Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Die Donauzivilisation

Ich finde, diesen Zeitungsartikel zu lesen lohnt sich. Viel zu wenige wissen das über die Donauzivilisation, die es schon vor der griechischen Hochkultur gab: https://www.fr.de/kultur/von-wegen-dunkel-a-1541097

„Die Rede ist (ja) von einer der ältesten Zivilisationen der Welt: Alteuropa, das ”“ einmalig in der Menschheitsgeschichte ”“ über mehr als 3000 Jahre Bestand hatte.“

Und es ist ein „Plädoyer für eine nachhaltige Beschäftigung mit Alteuropa und der bis zu 8000 Jahre alten Donauzivilisation, die Grundwerte vorgelebt hat.“

„Die Erkenntnisse über Alteuropa zeigen: die Gesellschaft war egalitär mit funktionierenden demokratischen Verwaltungsstrukturen, und sie war friedlich:

– Frauen waren Männern gleichgestellt. Archäologen sind einig darin, dass Männer und Frauen in vielen Handwerkssparten gemeinsam arbeiteten und der Handel auf den Flüssen in Frauenhand lag;
– In den Städten wurden keine Wohnviertel einer (hoch-)herrschaftlichen Elite oder Reste von Palästen gefunden, einfach deshalb, weil es keine (hoch-)herrschaftliche Elite gab, die einen Sonderstatus in Anspruch nahm. Auch die Ausstattung der Gräber zeigt keine Trennung nach Reich und Arm. Lediglich die Verehrung von Gründerinnen von Sippen und Familienclanen wird sichtbar an symbolträchtige Beigaben in einigen Frauengräbern;
– Archäologen fanden keine Schutzwälle um Siedlungen, weder um Dörfer noch um Städte, und keine einzige Grabungsschicht enthielt Hinweise auf Zerstörungen aufgrund von Feuer als Folge kriegerischer Auseinandersetzungen“

„Vielleicht verstärkte sich bei den Griechen in ihren ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen ein nostalgisches Sehnen nach Frieden. Anders kann man kaum erklären, warum sie ausgerechnet für diesen Kernbegriff ein Lehnwort aus der Sprache der Alteuropäer adaptierten: eirene, „Frieden“.

Lernen wir auch von den Alteuropäern, dass Frieden etwas anderes ist als die Herrschaft des Stärkeren bzw. Mächtigeren?

Anzeichen*

Zerfledderte Wolkenschleier
am östlichen Sommerhimmelblau
künden von dem nötigen Wetterwechsel.

Im Westen baut sich schon passend
die schwarze Wolkenmauer auf.

*ein Janka

Drüber oder drunter?

Drüberstehen können wir nicht
über allem, was uns anficht:
der trockene, heiße Sommer,
die vertrocknende Demokratie,
das versteckte Leiden so vieler Menschen
in diesen grässlichen, unmenschlichen Zeiten.

Aufbegehren müssten wir,
weil ja alles zu tun hat miteinander,
wenn wir zu matt nicht wären,
zu sehr beschäftigt mit unseren eigenen Sorgen.

Sind wir nur noch beschäftigt
mit dem Versuch
alles irgendwie
zu ü b e r s t e h e n?

Das Wunder der Giebelspitze

Von welcher Giebelspitze
dränge mein Lied
an das Ohr Vieler?

Es müsste dann auch
ein blauer Tag sein wie heute
und mich umfinge die Sehnsucht,
immer diesem Blau
verbunden zu bleiben
in einer unendlichen Situation
wie dieser noch vor der Mittagshitze.

Und alle verstünden mein Lied,
alle wenigstens, die es anginge
und die glücklich wären,
es gehört zu haben
und es nachzusummen
und wieder und wieder
den Text sich vorzunehmen
und zu durchdringen.

Die Amsel aber
macht mir den Platz streitig;
so lausche ich eben ihrem Gesang.

Penn-da-benn: Bretagne-Dreizeiler – eine Zusammenstellung

Bretagne I*

Ein Schmetterling umgaukelt mich.
Ich sei schon am vorläufigen Ziel.
Gräser wiegen sich auf der hohen Düne.

*ein Achtundzwanziger


Bretagne II*

Der Himmel putzt sich von weit her.
Blau färbt er sich draußen vom Meer her.
Gestern Abend versuchte er es auch schon.

*ein Achtundzwanziger

Bretagne III*

Wie fordernd sie quiekt, die Elster!
Sie will die Gesellschaft von andern.
Aber zu nahe kommen soll ihr keiner.

*ein Achtundzwanziger

Bretagne IV (aus Kerlouan)*

Ganz am Ziel im Land der Heiden.
Epaves du „Pays Pagan“** las ich,
und zwar auf der alten Karte an der Wand.

*noch ein Achtundzwanziger

Bretagne V

Sie lieben das Meer.
Es reicht hin bis Kanada.
Es ist ja ihr Meer.

Bretagne VI

Und hoch springt die Gischt.
Schon die Flut bewirkt dieses.
Blau verdrängt Wolken.

Am Abend* (Bretagne VII)

Im Grau geht der Tag bald dahin.
Grau der Himmel, grau das Meer. Ganz grau.
Bald schluckt die Nacht alle Farben des Tages.

*wieder ein 28er

Neuer Tag (Bretagne VIII)*

Die Farben der Blumen, der Sträucher, des Grüns:
Zur Freude sind sie alle zurück.
Doch das Blau von Himmel und Meer?

*ein reziproker Achtundzwanziger

Wohlfühlort (Bretagne IX)*

Wilde Orchideen umrahmen das Haus;
dem Meer zugewandtes Domizil.
Freiheit in der ersten Linie.

*ein reziproker Achtundzwanziger

Bewegung (Bretagne X)*

Felsen, Inselchen und Inseln.
Es arbeitet sich ab an ihnen,
dieses immerfort sich bewegende Meer.

*ein 28er

Bretagne XI

Weit draußen im Meer
gischtet die Welle empor
an einem Felsen.

Wandel (Bretagne XII)*

Vom Nebel verschluckt: die Sonne.
Sie hatte erst noch so warm gescheint.
Einen ganz wunderbaren Nachmittag lang.

*ein Achtundzwanziger

Urgewalten (Bretagne XIII)*

Der Kampf zwischen Wasser und Land,
an dieser granitenen Küste
manifestiert er sich in mächtigem Gischt.
.
*ein Achtundzwanziger

Wettstreit (Bretagne XIV)*

Zarte Wellen im Gerstenfeld
und die mächtigen Wellen im Meer
liegen im Wettstreit um den größeren Glanz.

*ein Achtundzwanziger

Zur Ruhe kommen (Bretagne XVI)

Das silberne Meer.
Schattenrisse der Felsen.
Bald ist Tagesschluss.

Bretagne XVII

Bretonischer Wind.
Wie er doch weht so geschwind!
Mit ihm geht die Zeit.

Das Loiretal

Die Bretagnereise hatte nicht nur die Bretagne zu bieten. Auf der Hinreise gab es die Ile de France mit all den Erinnerungen, die wieder wach wurden. Und da war Chartres. Das war wie eine Pilgerschaft zu einem bekannten Ort. Die Rückreise nach Hause führte dann durch das Loiretal. Mal was anderes …

Das Loiretal*

Das Loiretal war neu für mich.
Ich erhob keinerlei Ansprüche.
Es war einfach nur interessant und schön.

*ein Achtundzwanziger

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