Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 98 von 165)

Lied und Leid

Ich singe,
weil das Leben
ja quillt aus mir,
im Kampf gegen den Tod,
den sie mir
nichts dir
nichts
mit sich bringen:
ein bitteres Lied
trotz dem Leben,
das ich spüre,
trotz dem Leid,
wenn ich´s verhindern
sollte, ja, bitter.

Utopia?

Wenn wir den kleinen Saal tauschen
in den großen.
Wenn wir den großen Saal tauschen
in die Straße.
Wenn wir die Straße füllen
und die Plätze
und unsere Gegner
einsehen, dass sie im Unrecht sind
und uns aufzuräumen
helfen die Unordnung
des Rechts,
das sie ungerechtfertigter Weise
gesprochen haben.
Dann ist es da,
das Paradies.

Ein Stück ihm näherkommen
ist keine reine Utopie.

Gedanken erst mal im kleinen Saal

Die Mächtigen spielen
das Igelpaar
an beiden Enden
der neoliberalen Teststrecke:
in Griechenland etwa
oder in Portugal.

Sie geben’s als Spiel aus,
aber es ist.
Und wie jene
lassen ins Leere laufen sie
den dummen Hasen,
der wir sind:

die machtlosen Zahler
im Schuldenkarussel der Banken,
wenn wir nicht bewusst uns werden
unserer Macht der Massen

und handeln
in Klugheit.

Ohne Antwort

Aktiv gegen Stuttgart 21

Aktiv gegen Stuttgart 21

Antwort.
Er antwortet.
Verantwortung.
Eigentlich normal.

Wirklich normal:
ohne Antwort.
Verantwortungslosigkeit.
Unverantwortliches Handeln.
Politischer Autismus, aber
wirkungsvoll.
Alltag. Macht.
Wirklich!

Ein Kartenhaus?

Kommentargedicht zu Anna-Lenas „Verrückt“ ( https://annalenaslesestuebchen.wordpress.com/2012/01/19/verruckt/ )

Nachtrag: Vor dem Ernstfall des Belagerungszustandes

1. Vor der Demo

Vor der Demo verweilte ich
im Garten der schönen Melodie.
Da hatte ich einen Parkplatz gefunden

Zwischen Lindenmuseum und Wirtenberg
sehe ich den Bonatzbau liegen.

2. Bundesweiter Betriebsausflug

Bundesweiter Betriebsausflug
der Polizeikräfte in Stuttgart
anlässlich des Abrisses des Südflügels.

Besichtigung des Denkmals inbegriffen
und Freizeit fürs Shopping im Bahnhof.

(2 Jankas. Siehe https://www.maierlyrik.de/blog/der-janka/)

Belagerungszustand.

Wir war´n nur mal kurz die Welt retten.
Mehr als 7 Stunden lang
Lagen wir zur Nacht nicht in den Betten
Und es war uns ja so bang.

Wie das Denkmal übers Ziel retten?
Ist´s erfolgversprechend gar?
Wie der Mafia geheime Ketten
abzustreifen dieses Jahr?

Würden gerne mal die Stadt retten
vor den Mächtigen im Land.
Vor den Feisten und den Fetten.
Nur der Weg ist unbekannt.

Wir war´n nur mal kurz die Welt retten.
Da kam schon die Polizei.
Ausgeschlafen in Hotelbetten.
Inhalte sind den”˜ einerlei.

Uns zu scheuchen das ist cool.
Gehen über Leichen ist nicht mal ihr Tool.
Uns zu scheuchen ist ihr Job.
Ob wir BürgerInnen oder Mob.

Würden gerne mal die Stadt retten
vor den Mächtigen im Land.
Vor den Feisten und den Fetten.
Nur der Weg ist unbekannt.

Der projektierte Stuttgarter Haupt-Haltepunkt der Bahn: der Kellerbahnhof

Ein Protzbahnhof,
aber als Murks-Sparmodell.

Ein Rotzbahnhof,
aber zu Höchstpreisen.

Ein Motzbahnhof,
weil selbst er ihnen im Weg ist,
den Ausbau des Autoverkehrs
voranzutreiben.

Ein Kotzbahnhof,
weil wir untergebuttert werden
unter die Interessen der Mächtigen.

Ein Schmotzbahnhof,
der ja nur mit Schmieren der
sogenannten Verantwortlichen
verwirklicht werden kann.

Ein Trotzbahnhof,
der auch dann gebaut werden soll,
wenn der letzte Verantwortungsträger
erkannt hat, dass er ein sinnwidriges
Projekt ist im Sinne der BürgerInnen-Interessen.

Ein Zeichen?*

So strahlend kam er gestern Nacht
raus aus dem Wolkengewirr: der Mond.
Als wir schützend belagerten das Denkmal:

den abrissbedrohten Südflügel
des Bonatzbahnhofs in Stuttgart.

*ein Janka: https://www.maierlyrik.de/blog/der-janka/

Vertrauen ist gut*

Aktiv gegen Stuttgart 21

Aktiv gegen Stuttgart 21

Was wird das jetzt wohl für ein Tag?
Schon vom ersten Augenblick an
Verspricht der Sonntag ein Sonnentag zu sein.

Doch so überzeugend manche Versprechen,
so leicht kann man sie auch brechen.

* ein Janka ( https://www.maierlyrik.de/blog/der-janka/ )
, der als eine Art Kommentar zu Bernd Pols Eintrag auf facebook mit folgendem Wortlaut entstanden ist:
„“Was wird das jetzt wohl für ein Tag,
wenn der Sonntag vom ersten Augenblick
ein Sonnentag zu sein verspricht?

Einen schönen guten „Morgen“ und einen durchsonnten Tag euch allen da draußen — auch wenn die Sonne nur ganz tief drinnen scheinen mag!“
(für facebook-Nutzer siehe meinen Kommentar hier)

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