In welchem Krieg
sind die Opferzahlen
nicht
„unerträglich“ hoch,
wie sie der
UN-Generalsekretär
einschätzt?
Und wann kann man
bei einem Krieg
nicht
eine „gefährliche Eskalation“
konstatieren,
wie es der deutsche
Außenminister tut?
Lyrisches von Helmut Maier
In welchem Krieg
sind die Opferzahlen
nicht
„unerträglich“ hoch,
wie sie der
UN-Generalsekretär
einschätzt?
Und wann kann man
bei einem Krieg
nicht
eine „gefährliche Eskalation“
konstatieren,
wie es der deutsche
Außenminister tut?
Ich tippe wund mir die Finger
und lande im computersprachen-
gelenkten Anweisungs-Dickicht:
Tippen Sie bitte die Eins.
Die Vier. Die Drei. Die Eins.
Jetzt die Zwei. Menschen als Partner
sind wohl zu teuer, um mir
die Gestrüpp-Dornen-Kratzer
zu ersparen. Versuchen Sie es später
noch einmal. Was mich das wieder
kostet an Ärger, dass E-Mail-Verschicker
als Spamverdächtige abgewimmelt werden.
Im Kontaktformular soll ich selbst wohl
herausfinden, wo´s bei mir brennt
ganz genau. Wozu soll eine Feuerwehr gar
bezahlt werden noch?
«Ein Gedicht kann uns eine Atempause geben, einen anderen Blick auf die Welt. Und das ist manchmal sehr nützlich, um Probleme anzugehen.»
Ich finde, das ist ein wichtiges Kriterium für Lyrik!
(Und wer ist Elizabeth Alexander? Das erfährt man hier: Netzeitung)
Die Schneefelder des Ruhens
verschwimmen in den
neblichten Wolken,
in denen unbekannte
Zukunften wabern.
Wenn ich weitergehe,
weitet die Sicht sich
und die Berge erscheinen
an hinterfragenden Horizonten.
Doch am Schreibtisch meines Verharrens
träumen Visionen
nur im Verborgnen
und warten aufs Wandern.
Aus dem Kommentargedicht von Petros:
Wir brauchen Hoffnung,
Hoffnungsträger,
Hoffende,
die den Rucksack voll haben
mit Visionen
und Träumen
(fast hinter den Horizonten des Träumbaren)
Wir brauchen
die Hüter der Hoffnung,
Schreiber,
die sich der Hoffnungsworte bedienen,
die in einem toten Zweig
neues Leben finden.
Wir brauchen Gedichte,
die Jenseitiges ins Diesseits stellen,
die Opposition sind
der Schwachheit der Klage,
die von nebelichten Wolken
berichten –
den Sonnen in ihnen.
Ich habe Wintergedichte aus meiner Feder aus den letzten Jahren hier zusammengestellt:
Über jede und jeden, die daran Freude haben, freue ich mich. Allerdings ist dies nur ein Versuch, also vom Layout her nicht 100prozentig.
Weißes Geäder,
sonnenbeschienen,
rotbraunes Zweigegespinst
umwirkt
diesen Glanz
vor himmelblauem Tableau:
hoch ragt es auf
in die sichere Hoffnung
aufs Grünen,
nicht nur der Birke,
zu seiner Zeit.
Verzeihung versagen dem Schuldiger:
zweifache Verneinung von Dichten.
Sagen, was ist, zeigen,
wie sich´s verhält
– ein Verdikt ist ein Verdikt:
vere dictum: wahr gedichtet,
nicht: erdichtet, erfunden.
Vere!
Und doch nicht verdammen.
Die Hölle in den Bereich
der Fabel verweisen,
wenn die als lehrhafte Dichtung
nicht wirkt, sondern
aussondert und abschiebt
mindestens, eher
vernichtet.
Alles verstehen
heißt alles verzeihen.
Warum soll das nicht wahr sein?
Manchmal hilft”˜s schon,
die Wunde verbinden.
Etymologische Verwandtschaften zu ”šzeihen”˜ sind dick gedruckt;
inhaltliche Entsprechungen dazu zusätzlich gesperrt gedruckt.
Immer ist Abschied
eine Option,
wie man so nachlässig sagt,
aber wünschen kann man
ihn selten
und unerwünscht
erwischt er uns
heftig und droht
niederzuschlagen
optionslos.
Kommentargedicht zu Elsa Riegers „wenn gestorben ist.“
–
Kommentargedicht von Hermann Josef Schmitz“ dazu:
das geäst
unterschiedlichster bewegungen
verzweigter fügungen
brennender sehnsüchte
leiser verirrungen
und
schmerzender zärtlichkeiten
eingehüllt
in geformtes holz
der tag
ein schneeblatt
unbeschrieben in der lichtarmen stunde
tränengrau die erinnerung
(c) Hermann Josef Schmitz
Unschuld des Schneetuchs
und Schuld des eisigen Winds
an dem Erfrieren.
Und doch sind sie Geschwister.
Sprechen sie sich vielleicht ab?
–
Kommentargedicht zu Utas Wintertag
Frostbeulen fürchte auch ich.
Und erfrieren darf keines.
Nicht ein einziger Mensch.
Aber den fruchtbaren Frost,
der keinen tötet,
willkommen heißen
will ich ihn doch:
Samen macht er bereit
zum Keimen.
Ach, der Frühling
gibt Recht erst
der Hoffnung.
Können wir sie
nicht denken
davor?
Reprint von „Apologie“ vom 14.11.2007, auch (und nur im letzten Teil des Textes) aus Anlass der gegenwärtigen Situation; damals nur von Petros kommentiert.
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