S’war amol an Endagraba
vor d’r Schdadtmauer; doch jetzadle:
s’isch a Boulevard: die Entengrabenstraße.
Ond dui? Kasch’s wohl kaum glauba:
Dui isch a Autorennstrecke.
* a Janka
Lyrisches von Helmut Maier
S’war amol an Endagraba
vor d’r Schdadtmauer; doch jetzadle:
s’isch a Boulevard: die Entengrabenstraße.
Ond dui? Kasch’s wohl kaum glauba:
Dui isch a Autorennstrecke.
* a Janka

Ich war einer von ihnen.
Durch die in Plastik gehüllten Paradiesgärten
eilte ich hin und her,
ziellos in den Schwaden des Konsumrauschs verheddert.
Fisch-Nuggets.und Cola Zero
genoss ich.
Genießen?
Das war’s eigentlich nicht.
Einen Wald, in dem ich zur Ruhe hätte kommen können,
hatte ich nicht zur Hand:
Den Termin des Protests
wollte ich nicht versäumen.
Wider alle Erfahrung
glaubte ich immer noch
an die Erfüllung der Hoffnung
„Oben bleiben“.
Also schon ein bisschen mehr
als ein Pflichttermin
war es.
Mehr Zeit bis dahin
hatte ich als üblich.
Ein anderer Termin
hatte mich später ausgespuckt
als ich mir hatte vorstellen können:
ein Strafprozess,
der Kinkerlitzchen aufbauschte
zur Staatssache.
Da irrte ich durch die Stadt,
hoffte auf Blutdrucksenkung.
Nochmal heimzugehen vor der Kundgebung
war nicht mehr drin.
Staat machen mit einem Staat,
dessen Justiz überbelastet ist
mit dem Verknacken von Aufbegehrenden?
Wenn die vorausgehenden Fehler der Polizei
„nicht relevant“ sind,
falls die Opfer ein wenig überreagiert haben.
Wenn ein Richter sich als gnädig sieht,
falls er nicht sämtliche Vorwürfe ahndet,
die im Vorgängerprozess erhoben wurden.
Wenn einer „irgendwie dabei war“,
ohne selber gegen Regeln verstoßen zu haben,
weswegen er sich wehrt gegen ungerechtfertigte Polizeimaßnahmen.
Auch freundliches Verknacken
verhilft dem Angeklagten nicht,
dem Vorbestraftsein zu entkommen.
Aber wer zu den Mächtigen zählt,
dem kommt die Staatsanwaltschaft
gerne entgegen.
Was hilft da misstrauisch sein,
wenn’s um totale Ohnmacht sich handelt?
Die Wirtschaft. Werden wir dort bewirtet?
Oder bewirten wir sie?
Dann wäre mir Misswirtschaft lieber.
Wer sind denn die Zechpreller?
Nicht die uns die Zeche zahlen lassen,
ohne uns zu bewirten?
Mein Misstrauen verzeiht mir.
Ich verzeihe euch nicht,
dass ihr bestochen vertraut.
Vertraut ihr den Mächtigen,
weil sie Herberge bieten
den Beherrschten?
Lasst ihr euch nur
vergiften, bestrahlen,
vergewaltigen, aufschwatzen die Fesseln!
Ich misstraue. Wenigstens
versuche ich es.
Im Nebel ganz in der Nähe
fliegt ruhig die Nebelkrähe.
Sie zieht ruhig dahin.
Ergibt das ’nen Sinn?
Dass ich sicher bin, dass ich was sehe?
Habe ich, ach, nicht den Fimmel
beim Starenschwarm am Schurwaldhimmel
Frühjahr und Herbst mitunter zu verwechseln?
Wutbürger, einfache Masse, Galerie,
kleinmütiger Haufen, was weiß ich noch?
Wo finde ich mich da,
wenn ich Unheil benenne
und solidarisch bin
mit denen, die all das
professionell verdeutlichen,
was nottut,
um Unheil abzuwehren?
Läßt man das alles an sich abprallen
als doch eigentlich sensibler Mensch?
Aber ich weiß ja,
Solidarität zu verweigern
hieße kleinmütig sein.
Na also.
Die Bäume, mit Herbstlaub geschmückt,
strecken sich hoch himmelwärts
ins Blau.
Doch wachsen sie nicht
in den Himmel.
Die Macht derer, die dort
hinter Stacheldraht
Unheil fertigen lassen, digitale Blätter
mit Listen darauf,
tut’s auch nicht
Listopad ist.
Im auffrischenden Wind
fallen die Blätter.
Die bunten führen den Reigen an.
Die todbringenden
müssen ihnen folgen,
wenn immer die einfache Masse
sie nimmer duldet,
die drohnensendenden.
Sind wir nicht das Volk,
das ausersehen ist auch
sonst irgendwann
den eisigen Wind zu spüren
des Todes
im Drohnengewitter?
Es war mal’n Ingenieur von der Bahn,
der lebte ganz fest in dem Wahn,
nichts erklären zu müssen
außer Gedankenergüssen;
die „einfache Masse“ zog ihm den Zahn.
Sie regierten nicht,
sagen sie,
im luftleeren Raum;
aber welche Luft
atmen sie denn?
Es sei keine ideologische Luft,
sagen sie;
aber sie handeln,
als wäre sie
ohne Ideale.
Haben wir sie denn
dafür gewählt?
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