Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Geflochtenes

Hände aus Wildgräsern,
geflochten mit der Liebe
des Bewahrens,
mit Mustern geschmückt
des Begreifens,
im Begehren des Veränderns
gebraucht:
Körbe des Sammelns.

Heiße Steine,
im Feuer bewährt,
das Wasser der Weisheit zu erhitzen,
tragt ihr
und keinen Tropfen
des Wissens um das Wichtige
verliert ihr.

Die Göttin, die ihr war´t,
kalifornische Ahninnen
und europäische Urmütter,
als ihr die Intuition gebart,
gepriesen sei sie
mit allen Mündern
und Händen.

Auf den 2. Januar 2007

Recht kräftig doch behauptet sich
nicht erst seit heut´ das neue Jahr.
Zu stürzen braucht es
das alte nicht.
Bereits am zweiten Tag
hat es schon festen Stand.

Geschäftigkeit hat jede Straße
ganz neu erobert.
Jetzt gilt es wieder.
Auf, es kann nun werden.

Hat nicht die Sonnwend´ längst gezaubert
und kürzer uns die Nächte werden lassen?
Noch länger ist´s
seit Samhain´s Aufbruch in das Raue
mit einem Nachtmahl für die Andersgäste
aus dem Land des Änderns.
Und Weihnacht war. Geburt wurd´ da gefeiert
von neuem Heil, von neuem Werden.

Und nun ein neues Jahr.
So ganz von ungefähr,
da wandern meine Blicke
beim Gang durchs Dorf
auf alte Schwalbennester,
die da noch hängen vom vergangnen Sommer.

Sie sind bereit für neue Gäste.
Sie laden ein noch vor des Winters erstem Schnee,
den ja der Schwalben Flug
im vorhinein im letzten Jahr geflohen
in ihrer Weisheit sich das Leben
zu bewahren.

Frau Percht, die holde Holle,
sie kommt in diesem Winter spät.
Wir müssen aber ihrer Härte
gewiss gewärtig sein.
Wir müssen uns gedulden lernen, wenn
noch kalte Winternächte kommen
und ratlos wir dann tasten nur und suchen,
bevor wir endlich
Frühjahrs Milde ganz genießen.

Theorie der Lyrik

Zur lyrischen Einstimmung zuerst mal ein älteres Gedicht:

Etymologie

Goldgeäst des Vergehens.
Graugeäst der Erfahrung darunter.
Vielleicht bleibt die
im Wort
als Kristallstruktur
der Kommunikations-Tools
im Speicher der Völker.

Die reale Welt und die (bei den antiken Kelten geglaubte) Anderswelt lassen sich meiner Erfahrung nach mit Lyrik in Beziehung bringen und dadurch neue Welten erschaffen. Dies ist die Grundstimmung, aus der heraus meine Lyrik entsteht. Ich verstehe sogar Lyrik überhaupt so, dass sie nicht die reale Welt, auch nicht reale Gefühle, Stimmungen usw. einfach abbildet, ohne dass Beziehungen zu anderen Welten mitspielen. Damit hat Lyrik die Funktion, Alternativen aufzuweisen und (nach-)empfinden zu lassen und zu einer besseren Welt beizutragen.

Deshalb mag ich Vergleiche mit „wie“ nicht so sehr, wenn genausogut davon ausgegangen werden kann, dass Identifikationen in den verglichenen Bildern, Gegenständen, Situationen, Begebenheiten usw. auftreten (könnten). Wenn aber davon n i c h t ausgegangen werden kann, finde ich wie-Vergleiche meistens platt.

Außerdem mag ich Reime nicht so sehr, wenn sie den Eindruck vermitteln, dass das, was sich reimt, auch stimmt, ohne dass die empfundene Wahrheit durch die lyrische Empfindung abgedeckt ist.

Das heißt aber nicht, dass ich Form für eine untergeordnete Kategorie der Lyrik halte. Die Sprache muss einen passenden Rythmus haben und einer passenden Sprachebene angehören. Das alles hängt jeweils mit den Wesensmerkmalen der zur Deckung gebrachten „Realitäten“ zusammen.

