Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Koalitionsgerangel wegen Stuttgart 21

Sieht wohl der Knoten aus, als wär er unauflöslich,
so ist´s ein Rätsel nur, das von den Göttern stammt.
Und dies erweist sich bald als Rätsel unsres Schicksals,
das Pflöcke in den Lauf desselben heimlich rammt.
Und ob der Knoten dann gelöst wird oder schließlich
durchhauen gar wie der des Gordios in der Antike
durch jenen Helden da, der Alexander ja sich
zu jener Zeit wohl nannte oder schnieke
sich als Gespann von Schmid und Kretschmann heut
bei Stuttgart einundzwanzig nun gerierte. Ach,
es kommt nur darauf an, dass alles ohne Krach
am Ende doch gelingt, wie´s die Vernunft gebeut.

Wenn hier ja ein Alexandriner es uns sagt,
kann´s doch auch sein, dass die Pragmatik nicht versagt.

Risikobereitschaft

Hunderttausend Generationen
am TÜV-Fehler gemessen:
1 Toter wegen Bremsversagens.
Ein Ende der Trauer
erst nach dem Tod
der Trauernden
und eine Trauerfeier immer
und immer wieder
sich wiederholend.
Ein menschliches Versagen,
ein Sekundenschlaf
am Steuer des Buses
und eine Unachtsamkeit
beim Herunterfahren
des Atomkraftwerks:
Wie schätzt man
ein Risiko ein?
Wer erlaubt
auch nur eines?
Aber wer erlaubt Risiken
für die Menschheit
wegen der Versorgungssicherheit?

Ostergruß

Ein Nest, nicht
für den Hasen, nein,
und auch nicht
für die Katz:
im Eibenstrauch:
zwei Schnäbelchen
schaun draus hervor. Gerade
eben war die schwarze
Amselmutter an dem Nest
und fütterte die Kleinen. Nun
kommt es drauf an,
dass später nicht
beim Flugversuch
eins in die Fänge
der Katze aus
dem Nachbargarten
kommt.

Sind Hauptschüler die besseren Lyrikinterpreten? – nicht nur eine Frage der Lyrik-Adaption

Die Frage des Titels steht in einem Artikel der neuen Online-Wochenzeitung Kontext. Diese ist unter anderem ein Ergebnis der Enttäuschung über die teilweise miserable Berichterstattung der deutschen Presse – auch und gerade der lokalen – zum Problem der Milliardengrab-Planung von Stuttgart 21.

Der Artikel mit der provokanten Frage hat den vielleicht noch provokanteren Titel Sind Hauptschüler bessere Analytiker?“ Sehr lesenswert – und noch mehr: bedenkenswert!

Waisenkinder

Schutzlos alleingelassen mit dem Geist
der Kriegshandwerker trudeln wir
durch die Zeiten, verwaist, ohne Erbe
des gegenseitigen Verantwortlichseins,
wir Armen in unserem Reichtum,
wir Erbschleicher, die Armen beraubend,
alleingelassen mit uns selber, uns,
den das Wesen der Menschen Verachtenden.

Die Notarin Erde fordert uns
zum Termin der Entrechteten,
zur Anerkennung der angefallenen
Schulden, sie abzuzahlen,
das geraubte Gut wieder
zu teilen, das Erbarmen
anzunehmen, uns erbarmen zu dürfen
endlich.

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