Lyrisches von Helmut Maier

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Tschechisch-Unterricht auf dem Maier-Lyrik-Blog ;-) -Teil 6

„Der Bürger Havel“ ist der deutsche Titel eines Dokumentarfilms über den ersten Präsidenten der Tschechischen Republik. „Bürger“ ”“ das ist im Deutschen ein sehr problematischer Begriff:

”šobyvatel mesta”˜ kann es auf Tschechisch heißen: Stadtbewohner.

”šmeÅ¡ták”˜ ist offenbar der Bürger im Sinne des mit einem Privileg versehenen und es gegenüber anderen ausnützenden Bourgeois.

”šobcan”˜ ist der Bürger eines Gemeinwesens, der dadurch die Bürgerrechte genießt, aber sich auch für das Gemeinwesen verantwortlich fühlt.

In der Rede Václav Havels zum tschechisch-deutschen Verhältnis, gehalten am 17. Februar 1995 im Karolinum zu Prag, drückt er das, was mit dem ‚Bürger Havel‘ gemeint ist, in einer Passage aus, in der er deutlich macht, was geschieht, wenn man versucht ist, die „individuelle bürgerliche Verantwortung abzuschütteln“:

„Wieder ist es das gleiche: das Bedürfnis, den kommunistischen Kollektivismus durch einen nationalen Kollektivismus zu ersetzen, die eigene, individuelle bürgerliche Verantwortung abzuschütteln und in der Anonymität einer Meute unterzutauchen, die alle anbellt, die nicht dazu gehören, ist eine Spielart der Erscheinungen, die systematisch bekämpft gehören. Die zeitweilig auftretenden Zeichen unterbewußten Glaubens an eine unfehlbare Stimme des Blutes, des Schicksals, der Vorsehung und der Volksmythen sowie an ein Recht, das Unmögliche, das heißt eine Revision der Geschichte, die als eine Serie fortwährenden Unrechts an dem eigenen Stamm betrachtet wird, zu fordern, sie sind nur eine andere Variante desselben Irrglaubens.“

Der Titel des Films heißt also entsprechend „Obcan Havel“.

(Nebenbemerkung: Die Häkchen über manchen e’s und c’s fehlen leider, z.B. bei obcan und mesta)

Hindukusch

Gabriele (Ladyart) hat als Kommentar zu meinem Gedicht „Schrittmacherprobleme“ einen Kommentar geschrieben, zu dem ein Gedicht gehört, das sie hier eingestellt hat.

Ich möchte es Euch allen ans Herz legen, weil es so tiefe Einsichten in die Problematik des Hindukusch-Kriegs vermittelt.

Bedingungsloses Grundeinkommen – Erinnerung

Für alle, die mit Facebook einigermaßen vertraut sind, hier – bei der Pinnwand (mit einem youtube-Interview mit Susanne Wiest, die die Petition zum bedingungslosen Einkommen verfasst hat – Ihr erinnert Euch?):

Nachlesen kann man das ganze Interview hier: Interview mit Susanne Wiest


Noch ein Interview mit Susanne Wiest hier.

Poesie im Terzett

Mein Zeit-Los-Gedicht zusammen mit den Kommentargedichten von Curt und Barbara ist nun auch auf Giocandas Weblog als „Poesie im Terzett“ veröffentlicht.

Paul Spinger hat inzwischen aus dem Terzett ein Viererblatt gemacht und folgendes Gedicht als Kommentar zu meinem Zeit-Los-Gedicht beigetragen:

Zeitlos – das heißt ohne Mode,
Eine herrliche Methode
Um die Zeit dann zu genießen,
Lass die Zeit alleine fließen.

Und jetzt auch noch ein Teil zu einem fünfblättrigen Kleeblatt:
Hermann Josef Schmitz hat das beigetragen:

komm
reib dir den schlaf aus
den tag erfinde den blick neu
zähle wellenblätter
wechsle aus dem zahlenbuch
verschwinde im schmetterlingsblau
entrolle das meer

Zeit-Los

Zeit,
eine Erfindung
der realiter existierenden
Welt, der Anderswelt
erscheint sie kurios,
famos,
wenn man wechseln kann
von einer zur andern.

Kommentargedicht zu Rosadoras Gedicht Tag für Tag…

Kommentargedicht von Curt hierzu:

Zeit, losgelöst vom Raum,
man sagt, das gäb es kaum.
Ein Wechsel in den Dimensionen
scheint sich bestimmt zu lohnen.

Kommentargedicht von Barbara:

Zeit verrinnt
uns in der Hand.
Bestehen bleibt ein
unentwirrbares Geflecht
für den Verstand.
Er braucht viel Zeit,
um zu verstehen.
Erst, wenn er aufgibt,
ahnt er kosmisches Geschehen.

Offene Frage

BUNDESWEHR
TÖTET
ZIVILISTEN
IN AFGHANISTAN

BUNDESWEHR
TÖTET

BLEIBT NUR
DIE FRAGE:

SINGULAR ODER PLURAL?

Kommentargedicht von Paul Spinger:

Nachgefragt

Wer ist schon damit einverstanden,
Dass sie ihn wieder neu erfanden,
Den guten Krieg?
Noch traun sie sich nicht „Krieg“ zu sagen,
Wenn sie den Taliban erschlagen;
Ist das ein Sieg?

Dass die Soldaten Mörder sind,
Das wusste früher jedes Kind,
Und wieder klopf ich auf den Busch:
Ist es denn jetzt schon wieder Norm,
Dass Mann in einer Uniform,
Darf töten dort am Hindukusch?

Meinungsfreiheit, die zweite.

In einem windelweichen Artikel berichtet die EZ von vorgestern vom Rückgang der Krankmeldungen (so nenne ich sie). Gewiss, sie stellt schon im ersten großen Abschnitt die Frage: „Ist Job-Angst der Grund für den niedrigen Krankenstand?“ und lässt Annelie Buntenbach vom DGB entsprechend zu Wort kommen. Aber sie erklärt auch ganz objektiv, dass man das auch anders sehen könne: „Zum einen haben körperlich belastende Tätigkeiten an Bedeutung verloren. Zum anderen betreiben immer mehr Unternehmen eine aktive und systematische betriebliche Gesundheitsförderung.“, lässt sie den Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt sagen.
Wenn ich die Hauptschlagzeile oben auf der ersten Seite der EZ aber mit der der taz vom gleichen Tag vergleiche, werde ich fast wütend: Die EZ jubelt geradezu: „Krankenstand auf historischem Tief“, während die taz in ihrer unvergleichlichen Weise Position bezieht:

„Angst geht arbeiten.“

ALE, XA, BLA, BLA, BL-EIBE …

Wie hoffte ich,
dass meine Freundin bleibe,
doch hoffte ich vergebens,
sie musste weg ,
die Freundin meines Lebens:
die Eibe.

Zu nahe stand sie
an den Häusermauern;
der Zustand konnte so nicht dauern.
Sie musste weg,
und ich kann nur noch trauern.

Sie konnte böse Geister
nicht mehr bannen.
Nun ist sie weg,
ist nun von dannen.

La, la, li, laa, li, loo,
la, la, li, laa, li, laa, li, loo …

Heilendes

Ein krächzend Singen
wünsch ich mir.
Es zeige mir
den Sinn des Sehens,
wenn ich denn gar zu kindisch bin.
Die Trauer,
sei´s um mich,
sei es um Freunde,
wird helfen mir,
zur Klarheit der Vernunft
zu kommen
wieder.

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