Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 126 von 165)

Internationale Verantwortung

Nie wieder Krieg!
Diesen Sonderstatus
beanspruchen wir
nicht mehr
in unverantwortlicher Weise,
wir umgefärbten
Kriegstreiber von einst.

Wir treiben´s jetzt
in neuer Verantwortung
Freund und Feind,
Nützling und Schädling
genau zu markieren,
auf dass die Ziele
der Bombardierungen

klar sind.

Das Kommentargedicht von Petros ist ein großartiges, trotz allem mutmachendes Bekenntnis:

Schlimm, wirklich schlimm”¦
und dann von einer breiten Mehrheit des Bundestages getragen.
Schlimm, wirklich schlimm”¦
dass nur wenige ihre Stimme erheben.
Schlimm, nein, schlimmer als schlimm;
dass wir unsere Augen dem Tod leihen.
Schlimm, nein, menschenunwürdig,
dass das Töten auf Befehl wieder Heldentat und ordenswürdig ist.

Erwerbsarbeit

Verwaist mühen wir uns,
arbeiten dienstbeflissen
für die mühelosen Erben,
ererben nur Mühen,
nicht das Erbe der Mühen.
Waisenkinder mühen sich
um die Brosamen der Erben.

Eigene Arbeit macht nicht frei,
nur die der andern,
die wir beerben
ohne Mühe und Not.

Eigene Arbeit bringt Brot
– manchmal –
aber keinen Fasanenbraten.

Marx und Engels
fielen auf Luther rein:

Arbeit bringe das Paradies
für die Arbeitenden.

Aber Knechte
sind keine Herren.
Alles andre ist Lüge.

Sie sind vertrieben
aus dem Paradies
der freien Tätigkeit.

Aber nur Taten
bringen die Menschheit voran.

Legitimation

Geht auf die Straße?
Solange die Mehrheit nicht zugibt,
dass sie falsch gewählt hat,
solange die Mehrheit
der heutigen Opposition
nicht zugibt,
dass sie früher die Wähler
durch ihre falsche Politik
dazu getrieben hat
falsch zu wählen,
können zu wenige
mit vollem moralischem Recht
auf die Straße gehen,
als dass sich was
änderte.

Kommentargedicht zu dem von Petros HIER angepriesenen Kabarettbeitrag

Wandel

Dass früher alles anders war
Als wie es heute ist,
Das ist nicht wirklich sonderbar.
Nur eines das ist Mist:

Dass heute alles anders ist
Als ich es einst erlebt,
Macht dass sich so nach manchem Jahr
Die Stimmung gar nicht hebt.

Zeit

Ich falle nicht
in die Falle der Zeit,
die im Orkus verschwindet.
Hüüt halt‘ ich’s mit der Ziit,
die mich nach vorwärts zieht.

Vorfreude

Ich freue mich schon
Auf die Nachkriegszeit.
Ich hör jeden Ton
Zu klingen bereit
Wie die Musik
In den zwanziger Jahren;
Ich träum mich zurück.
Es gilt zu bewahren
Den Willen zum Aufbruch
Und hin zum Gelingen,
Was das Geschichtsbuch
Nicht konnte bringen
In den dreißiger Jahren.
Ach könnt man die Unschuld
Doch endlich bewahren.
Endlich mal Unschuld!

Und dann nach dem Weltkrieg,
Dem zweiten, dem schlimmen,
Wollt statt dem Sieg
Man endlich bestimmen,
Nicht mehr zu marschieren,
So Vorbild zu sein.
Nicht lange genieren
Wollt man sich. Wirklich zum Schrein:
Fürs eigene Rechthaben
So sich zu ducken,
Gemeinsam am Graben
Zu bosseln, zu mucken
Gegen die Bösen,
Die man so benannte
Und abzulehnen
Alles Unbekannte,
Das bleibt heut”˜ noch denen,
Die sich wirklich nicht schämen.

Und trotzdem freue
Ich wirklich mich schon
Auf eine Nachkriegszeit
Ganz ohne Reue
Mit ganz neuem Ton.
Ich wäre bereit.

Tradition

Wenn mei Großvadder
a Dichder gwea wär,
hedd´r vomma blaua Blaffoo
schdatt vom Hemmel gschrieba
ond dass do wia am Blaffoo
von seiner Wohnschduub
dia schenschde Lamba
ronderhengat am Daag
ond en d´r Nacht
wia´s en d´r Bibel schdoht.

Ond dui Ehrfurcht,
wo er gschbiart hot,
hot sich bei mir
au eigschdellt,
wo i mei elegdrische
Eisabah”˜ griagt han:
dui isch a”˜drieba worda
durch an Draffoo…

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