Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 154 von 165)

Bauhausgedanken

Wüssten wir, was wahr ist,
wir wüssten zu leben,
betteten uns in
Wohnzimmer der Erinnerungen,
versteckten das Runde
unserer Träume
in Quader von
fensterflächenverhangenen
Meisterhäusern.

Aber Ornamente,
mit denen wir das
unerlebte Leben genießen
könnten,
würden uns fehlen.

Und Wahrheiten,
denen wir trauten,
so einfach wie Quader
sind sie ja doch nicht.

Und Organisches
wächst aus den Funktionen,
wie der Zweck die Form
wohl gebiert,
wenn sie nicht selber
sich dennoch entwickelt
aus ihrem sinnvollen Samen,
ganz zweckfrei.

Und wir träumen und sind.

Konfession

Ich lebe lieber in der Angst

als in der Sorge,

weil ich mir dann

vom Schicksal etwas borge:

Weil ich ja da

nicht die Verantwortung empfinde

und mich im Treibenlassen

wiederfinde.

Das ist bequemer allemal,

ist´s leider manchmal auch ´ne Qual.

Postulat zur goldenen Regel („Was Du nicht willst, dass man Dir tu…“)

Es gilt für alle Menschen.
Es gilt für Männer wie für Frauen.
Es gilt für Menschen aller Ethnien.
Es gilt für Menschen aller Gesellschaftsschichten.
Es gilt für Menschen aller politischen Überzeugungen.
Es gilt für Kinder, Jugendliche, Heranwachsende, Erwachsene jeden Alters.
Es gilt für Menschen aller Länder, ob sie Staatsbürger sind oder nicht, Migranten oder nicht.
Es gilt für Menschen, die an Göttliches glauben oder nicht, an Götter und Göttinnen gleichermaßen.
Es gilt, ob von den Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten verabschiedet wird/worden ist oder nicht, deren Artikel 1:

Jede Person, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischen Herkunft, welchen sozialen Status, welcher politischen Überzeugung, welchen Alters, welcher Nationalität oder Religion, hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.


aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

Die Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten ist eine Initiative des InterAction Council, die als Gegengewicht und Ergänzung zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1997 den „Vereinten Nationen und der Weltöffentlichkeit zur Diskussion vorge­legt“ wurde. Angelehnt an den Text der Menschenrechtserklärung, beschreibt sie statt Rechten eine Reihe von Pflichten, die allen Menschen auferlegt sind, allen voran, andere Menschen menschlich zu behandeln.

Der Strauß

Die Tulpen im Strauß
erklären sich mir
eine die andre.
Ihre Unterschiede
überraschen mich
in meiner Gleichmacherei,
mit der ich doch eigentlich
Recht hatte:
alle sind rot.

Doch nun stelle ich mich
jeder einzelnen vor
und erfahre,
wie ich jede
zu schätzen beginne

und reicher werde
als schon zuvor.

Der wilde März

Der März, der kommt mit Sturmgebraus.
Er lässt die Winde springen.
Er fegt ganz ordentlich ums Haus,
will uns was Neues bringen.

Und neue Besen kehren gut.
Das muss man attestieren.
Und ist dabei auch etwas Wut,
wenn er so brüllt,
er hat nichts zu verlieren.

Wenn er so brüllt und ganz urplötzlich
den Himmel klarfegt  – himmelblau
der sich nun zeigt ergötzlich  –
nach wenigen Minuten dann
mit Eisesdecke füllt die Au:

Die Märzensonne kommt bestimmt;
Sie soll uns dann erfreuen.
Und was der März auch unternimmt,
es wird ihn nicht gereuen.

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