Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Beamten-Ethos*

Wer trägt die Verantwortung
eines Amtes?
Wem antwortet die Person?
Was trägt die verantwortliche Person?

Antworten kann man nur auf Fragen.
Fragen stellen sich und
man muss sie ertragen.
Aber nur Trächtige
bringen etwas hervor.

Gebären soll
der Verantwortung Tragende.
Ent-behrung
der von ihm Abhängigen
soll er vermeiden
nach Möglichkeit
und gerechtem Ermessen.

Dulden, ertragen können:
die Haltung
des Verantwortung Tragenden,
damit Dulden
nicht Erleiden heißt
bei den Abhängigen.

Alles hat
ein Ziel, ein Telos.
Das Telos des Beamten
ist nicht sein eigenes Ziel.

Oder er ist korrupt.
Dann ist er kein
geschickter Gesandter
des Volkes.

Er trägt
etwas davon,
ist ein Dieb.

Und das Volk
hat nichts davon
und trägt nur
die Lasten.

Wer aber Lasten trägt
für das Gemeinwohl,
erträgt die Weisungen
duldsam.

*orientiert an der Etymologie der Wörter:
– dulden (ahd. thulten, von thult=Geduld, dies von tholen ”“ siehe lat. tollere/tolerare ”“ siehe tolerieren ”“ siehe gr. telos= Aufgabe, Ziel)
– gebären (ahd. bern: hervorbringen, erzeugen, mhd.: Frucht tragen, hervorbringen, gebären, von idg. bher: tragen, bringen, hochheben; siehe ”˜empor”˜=in bore= in die Höhe; siehe empören)
– Amt (ahd.ambahti/ambath von kelt. ambaktos=Herumgesandter; siehe lat: agere/actus; siehe aktiv)

Übrigens: Auch Regierungsmitglieder sind Beamte!

Humor ist …

Humor ist
Nicht zu Hause
Sowieso nicht
Bei Linken
Hörte ich kürzlich
Zu kurz gegriffen
Von einem Konservativen

Heiterkeit verbreiten
Angesichts eines Hungers
Ist schwierig
Schwerwiegendes
Lässt dich nicht
Den Bauch halten
vor Lachen

Höchstens
Galgenhumor
Hält das Seil noch

In Feierlaune am 3. Oktober 2009

Verteilungskämpfe spitzen sich zu.
Die Kluft zwischen Arm und Reich
Wird deutlich größer.
Arbeitsplätze durch Heuern und Feuern.
Atomkraftwerke produzieren
Fleißig Plutonium
Für Jahrtausende
Im Grundwasser der Nation.
Die Prognosen
Waren schon bekannt
vor der Wahl.

Auch beim Wählen?

Löcher

Zeile an Zeile gestrickt.
Die Fülle des Herbstes
gelingt mir nicht mehr.
Löcher in der Textur
lassen den Winter
schon ahnen.

Kommentargedicht zu „Düstere dunkle traurige tragische Katastrophe“ von Sturznest. Ich habe aber das Gefühl, es könnte auch alleine stehen, weil es ja ein allgemein bekanntes Gefühl anspricht.

Hermann Josef hat „mit melancholischer Hoffnung“ Folgendes entgegnet:

ich lege meine herzschläge
auf die haut deines rückens
und meine hände
flechten ein band aus zärtlichkeit
über die kalten winde
ich lege meine herzschläge
unter die haut deines rückens
und meine müden augen
entzünden herbstlaternen
für die kommende zeit

Signum*

Den Purpur des Birnenblattes
zum Zeichen erhoben:
Wer hat das segnende Sagen?
Oder besser: Wer nicht?

Vor dem Vergessen Triumph.
Unauslöschlich bleibt er
in unserm Erinnern.

*… aus der gleichen Quelle wie „Wurzeln“

Wurzeln

Wurzeln suchen
im Kompost der Vergangenheit.
Wurzeln reißen
aus tradiertem
Unrecht.
Wurzeln treiben
im versendeten Blumentopf.

Wurzellos
Herrschaftsrechte über das
Mutterland
der Menschen
aufrechterhalten.

In Wurzeln verkrochen
keine Triebe
mehr entfalten.

Sterben
und sterben lassen
und sein gutes altes Recht
verteidigen
im zukunftslosen Acker.

Oder Wurzelgeflechte
nicht mehr entwirren
und Halt geben dem Lebenden.

zu finden schon 2004 bei https://www.lyrik.at/php/werk.php?task=werk&werknummer=30975&email=helmutmaier@culturebase.org#werk , wobei die Adresse helmutmaier@culturebase.org nicht mehr besteht.

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