Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 50 von 165)

So einer

Er nennt sie „Verdammte“,
Gegenspieler der Friedensstifter,
Heuchler, die von Frieden sprechen
und dabei mit Waffen handeln.

Er ist der erste
seines Namens
in seinem Amt.
Er nennt sich
wie jener Heilige,
der die Stimme hörte:
„Warum dienst du dem Knecht statt dem Herrn?“
Warum dienen jene dem Mammon
statt der Humanitas?

Er fragt sie so etwas heute.
Und oh Wunder,
er ist ein Papst.
Hat man je einen
so predigen hören?

Zukunftserwartung

Was für Reformen
haben wir noch zu befürchten
in dem neuen Jahr?

Und wie viele von denen,
die man aus Polen meldet?

Wie die EZ sie uns anzeigt,
die ganz unbedarft titelt
(oder vielleicht ganz bewusst?):

„Polnisches Parlament
beschließt Medienreform“

Reform?
Unwort dieses und kommendes Jahr?

Zu hochprozentig

Sechsundfünfzig Prozent.
Zu hochprozentig!
Trotz Magenerweiterung
wegen der zu fetten Weihnachtszeit!
Da wird einem übel!
Das schlägt auf den Magen,
die Leber, die Niere!
Mehr als 20 Prozent,
mehr dürft‘ es nicht sein.
Denn sonst wird es ja
eine Sucht!
Eine Großmanns-Sucht!
Sechsundfünfzig Prozent
(warum nicht gleich sechzig?)
für eine Vergrößerung
der deutschen Armee,
weil wir ja überall
mit dabeisein müssen
und nach all den vielen Festlichkeiten
nicht wirklich an Schlimmes
noch denken!

Wieder ist Wintersonnwende

So kurz, dieser sehr kurze Tag,
und dann noch wolkenverhangen,
regenschauerbegleitet,
Blau nur in Streifen geschnitten
am Rand dieser Wende.

Der Tag noch zuvor
hat diesem die Schau fast gestohlen:
So auch kann es ausseh’n
mit Sonne und Wärme,
welche die Kälte ins Tal verbannt:
der Tag, der uns aufklärt:
so schlecht ist sie nicht,
die dunkelste Zeit.

Die längste Nacht erwart‘ ich
nun doch mit Behagen,
trau es ihr zu,
dass sie heilt und kräftigt
und auf das Wachsende vorbereitet,
das auf uns zukommt,
uns fordert.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