Sind wir nicht schon wahrhaftig reif
wahre Demokratie zu leben,
bevor wir sie endgültig erkämpft haben?
.
*ein Achtundzwanziger von mir
Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 22 von 165)
Goldflitter noch verteilt
im ansonsten kahl gewordenen Geäst
unserer Birke.
Der Teppich auf dem Boden
unter den Ästen,
immer fahler seine Farben.
Der Winter steht vor der Tür.
Alles vergeht.
Wandelwind weht.
Alles vorbei,
wenn’s seine Zeit.
Neues entsteht.
Irgendwann ist’s soweit.
Ich bleibe dabei,
sei’s wie es sei.
Der letzte Ast des Jahres
entblättert sich Tag um Tag.
Erinnerung schwindet,
neu entstehen Bilder für immer
im ewigen Adventskalender.
Nichts vergeht wirklich.
Alles kehrt wieder
im neuen, unverwechselbaren Gewand;
aber erst später
im jungen Unverbrauchten
und doch so Bekannten.
Altes wird neu
und Neues wird alt,
ändert und wandelt sich,
gewinnt neue Gestalt.
Grinsende Wölfe im Schafspelz,
tückisch gehen sie dir um den Bart.
Gekonnt spielen sie gar die Opferrolle.
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Weit mehr als richtige Wölfe
sind sie dann auf deinen Tod aus.
*ein Janka
Vom immer noch bestehenden
und auch beständigen Überfluss
sollten doch möglichst viele profitieren.
.
*ein Achtundzwanziger
Treppauf, treppab im Reihenhaus.
Verknüpfungen sind nicht rationalisierungsgeeignet.
Rückblicke und Ausblicke
dürfen sich nicht stören,
obwohl sie nicht kompatibel sind.
Muskeln sind angestrengt.
Auch wenig Bewegung schon
kann schmerzhaft sein.
Langstreckenlauf ist selten noch möglich,
aber immer mehr angesagt,
soll das Wesentliche nicht gar
im Strudel der Ereignisse
untergehen.
Auf welchem Boden stehen wir,
auf welcher Ebene?
Sind Ausblicke nicht versperrt
durch Vorhänge jeglicher Art?
Frieden ist nötig
unter den Religionen,
unter den Bürgerinnen und Bürgern,
unter den Menschen,
unter den Völkern,
unter den Anschauungen,
unter den Lebeberechtigten allen.
Hoffnung und Mut
müssen sich vereinen
gegen die aussichtslose Verzweiflung,
auch wenn die Flut der Meldungen
sie wegzuschwemmen droht.
Ohne sie würde es bald schon noch schlimmer.
Und Zukunft, wie wir sie wollen,
würde völlig unmöglich.
Wollen wir denn
verzichten auf sie?
Im Nebel erscheinen die Schemen des Seins
gleichsam greifbar und unfassbar zugleich
Wie schaffe ich mir die wahren Bilder
aus dem bildlosen Gemenge?
Beim Eintauchen in den Fluss des Werdenden
stellen zahllose Vielheiten sich ein
des noch nicht Ausgeformten,
des Ungewissen in den erst noch gebärenden Wassern,
stellen freudig sich vor als
Wirklichkeit heischende Traumgebilde.
Erst in der endlich sich findenden Klarheit
ergreife ich, was ich sehe,
oder lasse sie fahren,
die nicht geborenen Bilder.
Weichmacher aus Kunststoffen
sind wohl verantwortlich
für Kreidezähne.
Worte scheinen nun
auch schon betroffen.
Weichgespült sind bereits viele
und können ebenso
gar zu leicht
gebrochen werden.
Goldteppiche im November
legen die Goldbäume beflissen
den wie im Traum Wandelnden vor die Füße.
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*ein Achtundzwanziger