Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 34 von 165)

First they take Manhattan

Die das Menetekel von Manhattan
nicht hören wollten,
sie sprechen dauernd von Terrorismus
und verschleiern den,
welchen der Markt verübt,
der unsere Natur zerstört,
unsere friedlichen Widerstandskräfte
gegen die Konsumzwänge,
unser Aufmucken
gegen die Gehirnwäsche,
dass Opposition
Extremismus sei
und nicht vereinbar mit freiheitlicher Demokratie,
wenn sie die neue Interpretation von Freiheit:
„neo, neo, neo“ – Bindestrich, Bindestrich, Bindestrich
als Usurpation entlarvt,
welche Sklaven als freie Wähler,
als Kanonenfutter der Alternative für den Demos
verkauft.

Griechenland, du hattest es einmal besser.
Du warst es einmal,
wo die Wiege gestanden haben soll
des abendländischen Geistes,
zu dem genau besehen
das Sklaventum doch schon gehörte.

Wo die Donauwellen
nach langer Reise
schlagen an den Strand,
was für eine Freiheit da wohl schon herrschte
– und für wen? –
lange zuvor?

Sein wie die Träumenden

Der Traum es den Vögeln gleich zu tun.
Nicht die Froschperspektive
siegen zu lassen.
Alle die Schlechtigkeiten da unten
vergessen zu können
und nur noch
das Pittoreske des Untenliegenden
wahrnehmen zu dürfen

Versenkung

Den Blätterfall verfolgen
im Herbstsekunden-Takt,
wie sich ein neuer Teppich bildet,
dem Herbst gemäß den grünen Rasen deckt.

Ich falle in den Taumel dieser Wandlung,
erkenne, dass der blaue Himmel
viel Kälte noch her vom All
in unsre Tage fallen lassen wird.

Der nächste Teppich, der wird weiß.
Er lässt dann alles ruhen.
Die Ruhe vor dem neuen Werden.
Werd‘ ich auch dieses noch erleben?

Gestern im Herbst

Gestern im Herbst*

Noch leuchtet Sommersonnengold
auf vielen Zweigen aufgespeichert
kontrastreich in den Nebeln des Novembers,

soweit die Blätter nicht Teppiche bilden,
drüber schon Astgerippe wachen.

*ein Janka

Hanf-Senryu (und weitere Informationen etymologischer und europageschichtlicher Art))

Mein neuestes Hemd:
zu fünfundfünfzig Prozent
besteht es aus Hanf.

– – – – –

Kommt der Hanf – zumindest das Wort – von hier?:

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Aus dem Etymologie-Duden erfahren wir: Das Wort Hanf „stammt aus einer unbekannten ost – oder südosteuropäischen Sprache“ – mit dem hilflosen Zusatz „vielleicht aus dem Skytischen“.

Harald Haarmann zeigt in seinem Buch „Das Rätsel der Donauzivilisation. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas“, dass es Wörter im Altgriechischen gibt (häufig Wörter, die wir als Fremd- oder Lehnwörter – meist über das Lateinische – auch in unserer deutschen Sprache übernommen haben), die es in a n d e r e n indoeuropäischen Sprachen n i c h t gab. Sie müssen wohl aus der im Etymologie-Duden genannten „unbekannten“ Sprache stammen – eben aus einer Sprache jener Donauzivilisation.

Herrschaft*

So sehr überzeugend wie er,
der moderne Kapitalismus,
verschleiert kaum etwas Herrschaftsdurchsetzung.

Drum ist’s ja so leicht für die Herrschenden,
Wut auf andere Herrschenden zu lenken.

*ein Janka

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