Die sanfte Sichel des Mondes,
jetzt in der Zeit nach der des Schwarzmonds:
Muntern Aufbruch verlangt sie ins Verweg’ne.
Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 43 von 165)
Noch sind nicht alle gefallen:
die schönen, gelben Gingkoblätter.
Ich pflücke mir eines vom Ewigkeitsbaum.
*ein Achtundzwanziger
Heute Nacht begegneten sich
die irdische und die Anders-Welt:
eng umschlungen, versunken: Liebesleute.
*ein Achtundzwanziger
Preis der im Herbst Geborenen:
Mit der Farbenvielfalt dieser Zeit
korrespondiert die Vielfalt ihres Lebens.
*ein Achtundzwanziger
Wenn Bäume Teppiche ausbreiten
auf der Erde, ganz farbig oder grün,
wenn sie verkünden: Tod ist oft
der Anfang neuen Laufes,
der durch die Zeit im Rhythmus geht
und Leben plant, das neu beginnen
kann und seinen Wert entfalten –
dann weht Dynamis durch die Welt
und sie gestattet die Ruhepause
schließlich doch, die ja das Leben braucht,
um neue Kraft zu schöpfen.
Jetzt ist die weiße Decke
der Schlafzeit in den Winternächten,
die heilsame, schon nicht mehr weit.
Sträucher und der Zuckerahorn,
sie sind bunt gefärbt, der Himmel blau;
der Buchenwald und der Birnbaum sind noch grün.
*ein Achtundzwanziger
Wir sind das Volk,
was sollen wir sonst sein?
Doch seid ihr es,
die pöbeln, grölen, attackieren?
Seid ihr es darum etwa?
Sind es nicht eher die,
welche aus Gründen sich so nennen,
die an Menschlichkeit sich messen
(nicht an dem Allzumenschlichen)?
Kennt ihr denn nichts,
was jenseits liegt
des Tals der Ahnungslosen,
das nur in Ahnungen,
in düstern, jene Welt euch malt,
xon der ihr nur
von Schatten wisst,
die an den Wänden eurer Unvernunft
erscheinen?
Wie soll die Einheit werden
zwischen euch
und denen, die
mit klaren Augen sehen,
dass mit der Angst
nur Schaden kann entstehen,
wenn sie die Menschlichkeit
vergessen macht?
Die Angst kann die Probleme
nicht lösen,
sie macht sie ja zu Riesen,
auch wenn sie garstge Zwerge sind,
Alpträume also
in euch erwecken,
die nur lähmen.
Ach, seht die Welt doch eher
als Chancenfeld,
das denen Früchte bringt,
die einstehn für einander,
nicht ausgrenzen,
wer nicht behagt.
Dann sagt von mir aus auch:
Wir sind das Volk
und lassen nicht
von Führern uns verführen,
die uns um ihrer Herrschaft willen
nur auseinanderdividieren wollen,
uns Menschen vielerlei Manier.
So vielgestaltig ist der Herbst!
Vexiermeister nenne ich ihn.
Zu Zeiten zeigt er dies,
zu andren Zeiten anderes.
Seine Sammlung ist vielfältig,
aus allerhand Phasen zusammengelesen,
auf einen Bildschirm projiziert;
sie täuschen das Auge.
Vielerlei Energien,
aufgespeichert;
er verströmt sie
und wir,
wir können es fast nicht fassen.
Die allererste Kastanie,
die schmeichelnd mir gleitet durch die Hand,
in diesem noch gar nicht herb gefühlten Herbst!
*ein Achtunzwanziger
Sollte ich nicht loben
die Zeit der Früchte,
die Zeit des Genusses?
Einsammeln macht aber auch
merkwürdige Mühe.
In die Scheune gebracht
muss alles werden
zur rechten Zeit.
Und dort muss es bleiben,
damit in kärgerer Zeit
die Not nicht wächst
statt der Saat.
Und der erste Frost:
kündigt er nicht schon an,
dass es heißt,
es ist nicht mehr genug,
um davon zu leben?