Erzwungenes Gedenken.
Wenn auch nur eine Minute lang.
Diese Ewigkeit wenigstens
erlaubt keine Spielchen.
Sonst dominieren sie ja
unser Verhalten.
Und es werden immer mehr
Tote im Mittelmeer werden;
oder wo dann auch immer.
Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 59 von 165)
Der Scheinwerfer traf meinen Blick,
grade als beim Konzert Dota sang
den Text: „Komm, lass dich blenden; lass dich blenden!“
*ein Achtundzwanziger
Das Kirschblütenmeer
am Abhang zum Schnaiter Tal:
Neues Ergötzen.
Ein Kohlweißling fliegt
durch die Szene.
Der Schatten der Birke
liegt malerisch
über dem Frühjahrsbildnis,
übersät von blütenreichen
Fruchtbarkeitsversprechen.
Denen würde ich glauben,
wäre es ein Zitrronenfalter gewesen.
Doch auch dem blauen Himmel
glaube ich nicht.
Schon ziehen Wolken
über meine ungewissen
Visionen.
Es gibt ja so viele
verdüsternde Meldungen.
Und sie passen so gut
zu den Toden,
welche die Geschichte
unwiederbringlich
repräsentieren.
Der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, ist für eine schnelle Arbeitsmarktöffnung für Asylbewerber. … Unvermeidbar ist nach seiner Meinung die Wiedereinführung von Studiengebühren. (https://www.deutschlandradiokultur.de/oekonom-michael-huether-arbeitsmarkt-fuer-asylbewerber.990.de.html?dram%3Aarticle_id=316668)
Ja, ein Neoliberaler!
Ganz einfach ein Scheißliberaler?
So liberal hier; so chauvinistisch dort.
Wenn’s ihn nur nichts kostet: „Da kann man
sicherlich eine Menge machen“
Die Verlässlichkeit der Natur,
die Glaubwürdigkeit der Politik:
Warum treiben sie so weit auseinander?
*ein Achtundzwanziger
Ach, wären wir vogelfrei,
frei wie die Vögel,
ungebunden und zwitschernd;
nicht in Paragraphen gezwängt,
die ungerechtfertigten,
mit ihren Fußfesseln gefangen,
in Käfige gesperrt,
ausgeliefert den Häschern
der Werbekampagnen,
eingeliefert in die Mauern
des öffentlich zugelassenen
Wohlverhaltens.
Aber sind wir nicht frei geboren,
sind frei, nicht in Ketten
der Sklaverei?
Leibeigene sind wir nicht,
Grenzen brauchen wir nicht
zu überwinden;
die Welt steht uns offen;
Freizügigkeit ist unser Recht.
Ja, wir sind frei,
vogelfrei sind wir,
preisgegeben sind wir
dem Nichtgehörtwerden,
der Bedeutungslosigkeit
in einer Welt, wo es keinen kümmert,
ob wir Frieden wollen,
Gewaltfreiheit, Nächstenliebe.
Die uns die vorwerfen,
sind Konkurrenten der Herrschenden,
die sie nur als solche bekämpfen,
nicht weil sie andere Werte
hochhalten und ehren.
Waffen und Geld
regieren die Welt.
Schnell abgeschossen
ist da ein Vögelchen,
das ja gar nichts bedeutet.
Regenwetter beim Ostermarsch.
Seifenblasengestöber als Trotz.
Und der Magnolienbaum blüht auf dem Schlossplatz.
*ein Achtundzwanziger
Wieder aus Magdeburg zurück.
Den Gefahren des Sturms entronnen.
Ich bin zu neuerlichem Kontakt bereit.
*ein Achtundzwanziger
Wie die Trauer bewältigen
oder die Ohnmacht
oder die geschwätzige Hilflosigkeit
oder die Beunruhigung,
den Zweifel an der Allmacht der Technik,
an der Sicherheit vor dem Unglück,
daran, wie man’s wohl recht macht:
wenig Nachrichten-Schwall,
viele Beruhigungsversuche
oder einfach verstummen?
Herzlosigkeit
verdrängt die Schreie
nach Veränderung,
nach dem Aufwachen
der Verantwortlichen,
nach Möglichkeiten
für mehr Sorgfalt,
weniger Sorglosigkeit,
weniger Unbedachtheit,
weniger blindes Vertrauen,
mehr Verantwortlichkeit,
mehr Erbarmen.