Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Ausglian´r Herbschd

Dia raig´schmeggde Ahornbaimla,
dia reißat´s raus des Johr,
mo dia aihaimische
scho doschdandat
als Herbschd-V´rlierer
em Farba-Konzert.

Uf de Kirschabeem
hengat glei scho
v´rgromblde ond v´rgammlde Blädd´r
an de Zweig,
mo se grad no greant hent.

Bei de Biarabeem
schbiggat grad noh
a baar oinzelne
roschdroode Blädd´r
aus de Grona.
Des wird wohl au nix meh!

Do kosch grad froh sai
iber dia Raig´schmeggde.
Blooß noh dia
machad d´r Herbschd
richdich bond.

Noch Herbst

Lebensziele im Blick
den Zielpfeil doch
bremsen.
Die Fülle des Lebens
durchbohrt der.
Wünsche nach Wiederkehr
feiern.
Auskosten
die Schlangenwege.
Voranschreitend
verharren
im Staunen des Werdens.

Merkwürdig

Gegenwärtiger und nahender Frost
sind Tatsachen,
die selbst das Rot von Weinblättern
nicht abstreiten kann.

Aber merkwürdiger Weise
wärmt die Erinnerung
an die Glut.

Selber

Unser Leben ist doch nicht nur lebenswert,
wenn wir es richtig präsentieren,
damit sich andere amüsieren,
damit sie fähig sind, sich lebendig zu präsentieren
mit den Einfällen, mit denen wir sie animieren:
Gehen auf allen Vieren,
Hampeln ohne uns zu genieren,
wie wir gar nicht sind uns Gerieren.
Ist´s das, was unser Leben lebenswert macht?
Ist sonst zappendustere Nacht?
Immer lustig, immer munter,
drüber und drunter, dass es nur so kracht.
Haben wir”˜s so und so richtig gemacht?

So müsst ich vermutlich weitermachen,
um mich richtig zu präsentieren,
damit sich andere amüsieren,
kann´s gar nicht passieren,

dass eines selber
einfach denkt,
seine Schritte lenkt,
selber?

Für Curts Kommentargedicht bedanke ich mich herzlich:

Frage

Ein Selbst
frei durch sich selbst bestimmt
und das sich selbst
anders benimmt
als es es selbst
erwartet hat
wenn es denn stimmt
setzt es sich matt?

Serpentine

Klug
wie die Schlange
zu gehn
und sich
die Mitte
von beiden
Seiten
besehn.
Und wieder und wieder
am Bauch sie zu fühlen.
Wenn auch
die Zeit
auf der Serpentine
einfach so liegen
bleibt.
Aber ein Hauch von Ewigkeit
begleitet dich
da,
wenn du
den Pfeilweg
nicht gehst,
der ordnend
die Ordnung
verletzt.

Putz

Putz, Tünche oder Schminke?
Verbirgt sich altes, abgetakeltes
Gemäuer?
Wenn eine Frau sich schminkt,
ist das o.k. Doch so ein rechter Mann?
Ist es bei ihm auch noch geheuer?

Wenn unser Häuschen jetzt
in neuem Putze strahlt,
ist´s uns so wohl ums Herz.
Wenn Traditionen uns
das Leben miteinander heut vergolden,
sind sie statt schwerer Last doch eher Scherz.

Wann hält die Ehe besser, wenn schon ihr Beginn
in frohe Heiratsbräuche eingebettet
oder in Eh´gesetzen sie nur klar geregelt?
Wenn sie bedacht durch schöne alte Riten
in Stand gesetzt, im Ehestand zu leben,
so recht erblüht und man sich nicht hineingeflegelt?

Genießend einen Hauch von Riechwasser mit edlen Düften
statt ausgesetzt dem Leiden in den rauen Lüften?
Ist das nicht menschlicher im besten Sinne
und auch Voraussetzung für das Gelingen schönster Minne?

Wenn´s uns nur gut tut
und nicht was verhüllt,
was wir doch wissen müssten,
ist es edel.
Doch ist”˜s gemein,
wenn ich statt eine Form zu ehren,
die unser Dasein so bereichert,
mit dem so billigen
Dekor nur wedel.

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