Ich weiß nicht, was kommt.
Das ist gewiss.
Ich kann planen.
Ich kann mich einsetzen
für was Gutes.
Auch wenn mir Brecht
nicht besondere Hoffnung macht:
Gehn tun meine Pläne nicht,
jedenfalls nicht wie gedacht.
Ich kann auch versuchen,
zu verhindern das Doofe,
erst recht das Schlimme.
Aber vielleicht kommt es doch
und ich pfeife
womöglich darauf
oder auf dem letzten Loch.
Doch
ich weiß wenigstens
ich kann
den andern wahrscheinlich
ins Gesicht sehen,
ohne mich zu schämen.
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Die ersten Schneeflocken fallen.
Der Eibenbaum streckt ihnen empor
und willkommend seine Zweiglein entgegen.
.
Bald ist alles ganz weiß bedeckt.
Neuschnee endlich im neuen Jahr.
*ein Janka
kontext: Damit wären wir schnell bei einem besonderen Thema: Ziemlich viel von dem nötigen Geld bindet ein großes Projekt, Stuttgart 21.
Winnie Hermann: So ist es.
(Ich: Und mehr hat Winnie Hermann dazu nicht zu sagen?)
(Vielleicht ja doch!? Als Redaktionshinweis steht n a c h dem Interview Folgendes: „Mehr zu den Belastungen der Bahn durch Stuttgart 21 und die Sicht Winfried Hermanns auf das Großprojekt in der kommenden Kontext-Ausgabe.“
Siehe das ganze jetzige Interview: https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/405/es-ist-zum-verzweifeln-5625.html )
Wenn wir vom Neuen Jahr diesmal
nichts erwarten, als dass es wieder
zwolf Monate haben wird wie schon gewohnt,
dann werden wir mit sehr großer Gewissheit
zum ersten Mal im Leben nicht sehr enttäuscht.
Gestern starb Amos Oz, ein wichtiger Mahner für den Frieden zwischen Israelis und Palästinenser*innen. Er wurde 1939 in Jerusalem geboren. Weltweit wurde er als Schriftsteller geschätzt. Er war der meist übersetzte israelische Schriftsteller und Journalist. Spätestens nach dem Sechstagekrieg 1967 setzte er sich entschieden für eine Zweistaatenregelung als machbare Möglichkeit zum Frieden mit den Palästinenser*innen und dann als Mitbegründer der Friedensbewegung „Peace now“ für eine generelle gerechte Friedensregelung auch mit den arabischen Nachbarn Israels ein. Es wird interessant sein, wie Oz in Israel gewürdigt werden wird: auch als Verfechter eines gerechten Friedens im Nahen Osten oder ausschließlich als international geachteter israelischer Schriftsteller und Essayist.
Meiner Heimat verbunden war Amos Oz übrigens als Inhaber 2002 der Tübinger Poetik-Dozentur.
Schäfchenwolken im Kreis gemalt.
Angenehme Bläue drum herum.
So zeigt sich der Himmel nach dunklen Tagen.
*ein Achtundzwanziger
Nebel am Ende des Waldwegs.
Beim Näherkommen löst er sich auf.
Sonnenschein beleuchtet die Dächer im Tal.
*ein Achtundzwanziger
König mag ich dich gar nicht nennen,
oh Jesus,
auch wenn dich Bach so
so wunderbar preist,
dass ich zerschmelze.
Aber ich preise dich damit,
dass ich dich niemals
zum Establishment
irgend einer Zeit rechne,
zu denen da oben
(ich meine nicht: im Himmel,
nicht einmal metaphorisch;
dafür ist er mir oft zu blau
oder ersehnt als Wasserspender
genauso wie der Platz
für wundervollen Sonnenschein,
für trauliche Sterne).
Ich bin ja kein Monarchist,
bin Republikaner
der besseren Sorte,
bin Demokrat,
Freund der Freiheitskämpfer
mit deinen Waffen:
Gewaltfreiheit und Liebe:
leidend tausendmal eher
als daherkommend im Pomp
und in Rechthaberei.
Die Kirchen,
die sie dir bauten,
sie sind mir zu herrschaftlich
meistens
in althergebrachter
Tradition,
so wie die Gebete dort,
die dich preisen als Herr,
weit mehr als als Freund.
Und doch schmelze ich dahin,
wenn Bach dich preist,
wenn Kinderaugen glänzen,
wenn sie im Christbaumglanz
gedenken deiner Geburt.
Und wahrlich, dass du geboren wurdest,
nicht für Machterhalt steht das,
nicht für sich von allem andern
abgrenzende Identität,
nicht für Recht, das Privilegium heißt;
wenn sie das lernen, die Kinder,
von deiner Lehre,
und nicht sie alleine,
dann liebe ich dich
gerne mit ihnen.
Selig sind sie dann,
sie und deine Jüngerinnen
und Jünger.
Das ist der Vorteil des Älterwerdens: Man kann sich erinnern an das, was man sich für die Zukunft vernünftigerweise wieder wünschen kann.