Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Renovierung

Heute streiche ich nun einmal
meine Gedankengänge
ganz in Weiß,
meine Gefühlsbewegungen bunt.
Etwas Schwarz mischt sich noch ein.
Trotzdem soll alles freundlich sein,
möglichst hell
und vielversprechend.

Und Kinderlachen soll
die Gemüter erheitern.

Und Festivitäten
sollen sich einstellen;
denn ich lebe so gerne.

Und ich möchte teilen,
was sich so angesammelt hat
in der Rumpelkammer,
möchte spendabel erscheinen.

Aber stumm bleibt die Antwort
von außen.
Insider nur
besuchen die Hallen.

Und vielleicht
bleibt alles beim Alten,
beim Alter
und die weißen Haare
sind doch nur Tünche.

Und ich muss gar nicht
einen Pinsel bemühen.
Es ist schon zu viel Farbe
in dieser verrückten Welt
und ich muss mich begnügen
mit Brocken von Worten.

Aber die will ich benützen.

Leben und Tod

Vor ein paar Tagen ist mein Internet-Freund, der Lyriker Bernd Pol gestorben. Auf Facebook siehe: https://www.facebook.com/helmut.maier.39/posts/2130408586997660
SIEHE AUCH: https://www.youtube.com/watch?v=uUR8pXk1iM0

Sein Tod hat mich dazu gebracht, Gedanken über Leben und Tod, die mir schon lange durch den Kopf gehen, vorläufig aufzuschreiben:

Leben und Tod

Das Leben leben
und nicht den Tod!

Der unausweichliche Tod zwar
gehört auch zum Leben.
Krönen kann er’s sogar
und zeugen vom Leben.

Der gewaltsame Tod jedoch
lässt den Mörder
nicht leben,
auch solange er
noch warten muss
auf den eigenen Tod.
Leben, um Tod zu bringen,
ist kein Leben
und kann keines mehr sein.

Lasst uns das Leben leben!
Nichts Tödliches soll es bestimmen,
solange der Atem reicht.

Auch die Negierung des Todes aber
tötet das Leben,
hindert sein Gelingen.

Pflanzen wir täglich doch
Sämlinge ein des Lebens
ins Schicksalsbeet
für uns und für andre.
Dann glückt das Leben
noch einmal eine weitere Spanne
bis ans Ende.

Es ist nicht egal

Wenn das LEBEN kommt,
aus dem alles entspringt,
egal in welcher Form,
ist das wunderbar.

Dann ist es nicht mehr egal,
ob wir es lieben oder nicht,
und dann ist es an uns,
dem Leben zu zeigen,
dass es willkommen ist bei uns
– oder nicht.
Und dann ist es einmalig
und ganz besonders wertvoll
– und es zeigt sich,
ob wir es nicht wert sind
– oder doch.

Es schneit

Vom Wind verweht
zum Tanzen gebracht,
Schneeflockensterne.
Sie werden gleich schmelzen
auf meiner Haut.

Auf meinem Haar
und auf flachen Dächern
bleiben sie liegen.

Es sei Winter,
sagen sie
mit Bestimmtheit im Ausdruck.

Vom Selbst

Was uns selbst angeht,
können wir getrost konservativ sein
(auch wenn wir unser Verhalten
den veränderten Bedingungen um uns herum
immer wieder neu anpassen sollten
– ohne uns selbst zu verlieren
– – und somit progressiv sein müssen)

Caschpar u. Co.

Caschpar, mogsch a Bier?
Odder doch die drei Nothelferinna?
Odder Wilbeth, Ambeth und Borbeth?

Welches Erbe scheint durch,
wenn die heiligen drei Könige erscheinen,
neuerdings Mädchen darunter;
oder treten bald nur noch diese auf?
Und wenn sie C+M+B notieren?

Wie lange schon gibt es Fake News?
Und wie lange noch?

Zur Zukunft

Ich weiß nicht, was kommt.
Das ist gewiss.
Ich kann planen.
Ich kann mich einsetzen
für was Gutes.
Auch wenn mir Brecht
nicht besondere Hoffnung macht:
Gehn tun meine Pläne nicht,
jedenfalls nicht wie gedacht.
Ich kann auch versuchen,
zu verhindern das Doofe,
erst recht das Schlimme.
Aber vielleicht kommt es doch
und ich pfeife
womöglich darauf
oder auf dem letzten Loch.
Doch
ich weiß wenigstens
ich kann
den andern wahrscheinlich
ins Gesicht sehen,
ohne mich zu schämen.

Lange erwartet*

Die ersten Schneeflocken fallen.
Der Eibenbaum streckt ihnen empor
und willkommend seine Zweiglein entgegen.
.
Bald ist alles ganz weiß bedeckt.
Neuschnee endlich im neuen Jahr.

*ein Janka

Im Interview von kontext mit Winnie Hermann über die Deutsche Bahn – ganz am Schluss

kontext: Damit wären wir schnell bei einem besonderen Thema: Ziemlich viel von dem nötigen Geld bindet ein großes Projekt, Stuttgart 21.

Winnie Hermann: So ist es.

(Ich: Und mehr hat Winnie Hermann dazu nicht zu sagen?)

(Vielleicht ja doch!? Als Redaktionshinweis steht n a c h dem Interview Folgendes: „Mehr zu den Belastungen der Bahn durch Stuttgart 21 und die Sicht Winfried Hermanns auf das Großprojekt in der kommenden Kontext-Ausgabe.“
Siehe das ganze jetzige Interview:
https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/405/es-ist-zum-verzweifeln-5625.html )

Gewissheit 2019*

Wenn wir vom Neuen Jahr diesmal
nichts erwarten, als dass es wieder
zwolf Monate haben wird wie schon gewohnt,

dann werden wir mit sehr großer Gewissheit
zum ersten Mal im Leben nicht sehr enttäuscht.

*ein Janka

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