Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 88 von 165)

Oben bleiben (neue Fassung)

Empöre dich nicht
über das Herbe
des Herbstes.
Ändert es was?

Koste noch aus
all die Fülle,
die er verspricht.

Empöre dich aber
über die Verfasstheit
des Miteinanders der Menschen.
Klage über die Kälte.
Empöre dich über Mafioses.

Schreibe die Todesanzeige
der Demokratie,
damit doch der Tod
vorbeigehe an ihr.

Oben bleiben

Aktiv gegen Stuttgart 21

Aktiv gegen Stuttgart 21

Jammern über das Herbe
des Herbstes,
was ändert´s?
Empöre dich dagegen
bloß nicht.
Du hältst es nicht auf.
Koste noch aus
all die Fülle,
die er verspricht.

Also OK!
empöre dich auch:
Bleibe oben.

Ein wenig anders ist es
bei Todesahnungen
angesichts des verfassten Zustands
des Miteinanders der Menschen.
Klage über die Kälte.
Empöre dich über Mafioses.
Schreibe die Todesanzeige
der Demokratie,
damit doch der Tod
vorbeigehe an ihr.

Aussicht

Wenn es der beginnende Herbst ist,
der uns ans Sterben gemahnt,
wie herrlich muss das Sterben sein
bei all der köstlichen Fülle,
die uns der Herbst verspricht!

Abgesang

Die Lügen, angetan
mit des Kaisers neuen Kleidern,
angetan, uns
zu versklaven
und zwar dergestalt,
dass sie wie Honig
uns die Kehle hinabläuft,
diese Vergewaltigung
und nennen sie sie nicht auch
beim Namen: benennen sie sie nicht
mit dem geheiligten Namen:
Demokratie?

D`Herbschdzeitlausa

D`Herbschdzeitlausa
beglaidat d´r Sommer an d´Diar.
Dea machd zwor no
a Schbekdakel
mit Sonnaschai
ond mit Hitz.
Ab´r d”˜ violette Livree
v´rschafft de Herbschdherold
schau da ned´ge Reschbegd
ond ganze Wiesa bedeggat se
ond sagat: S´isch jo jetzt gnuag.

Nicht Lizensierte

Nicht lizensierte
Goldsucher kämpfen
mit dem feststehenden Urteil,
Gold sei schon gefunden.
Nur Katzengold gebe es noch
zu finden.
Experten wissen, warum
Unausgebildete
chancenlos sind:
Der scharfe Geist könne trennen
zwischen Fühlen und Denken
und dürfe deshalb trennen
in Kundige und
in ewige Sucher.
Kundige hätten das streitbare Wort
der einen gültigen Wahrheit
vom Thron über den Wolken.
Im Dunkel des Wühlens
an dessen Basis
erliege der Verleumder
dem Glanz des Gefälligen.
Vergeblich erwarte er
den Beifall der Regelkenner
und verkomme im Sumpf
der Gefühle
zum Ketzer.

Die Furcht vor dem Katzengold

Gott, tut der mir leid:
Gott.
Der Alleinerzieher.
Nachdem er getrennt wurde
von seiner Aschera.
Publik gemacht weltweit:
die Scheidungsurkunde.
Durch Paulus, den Saulus
von Tarsus:

Getrennt wurde der Geist
vom Gefühl.
Gefühl wurde Sünde.
Aschera wurde verbannt
in den maskulinen Spiritus
der Lateiner.

Jesus wurde degradiert
zum Propheten
der Monotheisten,
der streitbaren.
Hatte er nicht gesagt,
selig seien die Friedensstifter?
Dass ich nicht lache!
Oder weine!

Scheidungskinder haben es
schwer
in der Pax Romana
weltweit,
der militärischen.

Noch trauern sie nach
der Mutter,
der sie zutiefst
misstrauen,
weil es die Welt
des Friedens doch
realiter nicht
geben könne.

Real sei,
wie es sei.
Bloß keine Visionen!
(Außer es wären
Visionen vom weltweiten Sieg)

Antwort auf einen anerkannten Literaten

Der Mond sei zu strahlend
und blende,
zu bruchstückhaft meistens
für die Ganzheit des Seins.
Die Wolken zu wenig
fassbar
für Ewiges,
zu diffus für eine prägnante
Aussage.
Gefühle gar zu hinderlich
für die Klarheit des Wortes.
Wer nur das Sagen hat,
sagt nichts,
wenn er Worte drechselt,
sei es auch kunstvoll.

Predigt

Die Kraft.
Mächtig in den Schwachen.
Macht der Machtlosen.
Tecumseh (Gefährte meiner Jugend),
du lehrtest mich.
Macht des Widerstands.
Macht der Visionen.
Auch im Scheitern,
dem unerwünschten.
Kraft.
Sie lässt etwas
sich entfalten.
Sie hinterlässt etwas.
Schöner im Erfolg.
Vielleicht aber
länger noch
nach dem Scheitern.
Tecumseh, Jesus,
Mahatma,
Nelson,
wo liegt Euer Scheitern?
Wo Euer Erfolg.
Einen kenne ich
ganz genau:
den in mir.

Aber nicht nahe
der Nelson Column.

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