Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 128 von 301

Rechtlosigkeit

Staat machen mit einem Staat,
dessen Justiz überbelastet ist
mit dem Verknacken von Aufbegehrenden?

Wenn die vorausgehenden Fehler der Polizei
„nicht relevant“ sind,
falls die Opfer ein wenig überreagiert haben.

Wenn ein Richter sich als gnädig sieht,
falls er nicht sämtliche Vorwürfe ahndet,
die im Vorgängerprozess erhoben wurden.

Wenn einer „irgendwie dabei war“,
ohne selber gegen Regeln verstoßen zu haben,
weswegen er sich wehrt gegen ungerechtfertigte Polizeimaßnahmen.

Auch freundliches Verknacken
verhilft dem Angeklagten nicht,
dem Vorbestraftsein zu entkommen.

Aber wer zu den Mächtigen zählt,
dem kommt die Staatsanwaltschaft
gerne entgegen.

Was hilft da misstrauisch sein,
wenn’s um totale Ohnmacht sich handelt?

Vom Recht des Aufbegehrens

Die Wirtschaft. Werden wir dort bewirtet?
Oder bewirten wir sie?
Dann wäre mir Misswirtschaft lieber.

Wer sind denn die Zechpreller?
Nicht die uns die Zeche zahlen lassen,
ohne uns zu bewirten?

Mein Misstrauen verzeiht mir.
Ich verzeihe euch nicht,
dass ihr bestochen vertraut.

Vertraut ihr den Mächtigen,
weil sie Herberge bieten
den Beherrschten?

Lasst ihr euch nur
vergiften, bestrahlen,
vergewaltigen, aufschwatzen die Fesseln!

Ich misstraue. Wenigstens
versuche ich es.

Sonntagsausflug

Der Aichelberg rechts,
die Limburg gleich links,
der Zipfelbach ganz in der Mitten:
Das Randecker Maar ist ausgelaufen,
wie viele tausend Jahre auch schon

Der Ausblick an anderer Stelle
ist dadurch frei:
Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen:
die drei Kaiserberge
im schönsten Herbstsonnenschein.

Wahrlich ein Kaiserwetter.
What might be better?

Drei mal drei

Nicht einen Herbst nur
hat ein erfülltes Leben.
Oft Platz hat Güld’nes.

Banales hüllt der Nebel ein.
Süßes Reifes verwöhnt die Zunge.
Und niemals stirbt die Frage nach dem Ende.

Erst unerbittlich stellt dann der Winter sie.
Doch ihm ist ganz nah Erneu’rung erst.
Das Ziel dabei: der süße Herbst.

9. Oktober

Ach ja: Heute vor 25 Jahren: „Wir sind das Volk“!

H e u t e hätte der Nationalfeiertag sein müssen. Wäre es nicht besser, einen Gedenktag der wirklichen Demokratie zu feiern als einen der papierenen Einigung, wie es der 3. Oktober 1990 doch nur war?

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