Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 142 von 165)

Winterstarre

Schlangenarmig verzwirbelt,
adrig verzweigt,
rindenstarrend abgeschottet
nach außen:
Baumgeäst-Grafik.
Struktur dominiert
die Substanz,
während das Eis
vorherrscht,
kristallin
bis ins Kleinste.

Lichtglitzerpunkte

Lichtglitzerpunkte
eistropfenbehangener
Äste und Zweige

Starres Verharren erlaubt
Ständig wechselndes Funkeln


Das Kommentargedicht dazu von Hermann Josef:

im blattgeäst
verschobener tage
zwischen zwei seiten
aus unbeschriebenem schnee
funkelt wechselndes licht
erfriert in verzweigungen
aus bewegung und starre
am kalten wasser
aus eisglitzerndem blau

(c) Hermann Josef Schmitz


Das herrlich ver-dichtete Kommentargedicht von lylo:

von ästen und zweigen
ein eisiges tropfen
glitzerndes licht
im verharren
doch funkelt

(c) lylo

Das überlebende Leben

Das überlebende Leben
kristallisiert sich
in Baumgeästgrafiken,
gestern noch
vor blauem Plafond,
glänzend, doch starr,
heute in Gesellschaft
von nebligem Grau.
Grau über umgebrochener,
blanker Erde, schneebehaucht,
abweisend und eisig.
Grau auch
über überdauernden
Rasenflächen.
Deren Kraft
ließ das bisschen Schnee jedoch
nicht siegen
über das Grün.
Überlebendes Leben
lässt erst sich verbergen ganz,
wenn reichlich der Schnee fällt
und das Weiß in den Birkenkronen
keinen Kontrast mehr
bietet zum Dunkelbraun
anderer Bäume
vor erneut strahlendem
Himmel, wenn alles
im Weiß liegt
der angeblichen
Unschuld.

Fehlende Friedensbedingungen

Wo heimgeleuchtet,
nicht heimgeleitet wird
mit der Fackel,
verfeinden sich Brüder.
Und die Schwestern
haben das Nachsehen.
Und nachgesehen
wird keinem noch was.
Die Fackel des Krieges
entzündet die Emotionen,
die im Nebeneinander
vermisst worden waren
im Frieden. Aber
sie verschlingen
die Zündler
alle.

Vor dem neuen Jahr

Geschmückte Bäume
stehen noch
in den Obstwiesen,
mit roten Kugeln
die einen,
mit goldnen
die andern.
Umfangen
von braunem Geäst
sind die Bälle.
Einer, heruntergefallen
und über den Asphaltweg
gekollert:
moorschwarz schon
liegt er in der Pfütze.
Da zerquetscht ihn
der Reifen des Fahrrads.
Weihnachten ist nun
wirklich
vorbei.

Befreiung von der polaren Logik

Oh längste Nacht:
Es ist vollbracht.
Das Blendwerk ist
jetzt klar gemacht.
Am Pendel hängt
der Sonne Pracht.

Die kleine Frist
unendlich ist.
Du kleine List,
wie süß du bist:

Ich darf jetzt ruhn.
Ich muss jetzt gar
nichts, gar nichts tun.

Und doch keimt schon
des Lohnes Lohn:
Es ist vollbracht.
Die Sonne lacht
am andern Ort.
Sie ist nicht fort.
Sie ist noch da,
so nah, so nah.

Unendlich nur
und ohne Spur
ist nur der winzige
Moment,
da man die Sonne
gar nicht kennt.

Und grade da
ist dieses nah:
Ich darf jetzt ruhn.
Ich muss jetzt gar
nichts, gar nichts tun.

Der Hauch der
Ewigkeit ist nah.
Für kurze Zeit
ist sie ja da
und währt und währt,
wie du´s begehrt:

Du darfst jetzt ruhn.
Du musst jetzt gar
nichts, gar nichts tun.

Jetzt darfst du sein.
Ganz ohne Schein.
So klar, so klar,
so rein und wahr.

Der Gipfelpunkt
der Dunkelheit
in dieser Tiefe
dich befreit.

Mit diesem Gedicht verabschiede ich mich für den Rest der Blogpause und wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern eine schöne Festzeit, verbunden mit dem Dank für alle Treue.

Antworten auf Eure Kommentare gibt es dann wahrscheinlich nach den Weihnachtsfeiertagen.

Sperriges zur längsten Nacht

Schwarz ist nicht der Teufel;
Den gibt es nämlich nicht.
Dunkel ist nicht finster;
Dunkelhaarig kann rassig sein
Und voller Herzblut.
Blond kann die Farbe sein
Von unerbittlichem Recht-
Haben-Wollen.
Kälte kann Schmerzen
Verschwinden lassen.
Frieren muss man deshalb
Noch lange nicht.
Frieden kann so kalt sein
Und dunkel die freundlichen
Angebote.
Schwarz ist der Ausstoß
Von krankmachendem Ruß
Aus dem Auspuff.

Rot ist der Himmel, wenn
Die Sonne untergeht;
Und rot ist das Herzblut.
Und rot ist die stoppende Ampel.

Bilder sind dunkel,
Besonders die Bilder vom Hellen.
Bilder, die können blenden
Und zeigen nur das,
Was zu wissen man glaubt.

Und glauben heißt ja:
Nicht wissen.

Aber glauben machen,
Dass alles so klar sei,
Sonnenklar,
Auch wenn man es singen
Kann mit Lyrabegleitung,
Ist Betrug,
Heller, blendender Betrug.

Wintertag – während der Pause in der BLOGPAUSE

Voller kristallisierter Wolkenbäuche
hängen die Birkenzweige,
der Fliederbusch und
die Hibiskussträucher,
sogar auf der Wäscheleine
halten sie sich
im Gleichgewicht
und der Mond,
fast noch voll,
hängt am Himmel,
umleuchtet vom Blau,
und lacht auf die Mütze,
die den Eibenbaum krönt.
Voller Verse hängt dieser Wintertag
in meinem Wachtraum.

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