Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 158 von 165)

Wintersonnwend-Trilogie

Wandel

Weniger wurden die Tage
des schwindenden Lichts.

Die Sanftheit des Dunkels,
die Wonne des Winterschlafs
wird schon gemindert.

Ein Neues wird kommen.
Genommen wird und gegeben.

Trauer ist ja ein Teil
jedes Wandels.

Auftakt

Ein Keil in die Nacht geschlagen.
Hammerschläge verhallen.
Stille breitet sich aus.
Lichtfunke glüht.
Frost regiert noch ein Weilchen.
Das wärmende Feuer:
Wir entfachen´s.

Nüchternwerdung nach dem Feiertagsrausch

Wenn nun die Nächte kürzer wieder werden,
so raffe ich mich auf und sage
dem Winterschlaf Ade,

wenn jeden Tag uns von Natur aus schon
mehr Raum im Licht für Tätigkeiten bleibt,
so wie die Alten sagten:
„zu Nutz und Frommen“:

wenn Nützliches gleich Angenehmes heißt:
nicht noch mehr Dividende,
die nicht mehr als geteilt,
die als gerafft, geraubt zu gelten hat,
nein, dass ich vom Gemeinbesitz der Menschen
weltweit das, was mir zugeteilt, annehmen kann,

dass meine inn´re Würde drunter nicht leidet.
Ruhmreiche Schande wünsche ich mir nicht.

Geburtstag kurz vor der Wintersonnenwende

Geschrieben anlässlich von zwei an diesem Wochenende zu feiernden Geburtstagen:

Geboren in der Zeit,
da immer noch die Tage
kürzer werden,
wo immer noch
die sanfte Dunkelheit regiert
bis über jenen Tag hinaus,
wo sich das Blatt dann
wieder wendet,
wo jeden Tag
mehr Raum im Licht
für Tätigkeiten bleibt.

So tief gegründet und
herausgefordert auch,
bald jenem Drang zu folgen,
dass mehr und mehr
das Tun dem Ruhen,
ja, das Vorwärtsdrängen
dem Bleiben in dem
tief Gesicherten
davonzulaufen scheint.

Doch ist gewiss,
dass dieses Eilen
nicht endlos geht,
dass Ruhe kommt
im Kreislauf eines Lebens
und wieder Aufbruch
in ein Neues
und dankbar jede Jahres-
und Lebenszeit
genossen, zumindest aber
angenommen werden darf.

So feierst Du Geburtstag heute
und weißt, es ist ein Geben
und ein Nehmen,
das Dir bestimmt und dem
Du auch entgegengehen kannst,
wenn Du des Kreislaufs Deines Webens
völlig Dir bewusst.

Im Strom der Zeit

Weicher, weißer Schnee,
gleißende Brücke
zum wiederkehrenden Glück.
Mantel des ruhenden Dunkels.

Frau Holle zwinkert
dem Verstehen zu,
dass Weiß und Schwarz eins ist
im Kosmos des Zirkels.

Wintersonnwende Nr.3

Nüchternwerdung nach dem Feiertagsrausch

Wenn nun die Nächte kürzer wieder werden,
so raffe ich mich auf und sage
dem Winterschlaf Ade,

wenn jeden Tag uns von Natur aus schon
mehr Raum im Licht für Tätigkeiten bleibt,
so wie die Alten sagten:
„zu Nutz und Frommen“:

wenn Nützliches gleich Angenehmes heißt:
nicht noch mehr Dividende,
die nicht mehr als geteilt,
die als gerafft, geraubt zu gelten hat,
nein, dass ich vom Gemeinbesitz der Menschen
weltweit das, was mir zugeteilt, annehmen kann,

dass meine inn´re Würde drunter nicht leidet.
Ruhmreiche Schande wünsche ich mir nicht.

