Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 49 von 165)

Schriftsteller-Magie

Ich schneide mir etwas ab
vom Kuchen der Realität,
unterscheide das Brauchbare
vom Unnützen, vom Banalen.
Ich wähle aus,
ich wähle.

Was ich mit meiner Wahl treffe,
erhebt einen Anspruch
auf Geltung
über die Mehrheit hinaus.

Wahrheit ist etwas
Ausgesondertes,
etwas Gekröntes,
Auserkorenes,
ein Diamant:
schneidend den härtesten Stahl.

Freiheit,
geistiges Sich-Erheben,
nicht über andere,
nein, schwebend
und leicht:
sie fliegt als Same
am Fallschirmchen
hinaus
auf der Suche
nach fruchtbarem Land
um zu wurzeln.

Was man oft im Wahlkampf ertragen muss

Aber aber,
was ein Gelaber,
wenn Reden verschleiert,
wenn Antwort rumeiert.
Wenn im Wunsch zu gewinnen
die Worte gerinnen,
statt einfach zu äußern,
was innen bleiben nicht kann,
weil’s in verschlossenen Häusern
verfehlt das Ohr von der Frau und dem Mann,
die es hören doch müssten.

Verrat

Am ehrlichsten
Verrat.
Außer
wenn ich mich selbst
verrate
und auch liebe Menschen.

Das eine Mal
Aufbegehren,
Widerständigkeit,
Aufopferung.
Zum andern
Rettung suchen
im Untergehen.

Treue,
welch ein Unwort,
wenn ich gehorsam bin
dem Unrecht!

Treue,
welch letztes Vertrauen
in den Sinn
meiner Überzeugungen,
auch im Scheitern
(wie es die Welt sieht)!

Qual-Wahl-Qual

Qual-Wahl-Qual
Qual-Wahl-Qual
Qual-Wahl-Qual
Aalglatt Glattaal
MerzMärz
Schwermut
Schwerer Mut
Den richtigen Link setzen
Links Links Links Links
gegen Kommerz
Komm Merz
Komm März
Oder bleib wo
Oder bleib wo
Bleib wo der Teufel schon bleibt
Bleib wo der Teufel schon bleibt
in Vergessenheit
Vergessen
vergessen
vergessen
vergessen

oder doch links?
(aber dann wirklich links)

Vorgestern*

Orangegolden der Horizont
mit wolkenfreiem Himmelsstreifen.
Vom Wolkenrand lösen sich schon Leuchttupfer.

Fliehend reißen sie Orangefarbe mit sich.
Hoffnungsfroher Kontrast zum Wolkendunkel.

*ein Janka

Unsere Aufgabe

Den Weg finden
durch das Dickicht der Dornen.
Jeder Gefährte
ein Prinz.
Jedem Gefährten die Kraft
den Mächten der Zwölf
das Prinzip
der mütterlichen Dreizehn
entgegenzusetzen.
Jede Gefährtin
eine Prinzessin.
Denn auch verwunschene Prinzen
harren der Erlösung
durch einen Kuss,
wie wir wissen.

Schwerstarbeit ist es,
kühner Entwürfe bedarf es,
Überwindung von Vorurteilen:
„Wir schaffen es nicht“,
„Wir gehen unter im Gestrüpp
der Anforderungen“,
„Wir ekeln uns vor dem Fremden“,
„Wir wollen in Ruhe gelassen werden.
(weil wir womöglich unserer selbst
gar nicht sicher mehr sind;
woher sollen den Mut wir denn nehmen,
uns in den sicheren Tod
stürzen zu wollen;
schlagen wir lieber zurück gegen das,
was uns als Zumutung begegnet,
als nicht überwindbar in Güte
und in Vertrauen)“.

Nicht einer einzigen Prinzessin,
die uns führen will,
nicht einem einzigen Führer
dürfen wir folgen,
nein, unsrer gemeinsamen
neuen Erkenntnis,
dass wir die dreizehnte Fee
nicht mehr bekämpfen müssen,
nicht dürfen,
nicht wollen:
dass wir auch nicht
regelverändernde Weisen
als schrill mehr verachten,
sondern in neue Harmonien
uns lernen zu finden
und sie genießen.

Dann wirklich
los geht es jetzt!

Imbolc/Lichtmess

Das Licht hat gezeigt:
es wird siegen.
Es wird kein Sieg sein
für immer.
Wir werden das weiterwachsende Licht
fröhlich genießen.
Wir werden es preisen;
wir werden es feiern,
wohl in dem Wissen,
dass das Dunkel
zum Kreislauf gehört
und es wiederkommt,
um dem Winter zu ermöglichen,
die Frosttemperaturen
endlich hervorzubringen,
die manche Samen
auch nächstes Jahr wieder
befähigen fruchtbar zu keimen
für einen neuen Kreislauf
des Lebens.

Frau Luna

Wie ich sie liebe,
die wandlungsfähige,
berechenbare, treue
Frau Luna.

Wie sie mich entzückt
mit ihrem Licht,
seiden, geschmeidig,
ein Geschmeide
der ruhebringenden Nacht.

Die volle Rundung,
nicht immer zu haben,
liebe ich,
ihren schwangeren Bauch,
ihre Sicheln,
die Verheißung schneiden
in das Tableau
der schwarzblauen Tiefe.

Sie verhüllt sich
hin und wieder,
trägt dann einen Schleier,
der ihre Schönheit betont,
und strahlt schließlich
mit einem Gesicht voller Glück.
Und sie will es auch teilen.

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