Lyrisches von Helmut Maier

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Programmierer

Programmierer
wäre ich so gern.
Ich würde mir die beste Software
programmieren
und keinen Error würd´ ich nun mehr
produzieren.
Nur mehr die Userin, der User
würde profitieren.
Und gar kein Multi und kein Medienstaat
würd´ mich noch länger
manipulieren.

Ach, liebe Programmierer,
vereinigt euch
und programmiert
nur noch von solchen Sachen
und weigert euch,
was anderes zu machen.

Programmiert doch endlich
den nicht mehr auszuspionierenden
Diskurs.
Programmiert
den jeweils neuesten Konsens,
der keinen in den Löchern
des Rechthabens noch sitzen lässt
und keinen im Verdruss,
dass er sich übers Ohr barbiert
doch fühlen muss.
Programmiert
den Friedenswillen,
der nicht scheinbar ganz humanitär
den Waffeneinsatz letztlich
zum Zugang zu Ressourcen
durchsetzen will.
Programmiert doch endlich
dergestalte Kleinwaffen-Kaliber,
die Menschen absichtlich verfehlen,
weil sie sie erkennen
als Weichziele,
die sehr verletzlich sind.
Ach, programmiert uns endlich doch
den Frieden.

Ach ja,
ich wär so gern
ein Programmierer dann.

Die Klippen von Moher

Aphroditisch steigen Klippen aus dem Meer.
Schaumgeboren aus Atlantikwellen.
Um Möwenzinnen lagert Marinblau.
Eisengold in den Felsen glänzt so verlockend.
Grasbüschelweiden für Schafe
grünen über steinernem Elefantenrüssel.
Der säuft Vergessenswasser aus den Tiefen.
Schreiende Vögel umkreisen
Europas Unschuldsgesicht.

Geflochtenes

Hände aus Wildgräsern,
geflochten mit der Liebe
des Bewahrens,
mit Mustern geschmückt
des Begreifens,
im Begehren des Veränderns
gebraucht:
Körbe des Sammelns.

Heiße Steine,
im Feuer bewährt,
das Wasser der Weisheit zu erhitzen,
tragt ihr
und keinen Tropfen
des Wissens um das Wichtige
verliert ihr.

Die Göttin, die ihr war´t,
kalifornische Ahninnen
und europäische Urmütter,
als ihr die Intuition gebart,
gepriesen sei sie
mit allen Mündern
und Händen.

Auf den 2. Januar 2007

Recht kräftig doch behauptet sich
nicht erst seit heut´ das neue Jahr.
Zu stürzen braucht es
das alte nicht.
Bereits am zweiten Tag
hat es schon festen Stand.

Geschäftigkeit hat jede Straße
ganz neu erobert.
Jetzt gilt es wieder.
Auf, es kann nun werden.

Hat nicht die Sonnwend´ längst gezaubert
und kürzer uns die Nächte werden lassen?
Noch länger ist´s
seit Samhain´s Aufbruch in das Raue
mit einem Nachtmahl für die Andersgäste
aus dem Land des Änderns.
Und Weihnacht war. Geburt wurd´ da gefeiert
von neuem Heil, von neuem Werden.

Und nun ein neues Jahr.
So ganz von ungefähr,
da wandern meine Blicke
beim Gang durchs Dorf
auf alte Schwalbennester,
die da noch hängen vom vergangnen Sommer.

Sie sind bereit für neue Gäste.
Sie laden ein noch vor des Winters erstem Schnee,
den ja der Schwalben Flug
im vorhinein im letzten Jahr geflohen
in ihrer Weisheit sich das Leben
zu bewahren.

Frau Percht, die holde Holle,
sie kommt in diesem Winter spät.
Wir müssen aber ihrer Härte
gewiss gewärtig sein.
Wir müssen uns gedulden lernen, wenn
noch kalte Winternächte kommen
und ratlos wir dann tasten nur und suchen,
bevor wir endlich
Frühjahrs Milde ganz genießen.

Saddams Tod

Saddam, der Scheißkerl, ist tot.
Wie viele Tote hatt‘ er auf dem Gewissen?
Warum sollte ich trauern,
wenn nicht nur um die Toten?

Saddam, der Scheißkerl, ist tot.
Und wie viele Scheißkerle leben,
wie man so sagt,
in Ehren?

Die Saddam auf dem Gewissen hatte,
wer war an ihrem Tod
noch beteiligt?
Waren’s nicht Ehrenmänner,
die so viele Tode
verantworteten?

Saddam, der Scheißkerl, ist tot.
Und ich sollte trauern?

Die Saddam auf dem Gewissen haben,
sind sie nicht Ehrenmänner,
mit dem Tode verschwägert?

Dass Ehrenmänner dem Tod so vertraut sind,
dass sie ihn wieder und wieder
mästen,
darum trauere ich.

Gebet an die Göttin

Ruach, Du göttliche Weite,
Du Leben Gebärende,
die Du uns in die Weite der Welt geboren hast,
sei Du der Raum, in dem wir wirken,
die Luft, in der wir leben und weben,
der Atem, der uns mit der Luft der Welt verbindet,
dem Hauch des Ewigen,
dem Kreis des Wiederkehrenden,
der Sicherheit des Wiederkommenden.

In der Mondin erkennen wir Dich,
im Sonnenschein spüren wir Dich,
im Kreislauf der Jahreszeiten erfahren wir Dich
und leben von Dir
und hoffen auf Deine Beständigkeit
und bewähren die Kraft Deines Wesens
in unserem Leben.

Aufbruch

Verstaubte Schleier
über dem vergessenen Gestern:
weggeweht endlich?
Oder ist die Dreckkruste
dazu zu dick?

In dunkle Löcher fällt manchmal
vergangene Zeit.
Oder sie leuchtet
auch in das Morgen.
Janusgesichtig verankert
und frei.

Sandstürme des Vergessens
tilgen die Spuren der Wohltat
und lassen gutes Neues
nicht sprießen.

Nur das Erinnern
an die Helle vergangener Tage
macht aus dem Morgengrauen
den neuen Tag schon.

Und nur das Erinnern an
vergangenes Grauen
lässt vermeiden
das Böse.

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