Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Havel

August, Zeit des Wartens.
August, Verharren im Schatten des Gartens.
August, Dinge entwickeln sich.
August, Dinge für dich und mich.
August, 1789: der Text entsteht: Menschen- und Bürgerrechte.
August, 1989: Havel weiß: Wofür er steht, ist das Echte.

Was Havel 1989 im August noch nicht wusste, war, ob er den ihm bereits zuerkannten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Oktober auch würde in Frankfurt entgegennehmen können. Tatsächlich wurde ihm die Ausreise dazu dann nicht gestattet. In der Samtenen Revolution im November und Dezember 1989 wurde der Dissident Havel aber dann sogar Präsident der von der Diktatur befreiten Tschechoslowakei (und später – nach der Trennung der Slowakei und Tschechiens – der erste Präsident der Tschechischen Republik.

Siehe auch: https://www.zeit.de/1989/25/Der-Stachel

Aphorismus 12/09

Mit dem Chaos kann man sehr gut zurechtkommen, genauso gut wie mit dezidierten Ordnungsvorstellungen. Schwierig wird es erst, wenn beide zusammen auftreten.

(Diesen Beitrag habe ich mir für diesen besonderen Löwentag aufgehoben) 🙂

Tschechisch-Unterricht auf dem Maier-Lyrik-Blog ;-) -Teil 6

Der Bürger Havel“ ist der deutsche Titel eines Dokumentarfilms über den ersten Präsidenten der Tschechischen Republik. „Bürger“ ”“ das ist im Deutschen ein sehr problematischer Begriff:

”šobyvatel mesta”˜ kann es auf Tschechisch heißen: Stadtbewohner.

”šmeÅ¡ták”˜ ist offenbar der Bürger im Sinne des mit einem Privileg versehenen und es gegenüber anderen ausnützenden Bourgeois.

”šobcan”˜ ist der Bürger eines Gemeinwesens, der dadurch die Bürgerrechte genießt, aber sich auch für das Gemeinwesen verantwortlich fühlt.

In der Rede Václav Havels zum tschechisch-deutschen Verhältnis, gehalten am 17. Februar 1995 im Karolinum zu Prag, drückt er das, was mit dem ‚Bürger Havel‘ gemeint ist, in einer Passage aus, in der er deutlich macht, was geschieht, wenn man versucht ist, die „individuelle bürgerliche Verantwortung abzuschütteln“:

„Wieder ist es das gleiche: das Bedürfnis, den kommunistischen Kollektivismus durch einen nationalen Kollektivismus zu ersetzen, die eigene, individuelle bürgerliche Verantwortung abzuschütteln und in der Anonymität einer Meute unterzutauchen, die alle anbellt, die nicht dazu gehören, ist eine Spielart der Erscheinungen, die systematisch bekämpft gehören. Die zeitweilig auftretenden Zeichen unterbewußten Glaubens an eine unfehlbare Stimme des Blutes, des Schicksals, der Vorsehung und der Volksmythen sowie an ein Recht, das Unmögliche, das heißt eine Revision der Geschichte, die als eine Serie fortwährenden Unrechts an dem eigenen Stamm betrachtet wird, zu fordern, sie sind nur eine andere Variante desselben Irrglaubens.“

Der Titel des Films heißt also entsprechend „Obcan Havel“.

(Nebenbemerkung: Die Häkchen über manchen e’s und c’s fehlen leider, z.B. bei obcan und mesta)

Gestreckter Zeitwert

Lang ausgehalten der Ton
Keine Koloratur
Einfach angelegt
Auf Dauer
Des Aushaltens
Aufs Hinüberweisen ins Nächste
Ohne sich zu verlieren
Im Vergehen
Dem sterblichen Augenblick
Aber auch ohne Verharren
Im länger nicht duldbaren Dauern

Spannend der Übergang
In die Zukunft
Die unausweichliche
Ersehnt sie zu machen
Und freudig
Sie zu empfangen

Kommentargedicht von Barbara Hauser:

schönheit der zeit

leise durchdringt sie
in allem singt sie
mit allem schwingt sie
verklingt sie mit uns?

An der Lauter

Unter den grünen Erlen
da schwammen ein paar Schmerlen.
Sie waren nur zu toppen
durch eine Schar von Groppen.
Bloß zwischendurch da flitzen
noch einige Elritzen.

Doch manchmal auf die Schnelle
frisst sie eine Forelle.

Selbstwertgefühl

Das Gefühl haben
Die Welt zu bewegen
Meine kleine Welt mindestens
Anstoßen ein bisschen
Schmetterlinge selbst schaukeln
Die Gräser bei ihrem Besuch

Und wenn alle sagen
Was soll das dem Boden
Verzweifelt einen Tritt
Geben und annehmen
Dass endlich die Dinge
Sich drehn dann

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