Die braunen Ackerstreifen: Tot
scheinen sie mir, obwohl ich doch weiß:
Einst tragen sie kräftige Halme mit Korn.
*ein 28er
Lyrisches von Helmut Maier
Die braunen Ackerstreifen: Tot
scheinen sie mir, obwohl ich doch weiß:
Einst tragen sie kräftige Halme mit Korn.
*ein 28er
Verloren sind, die da hungerten
nach der Freiheit, andere
hungern zu lassen.
Verloren sind, die da dürstet
nach dem Kick, über andere
herrschen zu können
nach der Nacht
der Demütigung.
Verloren sind, die es gelüstet,
ihre Macht endlich
ausleben zu können
nach der durchlebten
Ohnmacht.
Verloren sind,
die an die eigene Freiheit
nur denken können,
weil sie sich endlich
befreien konnten.
Das Erbe,
das wir nicht durchschauen,
tragen wir schwer,
auch wenn wir uns
seiner gerne rühmen.
Und der Ruhm,
der uns blind macht
für die Ruhmlosen,
treibt eine ganze Gesellschaft
in Sklaverei.
Buchsbaum, Kaktus, Kapern,
Kastanie, Kirsche, Kresse,
Narzisse, Oregano, Thunfisch,
Petersilie, Rose, Rübe,
Veilchen, Zichorie, Zypresse.
Sie alle künden von einer Zeit,
einer immer besser erforschten,
in der diese Wörter bereits
(in ihren alten Formen, versteht sich)
lebten im Munde der Menschen
in europäischen Regionen,
als unsere indoeuropäischen
Vorfahren noch nicht heimisch
waren in Europa.
Das goldene Zeitalter?
Eine hierarchiefreie Kultur?
Eine Zeit, in der hartes Metall
noch unbekannt war.
Eine Zeit der Mütterlichkeit,
nicht der Härte?
Eine verlorene Chance?
*Siehe: Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation (Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas). C.H. Beck. München 2011
Noch nachtblau strahlt der junge Tag,
von Osten her ganz neu geboren.
Du fliegst nach Westen. Dort ist´s völlig dunkel.
Im Vorgarten Forsythiengelb
sah deinen Abschied noch im Licht der Lampe.
*ein Janka
Blumensorten zählen war ich.
Buchhaltung schien mir reizend zu sein.
Den Überschwang ordnen, ach, welch ein Genuss!
*ein 28er
Leuchtend-gelbe Laken flattern
durchglänzt aus einer anderen Welt
im Wind. Muster aus durchscheinendem Gezweig.
Köstliche Schattenspiele im Jetzt:
Preziosen der Vergänglichkeit.
*ein Janka
Ich postuliere das Recht auf Glück,
nicht auf ständiges Glück,
aber auch nicht nur auf die Chance
sein zu dürfen
seines Glückes Schmied.
Chancengleichheit ist eine gute Ausrede
für die Bevorrechtigten.
Wir müssen uns leisten lernen
Chancen zu schaffen,
Zugang zu Chancen zu fördern.
Ich postuliere das gleiche Recht
auf Glück
für alle Menschen des Volkes.
Ich postuliere die Neudefinierung
von Freiheit:
Freiheit das Glück finden zu können;
die Voraussetzung dazu
müssen wir schaffen
für alle.
Dafür
plädiere ich.
Ihre pure Anwesenheit;
sie schon animiert mich zum Schreiben:
Ich sitze inmitten tausender Bücher.
Aber vom Schreiben leben
könnte ich nicht; das seh”˜ ich.
*ein Janka

Spekulanten.
Sie sind wieder davongekommen.
Wir sind die Dummen.

Das Herz Europas?
Herzen ausgerissen,
zur Versteinerung freigegeben.
Bäume ausgerissen,
zerschreddert.
Zerschreddert die Hoffnungen.
Unsagbare Trauer.
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