Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 66 von 165)

Still-Leben

Still-Leben. Haha!
Propagandaworte
verstopfen die poetischen Poren.
Stillstand der Gedanken
und der Gefühle.
Bis der Kessel platzt
eines Tages.
Westbank und Gaza
sind auch Metaphern
für Unglaubliches,
menschenunwürdiges Verharren
im Zustopfen
des Notwendigen,
Not Wendenden
für weiteres Leben.

Was ist menschlich?
Was allzumenschlich
Egozentrisches,
nur aufs Überleben gerichtet
der nächsten 12 Stunden,
egal, wie es dann
weitergeht,
in welchem Desaster
für wen?

Irrwege

Wir verbergen das gebärende Dunkel.
Wir verbergen’s im gleißenden Licht.
Dieses Licht wird unheimlich stumpf.

Stumpfer und stumpfer unsere Gefühle.
Abgestumpft für das quirlige Sein.
Aufgeklärt wird da weniges.

Wir ersticken das Leben doch
in der Überfülle von Füllseln,
billig ja zu haben auf der Markthalde.

Diese Markthalde erstickt uns,
so dass wir luftschnappend abheben,
den Boden unter den Füßen verlieren.

Und gerade die, welche technisch erobern
die Tiefen aus Macht- und aus Geldgier,
haben ihn längst schon verloren.

Unumkehrbare Bosheit

Unumkehrbar zu machen
versuchen sie
den Unfug der Tunnelausfahrt
aus dem künftigen Kellerbahnhof
in Stuttgart
hinauf auf die Fildern.
Dazu ist ihnen gerade gut genug
der Vize-Ministerpräsident
von der SP21
und seine Frau,
die da waltet
als Tunnelpatin
bei dem Tunnel-tam-tam
„Tunneltaufe“
beim Fasanenhof Stuttgarts.
Gerade gut genug
sind ihnen auch alle die andern
Fasanen.
Im Namen des Herren
und seiner Knechte
sind sie versammelt
und auch geschützt
durch viele, viele Polizisten
gegen die wildwütenden
Demonstrantinnen und Demonstranten,
die böse Lieder singen
und böse Transparente herzeigen.
Wie gefährlich sie sind!
Ach, was haben sie Angst,
all die Knechte,
die knechten
die Demokratie,
die sie zum Taumelspiel gemacht haben
der Gier nach Geld, Ehre und Macht,
bis sie vollends
kaputtgemacht haben
das Vernünftige.
Und das wird sie nicht kümmern.

Schwäbisches Haiku

Isch’s Wädder so schee,
wia’s geschdern gwea isch, noh hoißt’s:
Ha, jetzt nix wia naus!

Das schöne Wetter haben wir uns bewahrt, indem wir nach Oberfranken gefahren sind, wo wir auf der Klosterwiese vor Kloster Banz „Songs an einem Sommer(nachmittag bzw.)abend unter vielen anderen mit Bodo Wartke, Reinhard Mey, Hannes Wader und Konstantin Wecker angehört haben ”“ ein grandioses Lieder-Fest!
(Auf der Heimfahrt gab’s dann allerdings Sturm und Starkregen)

Einhundert Jahre seit 1914


Drüber gewachsen?
Das Gras und die Blumen.
Wo sind sie geblieben
nach einhundert Jahren?
Der Brautstrauß,
nichts zeigt er mehr davon,
wenn des Urgroßvaters
nicht mehr gedacht wird,
des Kriegszitterers.

Posttraumatisch ist nur
das kollektive Gedächtnis
und es schreit nach Gewalt,
ach ja:
nur um einzudämmen Gewalt
mit neuem Krieg.

Ein Schlimmerick

Ein Prominenter, der war mal auf Sylt,
gewiss, dass er dort etwas gült;
doch wie viel von dem Sand am Strand,
ist er auch sehr bekannt,
wird wohl auch er bald schon weggespült.

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