Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 86 von 165)

Auf die Melodie von Moon River zu singen

Was weiß ich,
warum heute Nacht
ich immer nur gedacht:
Warum?
Warum immer
noch einmal schlimmer
es kommt als ich immer
gedacht habe.

Warum nur
lassen Menschen noch
sich das gefallen doch,
was ja
nur denen, ja
nur jenen alleine
behagen kann,
denen´s schon gut geht.

Die Mächt”˜gen
Warum haben sie
denn mehr Anrecht als die,
die doch
genauso eben
ein Recht auf Leben
besitzen und gerne
dies Recht auch genießen.

Die Sehnsucht
bleibt wohl immer mir,
dass endlich einmal wir
bestimmt
ganz solidarisch
und exemplarisch
gemeinsam den Wohlstand
in Frieden genießen.

Was weiß ich,
warum heute Nacht
ich immer nur gedacht:
Warum
es das immer
im Morgenschimmer
nicht endlich doch geben kann
und das für Frau und Mann,
für Frau genau wie Mann. (für diese letzte Zeile selber eine Melodie finden!)

Über den nächsten Tag hinaus

Über den nächsten Tag hinaus
kann ich denken,
kann fühlen,
wie ich mich fühle
nächste Woche
beim einhundertfünfzigsten Mal
Montagsdemo für K 21,
freue mich jetzt schon
auf Weihnachten.
Warum aber
fällt es uns so schwer,
über den kommenden Winter
hinaus zu denken?
Erinnert er uns
zu sehr
an unseren Tod?
Und wir glauben
wirklich
an die Auferstehung,
die wir erleben
jedes Jahr
aufs Neue?

Spätherbstgenugtuung*

Noch blüht in Spätherbsts Lenzenpracht
kurz nach dem Neumond im November
das Birkengold ringsum, kann Grau bezwingen.

Sie trägt das Gold zum schwarzen Nächtehimmel
hinauf , der Nacht selber entstiegen:
verheißungsvolle Mondsichel.

*ein reziproker Achtundzwanziger

Alternativlos?

Ohne Virgeln
ganz eben schmirgeln
die Höcker und Buckel;
ganz Harmonie, ganz Nuckel
sich gönnen, sich geben:
ein genussvolles Leben.

Mir würde das nicht behagen,
denn so ein Betragen
wäre für mich ein Versagen;
krank wäre mein Magen.
Was alles verschwände
und wäre am Ende
nur lästig, verächtlich
und wäre beträchtlich
unnütz, gefährlich
für die, die nicht ehrlich
der Sache sich stellen?

Vorsicht vor Hunden,
die alle verbellen.
Müssen wir nicht
auch denen uns stellen,
die viele Stunden
stochern in Wunden
und Finstres erhellen?

Nicht jeder Fremde ist Dieb.
Habt ihr die Mäkler nicht lieb?

Dichters Beschwerden*

Das Wortlos zu tragen:
Es macht sich so breit,
das Wort, will gesehen werden,
geschaffen, benützt.

Wortlosigkeit will es nicht dulden.
Schwer ist es
das Wortlos zu tragen,
wortlos nicht sein zu dürfen.

Was aber,
wenn Sprachlosigkeit gar gezeugt wird
durch Unglaubliches?
Dann noch Worte finden,
ist es nicht aussichtslos?


*nach einer Idee/Frage (WORTLOS …) von Petros/Lüricker Wolfgang Schulze auf facebook

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