Annemarie hat wieder einmal eine großartige Perle zu einem meiner Gedichte gestaltet. Dieses Mal war es mein Vollmondgedicht von diesem Herbst. Hier ist/sind sie zu sehen.
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Unausgeschöpfter oder falsch angewendeter Reichtum führt zum Verfall.
Silberblatt-Dickicht
Im Gärtchen stehngeblieben
Durch weise Faulheit
Wie Du nun prächtig funkelst
Glanz wie von irgendwo her
Oben vorm Blau nur
An dem Himmelsgewölbe
Geäst-Ornament
Grafik-Collage
Mit Glitzer-Skulptur
Wir fragen warum
Beim Unerklärlichen
Aber die Folgen
Unseres Tuns
In den Nebeln
Der Zuversicht
Lassen wir sie
Unsichtbar werden
Wie aber sollten wir
Umgehen mit Unerklärlichem
Dann?
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der trockene Alkoholiker.
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der Individualist.
Ich schaff´s auch ohne,
sagte der Priester.
Ohne Promille,
ohne Gesellschaft,
ohne,
ohne,
ohne Luther?
Ohne Frau?
Ohne Papst?
Der volle Mond
auf monochromem Tableau.
Das Grau mit eingetieftem Blau,
fast ohne Sonnenschimmer-Rest,
regiert er still
auf seinem Zug durchs Reich
des Lichtverschlingens,
leuchtet selber aber,
bis dann der Funke überspringt
und neuen Tag entzündet,
der sich auf Blätterteppichen
sacht aus dem Blickfeld
rausgeschlichen hatte.
„Kann ich einen Hamburger ohne Fleisch haben?“
„Da haben Sie Glück: Wir haben heute kein Fleisch“
(*Dialog zwischen meiner Tochter und ihrem heute fünf Jahre alt gewordenen Töchterchen – beim Spiel mit dem zum Geburtstag geschenkten Kaufladen-Gestell samt vielfältigem Zubehör …)
Weißt du, in der U-Bahn darf man nicht essen, aber in der Ess-Bahn darf man’s. Die heißt ja so!
*aufgeschnappt in der S-Bahn zwischen Echterdingen und Bad Cannstatt. Autorin war ein sechs- bis siebenjähriges Mädchen, das mit seinem Opa auf dem Weg zum Stuttgarter Volksfest war.
Farbenrausch
vor dem Blättertaumel.
Noch vor dem verhüllenden Nebel.
Schmuckmaterial die Fülle.
Dekorieren der Tische ist Pflicht.
Unmöglich ist Übertreibung.
Doch Schwelgen in Überschwang.
Nicht so recht wissen,
wo´s lang geht.
Vychod heißt jeder Bahnhof
auf der Reise nach Prag.
Schwarz und deutlich die Lettern,
unter denen die Passagiere
den Bahnsteig verlassen.
Herbstfarben wuchern
auf den buschbestandenen Flächen
jeden Tag mehr.
Den grauen Wolken folgen
und die Richtung erahnen,
in der nun der Wind weht.
Die Aussprache lernen
und Wörter erkennen
jeden Tag mehr.
Ankommen irgendwann doch.