Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 134 von 165)

Umfrage*

Wie ich mich freue:
Es gibt noch die Treue,
die Treue zum Leben.
Ich seh´s an der Sorge
der Jugend von heute:
Was von der Natur man sich borge
und zurück geben müsse,
darüber sorgen sich junge Leute.

Die Armut in der Welt kümmert sie,
nicht gegen Terrorismus der Kampf,
nicht des nach immer mehr Geld Strebens Idiotie.
Das an der vorderen Stelle zu sehn
sei doch Krampf.

Zerstörung der Lebensgrundlagen
der Menschen der Welt
fürchten sie zu meinem Behagen
genau wie das schreckliche Rennen nach Geld.

Umfragen, die dieses belegen,
lese ich gerne.
Schimpfen über die Jugend
ist da ganz ferne.

*Siehe Artikel „Sorge um den Zustand der Erde“ in der Esslinger Zeitung vom 15.8.09 (verkürzt wiedergegeben hier: https://www.ez-online.de/kinderleicht/Artikel456726.cfm )

Havel

August, Zeit des Wartens.
August, Verharren im Schatten des Gartens.
August, Dinge entwickeln sich.
August, Dinge für dich und mich.
August, 1789: der Text entsteht: Menschen- und Bürgerrechte.
August, 1989: Havel weiß: Wofür er steht, ist das Echte.

Was Havel 1989 im August noch nicht wusste, war, ob er den ihm bereits zuerkannten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Oktober auch würde in Frankfurt entgegennehmen können. Tatsächlich wurde ihm die Ausreise dazu dann nicht gestattet. In der Samtenen Revolution im November und Dezember 1989 wurde der Dissident Havel aber dann sogar Präsident der von der Diktatur befreiten Tschechoslowakei (und später – nach der Trennung der Slowakei und Tschechiens – der erste Präsident der Tschechischen Republik.

Siehe auch: https://www.zeit.de/1989/25/Der-Stachel

Gestreckter Zeitwert

Lang ausgehalten der Ton
Keine Koloratur
Einfach angelegt
Auf Dauer
Des Aushaltens
Aufs Hinüberweisen ins Nächste
Ohne sich zu verlieren
Im Vergehen
Dem sterblichen Augenblick
Aber auch ohne Verharren
Im länger nicht duldbaren Dauern

Spannend der Übergang
In die Zukunft
Die unausweichliche
Ersehnt sie zu machen
Und freudig
Sie zu empfangen

Kommentargedicht von Barbara Hauser:

schönheit der zeit

leise durchdringt sie
in allem singt sie
mit allem schwingt sie
verklingt sie mit uns?

Selbstwertgefühl

Das Gefühl haben
Die Welt zu bewegen
Meine kleine Welt mindestens
Anstoßen ein bisschen
Schmetterlinge selbst schaukeln
Die Gräser bei ihrem Besuch

Und wenn alle sagen
Was soll das dem Boden
Verzweifelt einen Tritt
Geben und annehmen
Dass endlich die Dinge
Sich drehn dann

Schrittmacherprobleme

Im Windschatten fahren
Benötigend Unterstützer
Für die gute Sache
Atomwaffenfreies Deutschland
Pacemaker-Fahrradtour
Obst und Getränke
Von den Stadtverwaltungen

Im Windschatten fahren
Hinter dem Fraktionssprecher
Der die Große Koalition
Deswegen allein
Doch nicht platzen lassen wollte
Zumal er den Krieg in Afghanistan
Fortsetzen will den guten Krieg

Im Windschatten fahren
Sich bei der Etappe
Die Friedensrede
Des Kriegsbefürworters anhören
Verbündeter für ein
Atomwaffenfreies Deutschland
Kröten schlucken
Im Windschatten frieren

Im Windschatten fahren
Bevor mich kurz vor dem Ziel
Fast die Kräfte verlassen
Nicht genügend trainiert

Zeit-Los

Zeit,
eine Erfindung
der realiter existierenden
Welt, der Anderswelt
erscheint sie kurios,
famos,
wenn man wechseln kann
von einer zur andern.

Kommentargedicht zu Rosadoras Gedicht Tag für Tag…

Kommentargedicht von Curt hierzu:

Zeit, losgelöst vom Raum,
man sagt, das gäb es kaum.
Ein Wechsel in den Dimensionen
scheint sich bestimmt zu lohnen.

Kommentargedicht von Barbara:

Zeit verrinnt
uns in der Hand.
Bestehen bleibt ein
unentwirrbares Geflecht
für den Verstand.
Er braucht viel Zeit,
um zu verstehen.
Erst, wenn er aufgibt,
ahnt er kosmisches Geschehen.

Offene Frage

BUNDESWEHR
TÖTET
ZIVILISTEN
IN AFGHANISTAN

BUNDESWEHR
TÖTET

BLEIBT NUR
DIE FRAGE:

SINGULAR ODER PLURAL?

Kommentargedicht von Paul Spinger:

Nachgefragt

Wer ist schon damit einverstanden,
Dass sie ihn wieder neu erfanden,
Den guten Krieg?
Noch traun sie sich nicht „Krieg“ zu sagen,
Wenn sie den Taliban erschlagen;
Ist das ein Sieg?

Dass die Soldaten Mörder sind,
Das wusste früher jedes Kind,
Und wieder klopf ich auf den Busch:
Ist es denn jetzt schon wieder Norm,
Dass Mann in einer Uniform,
Darf töten dort am Hindukusch?

Meinungsfreiheit

Gut, nicht bloß eine
Zeitung zu lesen;
denn was ich meine,
nicht unbeeinflusst gewesen
ist´s immer.
Im Zimmer
fechten die Argumente
noch schlimmer
am Ende
als auf der Straße.
Dort heißt´s ja heute:
Mein Name ist Hase.
Oh Leute!

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