Wo der Staat als fragil, aber auch wo er aggressiv oder gar repressiv erlebt wird, wuchert der Fundamentalismus besonders gut.
Vgl. Mark Juergensmeyer: „Die Globalisierung religiöser Gewalt. Von christlichen Milizen bis al-Qaida“
Lyrisches von Helmut Maier
Wo der Staat als fragil, aber auch wo er aggressiv oder gar repressiv erlebt wird, wuchert der Fundamentalismus besonders gut.
Vgl. Mark Juergensmeyer: „Die Globalisierung religiöser Gewalt. Von christlichen Milizen bis al-Qaida“
Die Gabe an den Zufall
Wähler.
Ja unverantwortliches Ding du!
Zufall, mein langweiliger Vetter.
Im Flur in einsamer Nacht!
Wählend – du mußt es heulen!
Oh dümmliches Glück!
Wähler du.
Beschmiert ach so lang.
Zufall zwischen Erleben und Rasieren.
Wähler heute so irritiert.
Es ist kein Zufall, wenn Wählerinnen und Wähler wider ihre Interessen votieren.
Bevor es zu einer Revolution in einem demokratischen Staat kommt, geschieht es häufig, wenn lange genug die Regierenden Gerechtigkeit predigen und nichts oder zu wenig dafür tun.
Was ich im Folgenden ausführe, hat mit meinen zwei Gedichten unter dem Gesamttitel „Gesteuerter Zufall“ zu tun ”“ bzw. haben sie mit der Recherche zu tun, die ich nun darstellen will:
Ich bin durch Bekannte auf den Namen „Theo Lutz“ gestoßen. Ich erfuhr, dass Theo Lutz mit Max Bense zusammengearbeitet hat. Tatsächlich war der Mathematiker Theo Lutz Doktorand des Kybernetikers Max Bense. Das Ergebnis eines Experiments mit dem Großrechner „Zuse 22“ am Rechenzentrum der TH Stuttgart, aus dem später die Abteilung für Informatik hervorging, veröffentlicht Lutz 1959 in Benses bedeutender Literaturzeitschrift „Augenblick“ der sogenannten „Stuttgarter Schule“. Es sollte sich um einen Meilenstein computergenerierter Poesie, um die sogenannten stochastischen (also zufallsgesteuerten) Texte handeln.
„Theo Lutz hatte ein Programm geschrieben, um stochastische, d.h. zufallsbasierte Texte zu erzeugen. Dazu hatte er, auf Max Benses Anraten, je 16 Subjekte und 16 Prädikate aus Kafkas „Schloss“ ausgewählt.“
( https://copernicus.netzliteratur.net/ )
Der Aufsatz von Theo Lutz kann hier nachgelesen werden:
https://www.netzliteratur.net/lutz_schule.htm
Autoren, die im „Augenblick“ publizierten und bei der Konstituierung der Stuttgarter Gruppe/Schule eine mehr oder weniger gewichtige Rolle gespielt haben, sind neben Gomringer, Heißenbüttel und Max Bense selbst, ferner Arno Schmidt, Martin Walser, Ludwig Harig, Claus Henneberg, Theo Lutz, Reinhard Döhl, Ferdinand Kriwet, Jürgen Becker, Manfred Esser u.a.
Schön, Theo Lutz in dieser Liste gefunden zu haben, die bei Reinhard Döhl: „Der Kreis um Max Bense“ nachgelesen werden kann:
https://www.reinhard-doehl.de/bensekreis.htm
Übrigens kann man auch Ernst Jandl durchaus zeitweise zur Stuttgarter Schule rechnen.
Ein paar weitere Links dazu:
https://www.netzliteratur.net/lutz_schule.htm
https://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2004/11/30/a0189
https://www.stuttgarter-schule.de/bensekybernetik.htm
Bei Günters genialen Gedicht-Generatoren 😉
( https://www.poetron-zone.de/poetron.php )
dürfte es sich um praktisch dasselbe handeln wie das ursprüngliche Programm von Theo Lutz ”“ wohl etwas auf moderne Handhabung eingestellt.
