Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 290 von 302

Wintersonnwend-Trilogie

Wandel

Weniger wurden die Tage
des schwindenden Lichts.

Die Sanftheit des Dunkels,
die Wonne des Winterschlafs
wird schon gemindert.

Ein Neues wird kommen.
Genommen wird und gegeben.

Trauer ist ja ein Teil
jedes Wandels.

Auftakt

Ein Keil in die Nacht geschlagen.
Hammerschläge verhallen.
Stille breitet sich aus.
Lichtfunke glüht.
Frost regiert noch ein Weilchen.
Das wärmende Feuer:
Wir entfachen´s.

Nüchternwerdung nach dem Feiertagsrausch

Wenn nun die Nächte kürzer wieder werden,
so raffe ich mich auf und sage
dem Winterschlaf Ade,

wenn jeden Tag uns von Natur aus schon
mehr Raum im Licht für Tätigkeiten bleibt,
so wie die Alten sagten:
„zu Nutz und Frommen“:

wenn Nützliches gleich Angenehmes heißt:
nicht noch mehr Dividende,
die nicht mehr als geteilt,
die als gerafft, geraubt zu gelten hat,
nein, dass ich vom Gemeinbesitz der Menschen
weltweit das, was mir zugeteilt, annehmen kann,

dass meine inn´re Würde drunter nicht leidet.
Ruhmreiche Schande wünsche ich mir nicht.

Paradoxie der Gesellschaft

Merkwürdig ist doch
Und kann doch
Logischerweise
Sprachlich
Eigentlich
Gar nicht
Sein, dass

Die Unter – nehmer
Über – legen sein sollten
Und die Unter ”“ legenen
Nur grade so
Über ”“ leben können.

Geburtstag kurz vor der Wintersonnenwende

Geschrieben anlässlich von zwei an diesem Wochenende zu feiernden Geburtstagen:

Geboren in der Zeit,
da immer noch die Tage
kürzer werden,
wo immer noch
die sanfte Dunkelheit regiert
bis über jenen Tag hinaus,
wo sich das Blatt dann
wieder wendet,
wo jeden Tag
mehr Raum im Licht
für Tätigkeiten bleibt.

So tief gegründet und
herausgefordert auch,
bald jenem Drang zu folgen,
dass mehr und mehr
das Tun dem Ruhen,
ja, das Vorwärtsdrängen
dem Bleiben in dem
tief Gesicherten
davonzulaufen scheint.

Doch ist gewiss,
dass dieses Eilen
nicht endlos geht,
dass Ruhe kommt
im Kreislauf eines Lebens
und wieder Aufbruch
in ein Neues
und dankbar jede Jahres-
und Lebenszeit
genossen, zumindest aber
angenommen werden darf.

So feierst Du Geburtstag heute
und weißt, es ist ein Geben
und ein Nehmen,
das Dir bestimmt und dem
Du auch entgegengehen kannst,
wenn Du des Kreislaufs Deines Webens
völlig Dir bewusst.

Im Strom der Zeit

Weicher, weißer Schnee,
gleißende Brücke
zum wiederkehrenden Glück.
Mantel des ruhenden Dunkels.

Frau Holle zwinkert
dem Verstehen zu,
dass Weiß und Schwarz eins ist
im Kosmos des Zirkels.

Gastlyrik – Detail

„Kriege heißen immer Frieden,
am Frieden ist Kritik tabu.“

Dieses Zitat stammt von Dirk Schröder, und zwar aus einem Gedicht* auf hor.de

Ich habe ihn um die Erlaubnis zum Abdruck hier gebeten, weil ich es als so treffend empfunden habe, wie ich mir lange gewünscht habe, den Sachverhalt ausdrücken zu können. Das Gedicht* ist hier zu finden.

*Dazu bitte den Kommentar von Dirk Schröder hier unter dem Beitrag lesen!

Wintersonnwende Nr.3

Nüchternwerdung nach dem Feiertagsrausch

Wenn nun die Nächte kürzer wieder werden,
so raffe ich mich auf und sage
dem Winterschlaf Ade,

wenn jeden Tag uns von Natur aus schon
mehr Raum im Licht für Tätigkeiten bleibt,
so wie die Alten sagten:
„zu Nutz und Frommen“:

wenn Nützliches gleich Angenehmes heißt:
nicht noch mehr Dividende,
die nicht mehr als geteilt,
die als gerafft, geraubt zu gelten hat,
nein, dass ich vom Gemeinbesitz der Menschen
weltweit das, was mir zugeteilt, annehmen kann,

dass meine inn´re Würde drunter nicht leidet.
Ruhmreiche Schande wünsche ich mir nicht.

Wintersonnwende Nr.2: Auftakt

An den Kommentaren zu meinem ersten Gedicht der Wintersonnwend-Trilogie habe ich gesehen, dass meine Betonung der Sanftheit der Nacht den Licht-Freundinnen und -Freunden Einiges zumutet. So ähnlich, vermute ich, wird es mir mit dem folgenden Gedicht in Bezug auf das Fehlen der Sanftheit gehen, wenn ich den Thor-Hammer niedersausen lasse. Hat der mit Gewalttätigkeit zu tun oder einfach mit etwas Gewaltigem? Das überlasse ich ganz meinen Leserinnen und Lesern ”“ außer dass ich hinzufüge, dass das kretische Gegenstück dazu, die Doppelaxt in späterer Zeit (auch schon des vorchristlichen Kreta) durchaus als patriarchales Machtsymbol verstanden wurde oder wenigstens werden konnte, wahrscheinlich aber in der Ursprungsbedeutung die Wandlungsfähigkeit des Schmetterlings vom Ei über Raupe und Verpuppung hin zur Prachtentfaltung des Falters symbolisierte. Und wenn man den Hammer Thors als Blitz versteht, dann hat der nicht nur den Menschen das Feuer geschenkt, ohne das Menschsein nicht denkbar wäre – wer liest hier zwischen den Zeilen meine Liebe für Licht und Wärme? – , sondern er bringt auch Dünger für das Sprießen des Keims im in die Erde geschlagenen Keil (etymologisch verwandte Wörter!).

In diesem Sinne heute (sozusagen viel zu verfrüht) der Auftakt zum Geschehen der Wintersonnwende ”“ als Vorbereitung darauf:

Auftakt

Ein Keil in die Nacht geschlagen.
Hammerschläge verhallen.
Stille breitet sich aus.
Lichtfunke glüht.
Frost regiert noch ein Weilchen.
Das wärmende Feuer:
Wir entfachen´s.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