Mit Blessuren die Zeit leben.
Wie erfreulich, wenn es sich ergibt,
dass eine Ärztin zur rechten Zeit da ist.
*ein Achtundzwanziger
Lyrisches von Helmut Maier
Mit Blessuren die Zeit leben.
Wie erfreulich, wenn es sich ergibt,
dass eine Ärztin zur rechten Zeit da ist.
*ein Achtundzwanziger
So schön der Tag auf der Mainau:
Ein Himmel sich drein zu verlieren.
Blumenparadies im gräflichen Garten.
*ein Achtundzwanziger
Buschbetupfte,
ansonsten kahle
Felsflächen an der Küste.
Himmelblau untertupfte
Wolkenflächen
am Firmament.
Lilagetupfte Seelenseiten
hinter dem rosigen Lächeln
davor.
Unser erster Abend in Paleochora:
Gutes Essen und wunderbare Musik
in der Taverne „Samari’a“
in altehrwürdigen Mauern
unter freiem Himmel:
Zwei kretische Musiker spielen auf:
Griechische, kretische Stücke:
Instrumentales und Gesänge.
Ich kenn‘ mich da ja gar nicht aus.
(Petros könnte da
Auskunft geben, nehme ich an)
Für mich klingt alles geradezu orientalisch.
Selbst noch, als später amerikanische Protestlieder
aus der Vietnam-Zeit erklingen
und nostalgische Schlager:
Ein Schiff wird kommen.
Theodorakis klingt für mich überall durch.
Viele Jahrtausende höre ich
in den Tönen und Harmonien
aus den Zeiten
seit der ersten Hochkultur in Europa:
der „Donauzivilisation“,
deren Erbe die Minoer schon
angetreten hatten.
Vom Griechischen verstehe ich
leider kein Wort.
Ich fühle nur Inbrunst und Leidenschaft.
Ich lasse mich fallen
und lausche
und schwelge.
Eine Schwalbe. Hier
muss sie den Sommer
nicht mehr machen.
Oder ist das hier
doch erst Frühling?
Fliegt die Schwalbe noch
zu uns nach Hause?
Im Schatten der Tamariske.
Wohlig im Weh. Wehenden Windes.
Blau ist das Meer mit weißen Krönchen darauf.
*ein Achtundzwanziger
Ist viel-leicht
ein anderes Wort für Urlaub?
Und viel-schwer
eines für den Alltag?
Oder umgekehrt?
Wobei werden wir
uns bewusst,
wie schwierig die Welt
sich darstellt?
Angesichts der Toten im Meer
nicht so weit südlich von uns,
von denen wir nicht nur lesen,
sondern die sich uns aufdrängen,
wenn an die Ursachen wir denken
unseres Wohlstands?
Mit dem Freund im Kafeneion.
Im fremden Land Freundschaft zu pflegen:
wahrlich eine nicht alltägliche Chance.
*ein Achtundzwanziger
Dem Freunde möchte ich wünschen:
Das Orangenbäumchen im Garten,
das frisch gepflanzte: möge es gedeihen.
Überstehen soll es den Sturm.
Und auch nicht minder den Winter.
*ein Janka
Holunderblüten
komplettieren am Himmel
die Wolkenbilder.
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