Vorläufige Schlussbemerkung: Eine unerschöpfliche Quelle der Lyrik ist übrigens die im Eingangsgedicht apostrophierte Etymologie, also die Kunde von der Herkunft der Wörter. Wie viele verschiedene Ebenen der Realität, also wie viele Welten oft in einem Wort zusammenfließen, ist für mich immer wieder faszinierend.

Gastlyrik

Auf dieser Seite habe ich vor, Lyrik von Leuten zu veröffentlichen, die mich darum gebeten haben (werden). Alle sind eingeladen, wenn sie mir damit eine Freude machen wollen. Es bedarf nur einer E-mail an maiergschwend [ät] maier-lyrik.de mit dem Text und dem Betreff „Gastlyrik“. Dann werden wir sehen …

Saddams Tod

Saddam, der Scheißkerl, ist tot.
Wie viele Tote hatt‘ er auf dem Gewissen?
Warum sollte ich trauern,
wenn nicht nur um die Toten?

Saddam, der Scheißkerl, ist tot.
Und wie viele Scheißkerle leben,
wie man so sagt,
in Ehren?

Die Saddam auf dem Gewissen hatte,
wer war an ihrem Tod
noch beteiligt?
Waren’s nicht Ehrenmänner,
die so viele Tode
verantworteten?

Saddam, der Scheißkerl, ist tot.
Und ich sollte trauern?

Die Saddam auf dem Gewissen haben,
sind sie nicht Ehrenmänner,
mit dem Tode verschwägert?

Dass Ehrenmänner dem Tod so vertraut sind,
dass sie ihn wieder und wieder
mästen,
darum trauere ich.

Gebet an die Göttin

Ruach, Du göttliche Weite,
Du Leben Gebärende,
die Du uns in die Weite der Welt geboren hast,
sei Du der Raum, in dem wir wirken,
die Luft, in der wir leben und weben,
der Atem, der uns mit der Luft der Welt verbindet,
dem Hauch des Ewigen,
dem Kreis des Wiederkehrenden,
der Sicherheit des Wiederkommenden.

In der Mondin erkennen wir Dich,
im Sonnenschein spüren wir Dich,
im Kreislauf der Jahreszeiten erfahren wir Dich
und leben von Dir
und hoffen auf Deine Beständigkeit
und bewähren die Kraft Deines Wesens
in unserem Leben.

Aufbruch

Verstaubte Schleier
über dem vergessenen Gestern:
weggeweht endlich?
Oder ist die Dreckkruste
dazu zu dick?

In dunkle Löcher fällt manchmal
vergangene Zeit.
Oder sie leuchtet
auch in das Morgen.
Janusgesichtig verankert
und frei.

Sandstürme des Vergessens
tilgen die Spuren der Wohltat
und lassen gutes Neues
nicht sprießen.

Nur das Erinnern
an die Helle vergangener Tage
macht aus dem Morgengrauen
den neuen Tag schon.

Und nur das Erinnern an
vergangenes Grauen
lässt vermeiden
das Böse.

Lieber Helmut

Dies ist der erste Artikel in Deinem neuen Weblog. Du kannst ihn bearbeiten oder löschen. Ein ‚Blog‘ ist eine Art elektronisches Tagebuch. Du kannst ganz einfach neue Gedichte schreiben und zu Kategorien zuordnen (die du natürlich auch selbst bestimmen kannst). Du kannst Bilder hochladen neue Seiten anlegen und so weiter. Im Archiv findest du auch viel später noch deine früheren kreativen Ergüsse…

Ein Blog bietet aber viel mehr. Deine Gäste können z.B. Kommentare hinterlassen oder du kannst dich mit anderen Lyriker-Blogs vernetzten. Allerdings gibt’s da noch nicht sooo viele. Einen davon habe ich in deinem Blogroll in der rechten Seitenleiste eingetragen. Der Blogroll ist übrigens das Salz in der Blogsuppe. Die Bloggersphäre ist nämlich stark vernetzt, aber das entdeckst du vielleicht bald selber…

So, und nun genug geschwafelt – jetzt nichts wie ran ans Bloggen!

Herzliche Weihnachten,

Steff

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