Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Hanf-Senryu (und weitere Informationen etymologischer und europageschichtlicher Art))

Mein neuestes Hemd:
zu fünfundfünfzig Prozent
besteht es aus Hanf.

– – – – –

Kommt der Hanf – zumindest das Wort – von hier?:

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Aus dem Etymologie-Duden erfahren wir: Das Wort Hanf „stammt aus einer unbekannten ost – oder südosteuropäischen Sprache“ – mit dem hilflosen Zusatz „vielleicht aus dem Skytischen“.

Harald Haarmann zeigt in seinem Buch „Das Rätsel der Donauzivilisation. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas“, dass es Wörter im Altgriechischen gibt (häufig Wörter, die wir als Fremd- oder Lehnwörter – meist über das Lateinische – auch in unserer deutschen Sprache übernommen haben), die es in a n d e r e n indoeuropäischen Sprachen n i c h t gab. Sie müssen wohl aus der im Etymologie-Duden genannten „unbekannten“ Sprache stammen – eben aus einer Sprache jener Donauzivilisation.

Herrschaft*

So sehr überzeugend wie er,
der moderne Kapitalismus,
verschleiert kaum etwas Herrschaftsdurchsetzung.

Drum ist’s ja so leicht für die Herrschenden,
Wut auf andere Herrschenden zu lenken.

*ein Janka

Worte

An ihren Taten soll’n wir sie erkennen
(und sie uns an den unsrigen),

nicht an den unbedachten Worten
(wir können doch nicht jedes Wort durchdenken),
nicht an den so ironischen,
die voller unerkanntem Witz gesagten,
nicht an den nur verletzend klingenden,
aus froher Kehle aufgesprudelten,
nicht an den nicht gesagten auch,
(die wir so gern als mitleidlos,
als unsensibel, als beleidigt
interpretieren ”“ und ohne Grund
so unbarmherzig achtlos oft empfinden).

Ein Händedruck, ein Lächeln,
ein nur hingehauchtes Küsschen,
auch sie sind missverständlich,
nicht nur Worte.

Die Worte, oft nur kurz verwendet,
nie wiederholt, doch im Gedächtnis
bleibend wie für ewig,
sie sind doch nur,
was wir als Menschen erst
in später Zeit so kultiviert,
noch nicht zu Ende ausgeformt,
vorläufig noch und unausgegoren
geerbt haben und doch
für ewig gültig halten,
ein gar zu kostbarer Schatz sind sie,
als dass für immer in Stein gemeißelt
sie uns als Dogmen dienen könnten,
verletzlich selber als zarte Pflänzchen
wachsen sie und werden
oft missverstanden gar,
missbraucht,
als wären Repräsentanten sie
des Geistes selber.

Kunst und Natur

Kunst ist
die menschliche Natur,
die durch den freien Willen fließt.
Ist sie den Jahreszeiten unterworfen,
so wie die Vögel sich jetzt finden
zum Flug nach Süden,
um zu überwintern?

Was wäre Poesie
ohne das Frühlingsverlangen,
ohne die Sonnenkraft des Sommers,
ohne des Herbstes Farben,
ohne das Sehnen,
das den Winter überdauern lässt?

All dieses prägt die Kunst,
jedoch nach freier Wahl
der Schaffenden
zu einer für sie dann
passenden Zeit.
Nein, unterwerfen wird der Geist sich nie!

(Dies ist ein Kommentargedicht zu Barbaras Gedicht „Natur“ hier: https://wasbleibtsite.wordpress.com/2017/10/24/natur/comment-page-1/#comment-632)

Urvertrauen

Sie sortieren sich von allein,
die guten Gedanken von den bösartigen,
die hilfreichen Erinnerungen
von den verzweifelten,
die konstruktiven Vorschläge
von den zerstörerischen,
das Wohlfühlen vom Prassen,
das wehtut,
die ästhetischen Wahrnehmungen
von den abstoßenden Empfindungen.

Ich muss sie
nur lassen.

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