Wintersonnwende Nr.2: Auftakt

An den Kommentaren zu meinem ersten Gedicht der Wintersonnwend-Trilogie habe ich gesehen, dass meine Betonung der Sanftheit der Nacht den Licht-Freundinnen und -Freunden Einiges zumutet. So ähnlich, vermute ich, wird es mir mit dem folgenden Gedicht in Bezug auf das Fehlen der Sanftheit gehen, wenn ich den Thor-Hammer niedersausen lasse. Hat der mit Gewalttätigkeit zu tun oder einfach mit etwas Gewaltigem? Das überlasse ich ganz meinen Leserinnen und Lesern ”“ außer dass ich hinzufüge, dass das kretische Gegenstück dazu, die Doppelaxt in späterer Zeit (auch schon des vorchristlichen Kreta) durchaus als patriarchales Machtsymbol verstanden wurde oder wenigstens werden konnte, wahrscheinlich aber in der Ursprungsbedeutung die Wandlungsfähigkeit des Schmetterlings vom Ei über Raupe und Verpuppung hin zur Prachtentfaltung des Falters symbolisierte. Und wenn man den Hammer Thors als Blitz versteht, dann hat der nicht nur den Menschen das Feuer geschenkt, ohne das Menschsein nicht denkbar wäre – wer liest hier zwischen den Zeilen meine Liebe für Licht und Wärme? – , sondern er bringt auch Dünger für das Sprießen des Keims im in die Erde geschlagenen Keil (etymologisch verwandte Wörter!).

In diesem Sinne heute (sozusagen viel zu verfrüht) der Auftakt zum Geschehen der Wintersonnwende ”“ als Vorbereitung darauf:

Auftakt

Ein Keil in die Nacht geschlagen.
Hammerschläge verhallen.
Stille breitet sich aus.
Lichtfunke glüht.
Frost regiert noch ein Weilchen.
Das wärmende Feuer:
Wir entfachen´s.

Winterschlaf unterbrochen (Wintersonnwende Nr.1)

Hallo, mein Winterschlaf als Blogger ist unter- oder bereits schon abge- brochen.

Vielleicht ist es mit der Wintersonnwende ja ähnlich wie mit Weihnachten. Die Erwartung ist riesig; man begeht ja nicht umsonst die Zeit des Advents. Und die Vorbereitung auf das Fest gründlich zu gestalten ist sicher auch wichtig.

Ich möchte nun in Abständen mit je einem von drei Gedichten zu dieser Zeit um die Wintersonnwende zu dieser Vorbereitung beitragen. Am Wintersonnwendtag selber will ich die drei Gedichte als Trilogie in einer Datei zusammen noch einmal wiederholen.

Trilogie will ich die Zusammenstellung dann nennen, weil jedes der drei Gedichte unterschiedlich angelegt ist: da gibt es ein besinnlich-poetisches, ein lyrisch-dynamisches und ein mehr in der Art der Gedankenlyrik angelegtes.

Noch ein persönliches Wort zur Verständigung voraus: Ich bin Kirchenmitglied, habe dem Christentum einiges zu verdanken (aber auch einiges vorzuwerfen) und mir ist das Fest der Wintersonnwende mindestens so wichtig wie Weihnachten (aber womöglich ist es ja eh”˜ wurscht, ob man das eine oder andere für wichtiger hält). Ich möchte mit meiner Betonung der Wintersonnwende sicherlich auf keinen Fall in eine nationalsozialistische oder auch nur germanisch-nationalistische Ecke gestellt werden. Das Weihnachtsfest ist aber von Menschen in die Zeit der (zu dem Termin bereits abgeschwächten) Kräfte der Wintersonnwende platziert worden. Deshalb halte ich es für sehr usurpatorisch ”“ im Gegensatz zu dem Fest der Wintersonnwende: Da weiß man an dem bestimmten Tag genau, woran man ist ”“ von den Fakten aus gesehen jedenfalls. Zur Interpretation, was der Tag für uns konkret bedeutet, bleibt gewiss noch genügend Spielraum ”“ und die nordische (aber auch andere) Mythologie bietet ohne Zweifel viel ”šSpiel´material dafür. Vielleicht ist davon ja etwas in meiner Trilogie zu spüren.

In diesem Sinne präsentiere ich nun das erste der drei angesagten Gedichte:

Wandel

Weniger werden die Tage
des schwindenden Lichts.

Die Sanftheit des Dunkels,
die Wonne des Winterschlafs
wird schon gemindert.

Ein Neues wird kommen.
Genommen wird und gegeben.

Trauer ist ja ein Teil
jedes Wandels.

Raue Zeiten

Rau in den raueren Zeiten.
Verhalten die Stimme.
Verhallt scheint der Jubel.
Nur in geschützten Räumen
knospen die Triebe
der Verheißung
sichtbar.

Aber auch im Vereisten
die Ahnung und übertölpeln
lässt sie sich nicht.

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