Mit ihm habe ich versucht, so etwas wie künstliche Poesie herzustellen. Dieser Vorgang wird übrigens seit Theo Lutzens Aufsatz „lutzen“ genannt.
Nach mehreren Versuchen, habe ich dann gedacht, dass mein Gehirn als „Computer“ in Erinnerung an die entsprechenden Resultate etwas Ähnliches hervorbringen könnte. So ist der Text „Stochastische Zusammenschau“ entstanden. Dann habe ich Teile davon in das Poetron eingegeben und habe das künstliche Gedicht nach meinen Vorstellungen ideologischer Art verändert ( 🙂 ). Daraus wurde der Text „Eine Anklage an Heilige Schriften“. Der „Originaltitel“ hieß übrigens: „Ode an Heilige Schriften“.
P.S.: Es darf geraten werden, welche Begriffe ich ins Poetron eingegeben habe. Eine Auflösung wird es aber nicht geben.
Stochastische Zusammenschau
Zufallsgesteuerte Eingebung.
Heilige Schriften.
Sie zerfallen im Zufall
des Negierens.
Aber ihre Herrschaft überdauert
die vernünftigen Analysen
und erfreut die Ästhetik
der nicht mehr Gebundenen.
Doch Sinn muss erst mal
neu gegeben werden
zur Legitimation.
Eine Anklage an Heilige Schriften
Heilige Schriften.
Oh zufallsgesteuerte Dinge ihr!
Eure Eingebung: intelligentes Theater.
In die Kühltruhe für immer!
Legitimiert – du mußt sie rufen!
Welch spöttisches Glück ansonsten.
Heilige Schriften ihr!
Tiefgekühlt lange Zeit.
Heilige Schriften zwischen Sinnen und Staunen.
Heilige Schriften ja so federleicht
fliegend dahin.
Oder eingeharkt
in Unkrautäcker der Willkür.
Verse sind nicht das Leben,
aber sie können ans Leben anschließen.
Kommentar zu „Herzkalt“ von Petros
Bitte unbedingt auch die Kommentare (möglichst einschließlich der Links) lesen. Sie bilden zusammen mit dem Aphorismus und dem „Original“-Text von Petros ein richtiges kleines Projekt – mit mehreren Gedichten: von Hermann Josef Schmitz, Petros (ein weiteres), Barbara Hauser und Curt Hauser usw.!
Und noch ein ‚Blick‘ hierher (wieder mit allen Kommentaren) zu Barbara! Klasse! Unter den Kommentaren auch das Gedicht „Gedankenbilder II“ von Isabella Kramer, das auch hier zu finden ist: https://veredita.blogspot.com/2010/01/gedankenbilder-ii.html .
Wir gehen jetzt schon auf Lichtmess zu;
unter dem Schnee liegt die Landschaft in Ruh.
Und auch wir sollen uns besinnen:
Was sollen wir Sinnvolles jetzt beginnen?
Wenn jetzt nicht das Herz zum Herzen gern spricht,
kommt Freude und Frohsinn nimmer ans Licht.
2010 – das Jahr
endlich
neuer Zielsuche,
erst mal
im Jemen?
Curt hat folgenden Limerick als Kommentargedicht dazu geschrieben:
Der Eine hat Kugeln gegossen. Der Nächste hat sie dann verschossen. Doch der ohne Hoffen, der wurde getroffen Die Rechnung bleibt so ewig offen.
Petros hat folgendes Kommentargedicht dazu beigetragen (hier in der von Petros inzwischen veränderten Fassung):
Zum Beispiel USA
Die Welt sie stets belachten,
Im Glauben Recht zu pachten.
Mit Freiheit sich umnachten,
Sie Brände viel entfachten.
.
Vietnam”¦ und Bomben krachten.
Irak”¦ Massaker brachten.
Afghanistan”¦
Nach Talibanen schmachten.
Jemen”¦ “Jetzt”, sie dachten.
HH”¦ nach Leben trachten.
.
Sie schlagen ihre Schlachten,
Den Frieden zu entmachten.
Und das war München:
Auf dem Viktualj( 🙂 ) enmarkt
Lüngerl gegessen.
Ach, wie herrlich das schmeckte.
Der Eisspaziergang: verschmerzt.
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