Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 97 von 165)

Die Drohung mit der Macht der Geschichte

Mit den Übriggebliebenen rechnen,
mit den Gegnern der Absolutisten,
das Denkmal für den Geflüchteten
dem Allesherrscher in den Weg stellen.
Thorvaldsens Werk stellt ihn vor,
den Nachdenklichen mit dem Stift.
Kühnlich legen die heutigen Herrscher
dem Volk nicht mehr ihr Haupt
in den Schoß. Vergeblich aber recken sie
ihr Schwert gegen uns. Sie heben den Trog aus,
in dem sie versinken werden schließlich,
lassen ihn volllaufen mit Mineralwasser,
wenn´s sein muss. Champagner
gibt´s keinen. Dafür sorgen die
Übriggebliebenen.

Denkmal im ParkDie Eberhardsgruppe im Stuttgarter Mittleren Schlossgarten im Winter der Barbarei

Ein paar Hilfen:

https://www.bei-abriss-aufstand.de/2012/02/13/wider-alle-vernunft-ein-sonntag-im-park/

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Stuttgart-schillerplatz-2.jpg&filetimestamp=20080317020821

https://de.wikipedia.org/wiki/Preisend_mit_viel_sch%C3%B6nen_Reden

Gedanklich back in the USSR- erneuerte Version

Gorbatschow war der moderne Zar,
gefeiert, beargwöhnt
im eigenen Land.
In Vilnius
hatte Intourist uns verlassen.
Beim Aufenthalt
in der Hotelhalle
war die Rede
im Fernsehen
vom Molotow-Ribbentrop-Pakt:
die Namen Hitler und Stalin
in engem Zusammenhang
wollte man ”“ noch nicht ”“
nennen.
In Leningrad
waren wir
für Intourist
eine chaotische Gruppe, solange
wir noch nicht abgehalten hatten
als Nichtregierungs-Friedensdelegation
die Gedenkfeier
in der Friedhofskapelle
für die Opfer
der deutschen Belagerung.
Danach galten wir
als kreative Gruppe.
Geheimes Treffen
in einer Leningrader Wohnung:
„Gorbatschow will die völlige Herrschaft
an sich reißen.“ Und wir hatten doch
große Hoffnung
auf ihn gesetzt.

Wir wussten damals
noch nichts
von einer kommenden
Namensänderung Leningrads.

Tempus fugit*

Wenn das Honigbrot schon nicht mehr
ein „Königbrot“ ist, dann, fürchte ich,
ist die Kindheit eigentlich bereits vorbei.

*ein 28er: https://www.maierlyrik.de/blog/der-dreizeiler-mit-dem-namen-achtundzwanziger/

Die poetischen Zeilen dazu von Bruni ( https://www.wortbehagen.de/index/php ) möchte ich Euch nicht vorenthalten:

gibt es außer
dem Honigbrot Süßeres,
scheint Kindheit vorbei”¦

Tage der Wünsche
und Zeiten für
erwachsene Träume
stehen bei Fuß

doch manch einer sehnt
sich ein Leben lang
nach seinem
kindlichen Honigbrot

Der Beginn des Abrisses des Südflügels des Bonatz-Hauptbahnhofs in Stuttgart zur Zeit der grün-roten Regierung in Baden-Württemberg

Das erste Loch klafft nun.
Man kann es nicht von nahe sehen
als bürgerlicher Mob,
nur der Herr Dietrich kann´s,
dieser alles verschweigende Sprecher
des Barbaren-Vereins,
mir ”“ außerhalb der bürgerlichen Mitte,
so sehen sie mich in den Medien ”“
zeigt es sich nur im Fernsehkanal
oder weit weg vom Park aus,
den ich noch betreten darf,

Ach, wie sie klagen,
die Rundfunksprecher und
die Moderierer
der öffentlich genannten
Recht auch genauso
wie die Mafiosi brechenden
und eigentlich
dem Volk gehörenden
medialen Weisen-Zunft
der neuen Zeit,
der ach so formvollendet
sich gerne demokratisch gebenden
Alleserklärer
allen unrechten Rechts:

Wir würden nicht so protestieren
dieses Mal:
so wie am Nordflügel
wir´s taten,
wo sie begannen
mit dem Zerstörungswerk.
Wie heuchlerisch sie doch
das sagen, wie hämisch sie nun
grinsen:
Genau: Wir stehen Aug in Auge
nicht mit den Zerstörern nun
wie damals.
Der Mob ist ausgesperrt.
Hamburger Gitter trennen uns
vom heil´gen Ort des Jammern-
Könnens und des Schreiens,
so dass es Kameras erfassen könnten
zusammen mit dem beklagten
Unrecht jetzt.

Wir schreien doch und nennen es
mit gutem Recht Unrecht,
was hier die Mächtigen beginnen,
die das zusammen mit dem Schandloch
sehen lassen müssten in den Fernsehbildern,
wenn sie erlaubten, dass wir nahe kämen.

Der Mob ist ausgesperrt
und jammert nicht mehr
fernsehtauglich.
Ich jamm´re laut.
Wer will es hören?

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