Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Risikobereitschaft

Hunderttausend Generationen
am TÜV-Fehler gemessen:
1 Toter wegen Bremsversagens.
Ein Ende der Trauer
erst nach dem Tod
der Trauernden
und eine Trauerfeier immer
und immer wieder
sich wiederholend.
Ein menschliches Versagen,
ein Sekundenschlaf
am Steuer des Buses
und eine Unachtsamkeit
beim Herunterfahren
des Atomkraftwerks:
Wie schätzt man
ein Risiko ein?
Wer erlaubt
auch nur eines?
Aber wer erlaubt Risiken
für die Menschheit
wegen der Versorgungssicherheit?

Ostergruß

Ein Nest, nicht
für den Hasen, nein,
und auch nicht
für die Katz:
im Eibenstrauch:
zwei Schnäbelchen
schaun draus hervor. Gerade
eben war die schwarze
Amselmutter an dem Nest
und fütterte die Kleinen. Nun
kommt es drauf an,
dass später nicht
beim Flugversuch
eins in die Fänge
der Katze aus
dem Nachbargarten
kommt.

Sind Hauptschüler die besseren Lyrikinterpreten? – nicht nur eine Frage der Lyrik-Adaption

Die Frage des Titels steht in einem Artikel der neuen Online-Wochenzeitung Kontext. Diese ist unter anderem ein Ergebnis der Enttäuschung über die teilweise miserable Berichterstattung der deutschen Presse – auch und gerade der lokalen – zum Problem der Milliardengrab-Planung von Stuttgart 21.

Der Artikel mit der provokanten Frage hat den vielleicht noch provokanteren Titel Sind Hauptschüler bessere Analytiker?“ Sehr lesenswert – und noch mehr: bedenkenswert!

Waisenkinder

Schutzlos alleingelassen mit dem Geist
der Kriegshandwerker trudeln wir
durch die Zeiten, verwaist, ohne Erbe
des gegenseitigen Verantwortlichseins,
wir Armen in unserem Reichtum,
wir Erbschleicher, die Armen beraubend,
alleingelassen mit uns selber, uns,
den das Wesen der Menschen Verachtenden.

Die Notarin Erde fordert uns
zum Termin der Entrechteten,
zur Anerkennung der angefallenen
Schulden, sie abzuzahlen,
das geraubte Gut wieder
zu teilen, das Erbarmen
anzunehmen, uns erbarmen zu dürfen
endlich.

Wegerich

Aktiv gegen Stuttgart 21

Aktiv gegen Stuttgart 21

Wegerich unentwegt
sieht die Wege Gehenden,
die Schwingenden
von Vergangenem
ins Zukünftige,
die Schwingenden
zwischen den Orten des Seins,
nachblickend
den sich Bewegenden,
den Bewegten,
die Wege
Kennenlernenden.
Es schwappt von einem Pol hin
zu dem andern.
Bewegung ist viel.
Kommt sie ans Ziel?

Wägend Vorteile
und Nachteile,
immer im Vorwärts
des Hin und Her.
Nichts bleibt
an dem Ort
des Wegerichs.
Die Waage,
wann pendelt sie
sich ein
auf den Ruhepunkt
der Gerechtigkeit?

Hat sie ein Gewicht?
Halten die geschundenen Füße
die Schmerzen aus
ohne die Labsal
vom Wegerich?

Ein Gedicht

Heute 11 gleichzeitig blühende
Blumenarten im Gärtchen:

Schlüsselblümchen,
Lungenkraut,
Veilchen,
Scharbockskraut,
Wiesenschaumkraut,
Hyazinthen,
Osterglocken,
Sommerknotenblume,
Silberblatt,
Anemonen,
Immergrün.

Gelb, violett, rosa, weiß und blau
im Grün.
Ein Gedicht!

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