Jeden Tag bis morgen
wurde und wird
es dunkler auf unserer Welt.
Aber dann,
ab der Wintersonnenwende,
können wir wieder,
ja, wieder,
neue Hoffnung finden:
Jeden Tag ab dann
wird es wieder,
ja, wieder,
an jedem Tag
ein bisschen heller.
Und feiern wir diesen Tag
wirklich
immer noch
oder wieder?
So groß scheint die Hoffnung
doch nicht zu sein.
Ein paar Tage danch erst
feiern wir
Jesu Geburt,
des großen Propheten,
mit allem Pomp.
Na, denn!
Kategorie: Neue Maier-Lyrik (Seite 1 von 15)
Nun will ich mich doch einstimmen
auf Advent. Die rote Kerze brennt,
die gelbe, grüne und die blaue schon bald,
Vorzeichen der Wintersonnwende.
Sie wurde schon vor Weihnachen gefeiert.
Ach, Weihnachten kommt ja danach,
die Geburt des Propheten Jesus.
Den feiern wir dann auch entsprechend groß.
Freuen wir uns jeden Tag neu,
solange wir noch leben können.
Denn morgen schon könnte die Bombe platzen.
*ein Achtundzwanziger
Gestern war die Wand des Albtraufs
vom Schurwald her fast nicht zu sehen.
So diesig und neblig auch war das Wetter.
Und auf dem Weg nach Esslingen runter,
mit dem Bus natürlich, war sie schon deutlicher.
So ähnlich wünschte ich es mir mit Gaza;
denn zur Gaza-Demo nach Stuttgart
war ich da schon unterwegs.
Eine Palästinenserin
sprach dort davon, dass eine
Lösung nur Sinn macht:
Eine Einstaatenlösung,
aber mit gleichen Rechten
für alle in Palästina und Israel.
*Ein Mischmasch aus einer Überschrift, die an die Zehn Gebote erinnern könnte, einem Janka, einem reziproken Achtundzwanziger, einm Tanka und einem Free Style-Element.
Ach, die Maserung auf der Tür
des Schreibtischs, den ich vom Opa hab‘.
Wunderbar: wie ein Kopf im Holz aufleuchtend?
Ich sehe ihn immer wieder an:
im Lichtschein ist er ganz deutlich.
*ein Janka
Driftet jetzt Amerika off Europa?
Müssen wir jetzt genau so „stark“ werden
wie Amerika?
Müssen wir jetzt genau so viel Geld ausgeben
fürs Militär
wie Amerika?
Müssen wir jetzt nicht mit Putin verhandeln?
Schlecht wird’s uns werden vor Stärke – oder?
Der Enkelsohn meiner Schwägerin und meines Vetters,
war bei uns zu Besuch,
konnte mit eineinhalb Jahren
noch kaum sprechen,
turnte aber fröhlich im Zimmer umher
und schien schon vieles zu verstehen,
was man ihm sagte.
.
Wie ist das mit mir?
Ich glaube, auch ich spreche immer weniger,
bin sozusagen maulfaul.
Gerne gab ich mich wohl deshalb
mit dem Jungen ab.
.
Ein „hm“ oder ein „oh“
genügt mir mitunter schon.
Sollen die andern doch raten,
was ich wirklich meine.
.
Aber Gedichte schreibe ich doch noch
ab und zu.
Und das ergibt für mich eine Frage:
Könnte der Kleine vielleich auch schon dichten?
.
Könnte es nicht sein,
dass er viel mehr Wörter
schon im Innern parat hat,
sie aber noch nicht auszusprechen
in der Lage ist?
Die Spinne vor meinem Fenster:
inzwischen ist sie fast Dauergast:
aus ihrem Netz hat sie zwei Fliegen verspeist.
Die Spinne hängt
vor meinem Fenster
am seidenen Faden.
.
Aber ist sie nicht auf Beute aus?
Und kommt nichts in ihre Fänge?
.
Grau ist der Himmel im Hintergrund.
Wie grau ist ihre Zukunft?
.
Sie bewegt sich praktisch nicht.
Nur baumelt sie ein bisschen im Wind.
.
Vom Netz sehe ich nichts.
Ich weiß so wenig von ihr.
.
Ich öffne das Fenster.
Husch, da ist sie verschwunden.
Hoch gestiegen ganz schnell.
Die Ahornblätter, jetzt auf dem Boden,
sie strahlen vielfarbenen Glanz aus
trotz scheußlichem Regenwetter.
Der Herbst kennt sich aus!
Er weiß, wie er‘s macht.
Und der Ahorn hilft ihm dabei.
So, wie ich die Kälte heuer
besser vertrage als am plötzlichen Sommerende,
so ergötze ich mich an den Farben der Blätter.
Und so bereitet der Herbst mich vor
auf den noch kälteren Winter,
der ja nun doch bald kommt.
Und dann mag ich das Grau und das Weiß.