Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 139 von 165)

Fastnachtsfreude

Freude aus sich heraus gebären
hilft Vieles in der Welt zu klären.
Da braucht es keine Allgewalt,
aus der allein die Wahrheit schallt.
Wenn Fastnacht wirklich es gelingt,
Hebammendienst zustande bringt,
dann ihr ein dreifach Jipp Hurrah
und alle Jecken sind schon da
und Narren auch, die munter springen.
Lasst alle ihr ein Liedlein singen.

Wahrheitssuche

Hineinwachsen, unberechtigt
eigentlich, als Dichter
in die Familie der Griots,
sich des Erbes der Ahnen
vergewissern, als Erbe der Kleio,
der die Griots so ähneln,
und was an Wahrheit geborgen
in den Traditionen der Alten,
die Lizenz erwerben, unbezahlbar,
und ritzen es in den Runenstab,
welche Verantwortung:
Worte verschenken
an Wortlose.

Paul Spinger hat folgendes Kommentargedicht dazu geschrieben:

Wahrheit ist nicht Wirklichkeit,
Sie bedeutet noch viel mehr.
Manchmal schläft sie lange Zeit,
Darum wiegt sie auch so schwer.

Eiszauber

Mein Blick heftet sich
auf das Schwirren
der Sonnenlichtspuren.
Sie bringen die Textur
der Eiszapfen zum Leuchten.
In verschiedener Länge
hängen sie festlich
in einer Reihe.
Schnell schließe ich
meine Augen,
drehe den Kopf zur Seite:
Nun verliere ich nichts mehr
von ihrem Glanz
in meinem Erinnern.

Befreiung

(Noch einmal Plädoyer hierfür:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition%3bsa=details%3bpetition=1422)

>
Befreite Arbeit, ohne Angst,
so dass du nach dem Höchsten langst,
was dir in Menschenwürde winkt:
ein Tun voll Freude dir gelingt.

Ein Tun, das alle Kräfte weckt,
das dir und allen nützen kann,
das niemand fordert, in dem steckt,
was ohne Gier uns fördert, Frau und Mann.

Ein Tun, das ein Stück Paradies
dir schenken kann, egal auch wie´s
manch andrer sieht, profitbedacht;
du hast in Freiheit es gemacht.

Dies zu erreichen sei uns Lohn,
dass alle Menschen ohne Fron
mit Sicherung durchs Grundeinkommen
die Anteilnahme sich genommen.

Altehrwürdiges

Das alte Pfarrhaus
aus Rittergutszeiten,
stattlicher Bau mit Walmdach,
inmitten eines ausladenden Gartens:
ehrwürdige Bäume haben was Sehnsuchtsvolles;
Licht erhält es von oben her,
sich verfangend in den renovierten Fenstern:
Erleuchtungsblitze:
reflektierte Sonnengeschosse.
Kaum ist ein Wolkenband
vor die Sonne geschoben,
schwindet das Leuchten.
Stumpfen Glanz nur noch
verstrahlen die Ziegel,
befeuchtet von den ersten Tropfen
des Sturmtiefs.

Rätselhaft

Sehnsucht nach Unbekanntem
kann es doch eigentlich
nicht geben.
Wonach
sollte
man
sich
da(nn)
sehnen?
Aber nach
Vergangenem
kann man sich doch
auch nicht mehr sehnen.
Es kommt doch nicht wieder.
Aber nur Vergangenes ist uns wirklich

bekannt.

Nachtrag: Angeregt zu diesem Texträtsel (lösbar oder nicht) wurde ich durch meinen Kommentar zu den Randnotizen #16 von Petros.

Paul Spinger hat ein wunderschönes Kommentargedicht beigesteuert:

Unbestimmte Sehnsucht

Da ist etwas ”“ ich sehne mich,
Und weiß doch nicht wonach,
Und keine Antwort findet sich,
Als läg´ die Seele brach.

Weiß nicht genau, was ich grad will, –
Das unbestimmte Sehnen!
Die Seele schweigt und bleibt ganz still,
Das Herz will nichts erwähnen.

Ich fühle mich bei mir daheim,
Doch nicht so ganz zu Hause.
(Jetzt wird es schwierig mit dem Reim;
Es reimt sich nur noch Sause.)

Tschechisch-Unterricht auf dem Maier-Lyrik-Blog ;-) -Teil 5

Wer was zu sagen hat

Wer sind die Stummen?
Und wer die des Wortes Mächtigen?
Barbaren waren der Sprache
der Griechen nicht mächtig.
Wer nicht deutsch spricht
in Deutschland
(außer den Sorben ”“ und Dänen
– natürlich),
hat sich vom Migrationshintergrund
noch nicht gelöst und hat
nichts zu sagen.

Wie stellt sich das dar
im ”šslovnik”˜,
dem tschechischen Wörterbuch?

Der Slowake (tschechisch ”šSlovak”˜)
wie der Slowene (tschechisch ,Slovinec”˜)
und wie der Slawe (tschechisch ”šSlovan”˜)
ganz allgemein (also auch der Tscheche,
wie auch der Sorbe)
sind des ”šslovo”˜ ja mächtig,
des Wortes,
nicht aber, der stumm ist
(tschechisch ”šnemy”˜),
also der ”šNemec”˜,
der Deutsche.

Und der glaubt,
zum Volk der Dichter und Denker
zu gehören.

Die angeführten tschechischen Wörter sind mit den richtigen Akzenten hier aufgeführt.

Scham oder Schande

Ich schäme mich
meiner Gefühle nicht,
sagt sich so leicht.
Ich fühle das Leid.
Was mir wehtut
oder Geschöpfen um mich.
Ich schäme mich nicht,
auch zu weinen
vor Zorn oder Mitleid.
Aber die Schande,
die mich bedrängt,
versuche ich gerne
zur Seite zu drängen.
Beschämt zu werden
drängt mich in Abwehr.
Mitgefühl stirbt gar ab.

Scham ist Beschämtwerden nicht.
Aktiv zu fühlen
und passiv zu leiden
an beschämendem Vorwurf
passen so schlecht
zueinander.

Unsre Ehre muss sein,
uns schämen zu können
von uns aus
und dann zu wirken.

Scham

Die Scham,
der Menschheit
anzugehören,
die schreckliche Schicksale
hervorbringt,
sie ist unausrottbar,
wenn sie trifft

auf Sensibilität.

Wie viel leichter
lebte es sich doch
ohne sie.

(Nach meinem Kommentargedicht zu Pauls Gedicht „Die Bettlerin – Boulevardskizzen 8  – 

Bitte dort erst im Kontext mit dem Gedicht und den anderen Kommentaren nachlesen, bevor die Neigung zu schimpfen anfängt!)

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