
schon wenn ich in der Hand
die Dinge selber wieder fühle.
Dann zerrinnt sie mir
zwischen den tastenden Fingern.

Oder ich trinke sie
und versinke in der anderen Welt
und finde mich nimmer.

Am Käse nehme ich mir
endlich ein Beispiel.
Statt zu zerrinnen,
gerinnen in Festes
soll mir die heilige Milch.
Und wenn schon
aus Saurem geronnen,
so soll’s doch kein Quark sein.

Also in Form gebracht
reife der FORMATICUS,
der formaggio
der fromage
meiner Eingebungen
zum Gedicht

und sei eine köstliche Speise.

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