Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Lebensformen

Ein Löwe ist eine Katze.
Ein Frosch ist keine Katze.
Ein Mensch ist keine Katze.
Eine Katze ist eine Katze.
Ein Wohnzimmer gehört zu einem Haus.
Ein Schlafzimmer gehört zu einem Haus.
Ein Weizenfeld gehört nicht zu einem Haus.
Eine Wüste gehört nicht zu einem Haus.
Ein Garten gehört zu einem Haus.
Ein Löwe lebt nicht in Haus und Garten.
Ein Frosch lebt in Haus und Garten.
Eine Katze lebt in Haus und Garten.
Ein Mensch lebt in Haus und Garten.
Ein Löwe ist ein Lebewesen.
Ein Frosch ist ein Lebewesen.
Eine Katze ist ein Lebewesen.
Eine Fliege ist ein Lebewesen.
Ein Mensch ist ein Lebewesen.
Eine Katze lebt nicht nur in Haus und Garten.
Eine Fliege lebt nicht nur in Haus und Garten.
Ein Frosch lebt nicht nur in Haus und Garten.
Ein Mensch lebt nicht nur in Haus und Garten.

Ein Löwe lebt gar nicht in Haus und Garten.

Spezifisch Gazakrieg?

In welchem Krieg
sind die Opferzahlen
nicht
„unerträglich“ hoch,
wie sie der
UN-Generalsekretär
einschätzt?

Und wann kann man
bei einem Krieg
nicht
eine „gefährliche Eskalation“
konstatieren,
wie es der deutsche
Außenminister tut?

Kostenfaktor Kommunikation.

Ich tippe wund mir die Finger
und lande im computersprachen-
gelenkten Anweisungs-Dickicht:
Tippen Sie bitte die Eins.
Die Vier. Die Drei. Die Eins.
Jetzt die Zwei. Menschen als Partner
sind wohl zu teuer, um mir
die Gestrüpp-Dornen-Kratzer
zu ersparen. Versuchen Sie es später
noch einmal. Was mich das wieder
kostet an Ärger, dass E-Mail-Verschicker
als Spamverdächtige abgewimmelt werden.
Im Kontaktformular soll ich selbst wohl
herausfinden, wo´s bei mir brennt
ganz genau. Wozu soll eine Feuerwehr gar
bezahlt werden noch?

Elizabeth Alexander meint:

«Ein Gedicht kann uns eine Atempause geben, einen anderen Blick auf die Welt. Und das ist manchmal sehr nützlich, um Probleme anzugehen.»

Ich finde, das ist ein wichtiges Kriterium für Lyrik!

(Und wer ist Elizabeth Alexander? Das erfährt man hier: Netzeitung)

Aussichten

Die Schneefelder des Ruhens
verschwimmen in den
neblichten Wolken,
in denen unbekannte
Zukunften wabern.

Wenn ich weitergehe,
weitet die Sicht sich
und die Berge erscheinen
an hinterfragenden Horizonten.

Doch am Schreibtisch meines Verharrens
träumen Visionen
nur im Verborgnen
und warten aufs Wandern.

Aus dem Kommentargedicht von Petros:

Wir brauchen Hoffnung,
Hoffnungsträger,
Hoffende,
die den Rucksack voll haben
mit Visionen
und Träumen
(fast hinter den Horizonten des Träumbaren)

Wir brauchen
die Hüter der Hoffnung,
Schreiber,
die sich der Hoffnungsworte bedienen,
die in einem toten Zweig
neues Leben finden.

Wir brauchen Gedichte,
die Jenseitiges ins Diesseits stellen,
die Opposition sind
der Schwachheit der Klage,
die von nebelichten Wolken
berichten –
den Sonnen in ihnen.

Weißglänzendes

Weißes Geäder,
sonnenbeschienen,
rotbraunes Zweigegespinst
umwirkt
diesen Glanz
vor himmelblauem Tableau:
hoch ragt es auf
in die sichere Hoffnung
aufs Grünen,
nicht nur der Birke,
zu seiner Zeit.

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