Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Herbstlaunen

Der weiche Nebel.
Er will nicht weichen
eine Weile.
Er schmeichelt
meiner Haut.
Doch lässt er mich

erschauern.

Die Zuversicht
auf  trotzige Beständigkeit
verleiht mir wieder
die Standorttreue

des Semmelstoppelpilzes.

Kritiker im Wettstreit

Heute lese ich in der Esslinger Zeitung:
„Die Düsseldorfer Staatskanzlei hat einen wegen seiner ungewöhnlichen Nebentätigkeit umstrittenen Redenschreiber bis auf weiteres freigestellt. … Der Mitarbeiter von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte unter Pseudonym kritische Artikel über dessen baden-württembergischen Amtskollegen Günther Öttinger (beide CDU) verfasst.“

Dass Öttinger sozusagen mit Haut und Haar ”“ oder um im Bild zu bleiben: mit Vor- und Zunahme –  CDU-Mitglied ist, schützt ihn allerdings offenbar auch nicht vor Rüttgers eigener Kritik. Der wendet sich ”“ so erfahre ich in der gleichen EZ ”“ gegen die Pläne der Fusion von WestLB mit der baden-württembergischen Landesbank, Pläne, die Öttinger ja bekanntermaßen betreibt.

Sommertag im Herbst

Das kurze Hemd
(noch einmal eines angezogen)
macht mich
dem vielleicht letzten Sommertag
des Herbstes
außerordentlich gewogen.

Ist Avalon etwa
die Zeit des Herbstes nur gewesen?
Gehört so was
wie Jahreszeit
bei Avalon zum Wesen?

Traumregie Ib

Eine Fassung in veränderter Interpunktion will ich noch anfügen. Vielleicht wird dadurch die allgemein angelegte Metapher von den Zugvögeln und dem Flattern deutlicher:

Traumregie

Wie sich die Erde
unter den flatternden Flügeln
doch dreht,
damit wir Zugvögel endlich
erreichen das Ziel,
hin und auch wieder her:
ganz nach der Laune
der Regeln.

Traumregie

Wie sich die Erde
unter den flatternden Flügeln
doch dreht,
damit wir Zugvögel endlich
erreichen das Ziel.
Hin und auch wieder her.
Ganz nach der Laune
der Regeln.

Gegen Stuttgart 21

Bei der gestrigen Kundgebung gegen Stuttgart 21 auf dem Marktplatz in Stuttgart, bei der es auch um ein Bürgerbegehren gegen die Entscheidung des Stuttgarter Gemeinderats für das Projekt ging, den Hauptbahnhof unter der Erde verschwinden zu lassen (Tieferlegung des Bahnhofs) und einen Teil des als Kulturdenkmal geschützten Baus von Paul Bonatz abzureißen, auf einem Transparent gelesen:

Rathaus 21

Für eine Tieferlegung des Rathauses
– zur Angleichung des Niveaus.

Selten war ich mit einem Medium so einverstanden wie mit diesem Transparent, obwohl ich selber (wenn auch in einer viel kleineren Gemeinde) einmal Gemeinderat war.

Mehr Informationen zu „Stuttgart 21“ findet man hier.

Herbst

Spinnwebensommer,
Pflückmond,
Traubenschneidzeit,
Zeitlosenzeit,
Kerbzeichen,
Sonnenkühle,
Anteilspender,
Zeitenscheider,
Herbigkeitskenner,
Himmelsreiniger,
Wanderer zwischen Sommer und Winter.

Alternativfassung

Brückenbögen geduldig tragen sie
die Innere Brücke Hauptstraße einst
Flaniergasse heute flüchtiger Flirt
deutet sich an Flötenmusik und Violen
klänge der Straßenmusik inklusive.

Brückenbögen über die Arme
eigentlich des Flusses gespannt
der Kanäle der Adern die
die Stadt durchziehen.

Brückenbögen über den Durchlässen
für Geschäftige und Müßiggänger
Schlendrer und Eilige vom Kesselwasen
zur grünen Maille Esslingens Lunge
vorbei an den Requisiten Korbsessel
und gedecktes Tischchen stehen gesichert
im vorüberfließenden Wasser der Oper
für die „Stadt im Fluss“ köstliche Zwie
fachbedeutung einem Event im idealen
Wetter des Spätsommers.

Brückenbögen von den Zeiten der Fach
werkhäuser am Hafenmarkt wo man
irdene Häfen verkaufte alles war unter
Dach und Fach ins unsichere Heute mit
1- Euro-Läden und Arbeitslosen-Initiativen.

Brückenbögen von uns Genießern
im Freiluftcafe am Ufer zu den Nöten
der Obdachlosen-Unterkünfte Brücken
bögen von den Schulkindern aus
gesettelten Familien zu den “paar
Schlüsselkindern” für die so höre ich
am Nebentisch Millionen ausgegeben
werden für Ganztagesschulen.

Brückenbögen gemauert aus steinernen
Quadern ewig zu währen erscheinend
prächtig eben erst restauriert alles ja nur

Romantik?

Brückenbögen

Brückenbögen.
Geduldig tragen sie
die Innere Brücke.
Hauptstraße einst,
Flaniergasse heute.
Flüchtiger Flirt deutet sich an.
Flötenmusik und Violenklänge
der Straßenmusik inklusive.

Brückenbögen
über die Arme
eigentlich des Flusses gespannt,
der Kanäle,
der Adern, die
die Stadt durchziehen.

Brückenbögen über den Durchlässen
für Geschäftige und Müßiggänger,
Schlendrer und Eilige
vom Kesselwasen zur grünen Maille,
Esslingens Lunge,
vorbei an den Requisiten
(Korbsessel und gedecktes Tischchen
stehen gesichert
im vorüberfließenden Wasser)
der Oper für die „Stadt im Fluss“,
köstliche Zwiefachbedeutung,
einem Event im idealen Wetter
des Spätsommers.

Brückenbögen von den Zeiten
der Fachwerkhäuser
am Hafenmarkt,
wo man irdene Häfen verkaufte,
– alles war unter Dach und Fach ”“
ins unsichere Heute
mit 1- Euro-Läden und
Arbeitslosen-Initiativen.

Brückenbögen
von uns Genießern
im Freiluftcafe am Ufer
zu den Nöten
der Obdachlosen-Unterkünfte;
Brückenbögen
von den Schulkindern
aus gesettelten Familien
zu den „paar Schlüsselkindern“,
für die (so höre ich am Nebentisch)
Millionen ausgegeben werden
für Ganztagesschulen.

Brückenbögen,
gemauert aus steinernen Quadern,
ewig zu währen erscheinend,
prächtig eben erst restauriert,
alles ja nur

Romantik?

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