Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Es schneit

Vom Wind verweht
zum Tanzen gebracht,
Schneeflockensterne.
Sie werden gleich schmelzen
auf meiner Haut.

Auf meinem Haar
und auf flachen Dächern
bleiben sie liegen.

Es sei Winter,
sagen sie
mit Bestimmtheit im Ausdruck.

Vom Selbst

Was uns selbst angeht,
können wir getrost konservativ sein
(auch wenn wir unser Verhalten
den veränderten Bedingungen um uns herum
immer wieder neu anpassen sollten
– ohne uns selbst zu verlieren
– – und somit progressiv sein müssen)

Caschpar u. Co.

Caschpar, mogsch a Bier?
Odder doch die drei Nothelferinna?
Odder Wilbeth, Ambeth und Borbeth?

Welches Erbe scheint durch,
wenn die heiligen drei Könige erscheinen,
neuerdings Mädchen darunter;
oder treten bald nur noch diese auf?
Und wenn sie C+M+B notieren?

Wie lange schon gibt es Fake News?
Und wie lange noch?

Zur Zukunft

Ich weiß nicht, was kommt.
Das ist gewiss.
Ich kann planen.
Ich kann mich einsetzen
für was Gutes.
Auch wenn mir Brecht
nicht besondere Hoffnung macht:
Gehn tun meine Pläne nicht,
jedenfalls nicht wie gedacht.
Ich kann auch versuchen,
zu verhindern das Doofe,
erst recht das Schlimme.
Aber vielleicht kommt es doch
und ich pfeife
womöglich darauf
oder auf dem letzten Loch.
Doch
ich weiß wenigstens
ich kann
den andern wahrscheinlich
ins Gesicht sehen,
ohne mich zu schämen.

Lange erwartet*

Die ersten Schneeflocken fallen.
Der Eibenbaum streckt ihnen empor
und willkommend seine Zweiglein entgegen.
.
Bald ist alles ganz weiß bedeckt.
Neuschnee endlich im neuen Jahr.

*ein Janka

Im Interview von kontext mit Winnie Hermann über die Deutsche Bahn – ganz am Schluss

kontext: Damit wären wir schnell bei einem besonderen Thema: Ziemlich viel von dem nötigen Geld bindet ein großes Projekt, Stuttgart 21.

Winnie Hermann: So ist es.

(Ich: Und mehr hat Winnie Hermann dazu nicht zu sagen?)

(Vielleicht ja doch!? Als Redaktionshinweis steht n a c h dem Interview Folgendes: „Mehr zu den Belastungen der Bahn durch Stuttgart 21 und die Sicht Winfried Hermanns auf das Großprojekt in der kommenden Kontext-Ausgabe.“
Siehe das ganze jetzige Interview:
https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/405/es-ist-zum-verzweifeln-5625.html )

Gewissheit 2019*

Wenn wir vom Neuen Jahr diesmal
nichts erwarten, als dass es wieder
zwolf Monate haben wird wie schon gewohnt,

dann werden wir mit sehr großer Gewissheit
zum ersten Mal im Leben nicht sehr enttäuscht.

*ein Janka

Amos Oz ist tot

Gestern starb Amos Oz, ein wichtiger Mahner für den Frieden zwischen Israelis und Palästinenser*innen. Er wurde 1939 in Jerusalem geboren. Weltweit wurde er als Schriftsteller geschätzt. Er war der meist übersetzte israelische Schriftsteller und Journalist. Spätestens nach dem Sechstagekrieg 1967 setzte er sich entschieden für eine Zweistaatenregelung als machbare Möglichkeit zum Frieden mit den Palästinenser*innen und dann als Mitbegründer der Friedensbewegung „Peace now“ für eine generelle gerechte Friedensregelung auch mit den arabischen Nachbarn Israels ein. Es wird interessant sein, wie Oz in Israel gewürdigt werden wird: auch als Verfechter eines gerechten Friedens im Nahen Osten oder ausschließlich als international geachteter israelischer Schriftsteller und Essayist.

Meiner Heimat verbunden war Amos Oz übrigens als Inhaber 2002 der Tübinger Poetik-Dozentur.

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